Die Deutschen Gasrußwerke stellen sich dem demografischen Wandel (Bild: KG Deutsche Gasrußwerke).

Die Deutschen Gasrußwerke stellen sich dem demografischen Wandel (Bild: KG Deutsche Gasrußwerke).

Vorreiter unter den mittelständischen Unternehmen reagieren bereits heute auf den demografischen Wandel. Zum Beispiel Continental Teves und die Deutschen Gasrußwerke.

Ralf Hess

DÜSSELDORF (gk). Wie Unternehmen auf die demografische Veränderung in der Bevölkerungsstruktur reagieren können, wird derzeit am „Institut für angewandte Wissenschaft“ (IfaA) in Düsseldorf untersucht. Unter Beteiligung des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, der Industriegewerkschaft IG Metall und verschiedener Unternehmen versucht das IfaA, mit dem Forschungsprojekt „Stradewari“ Anpassungsstrategien an den demografischen Wandel für mittelständische Unternehmen zu finden.
Dr. Ing. Sven Rottinger betreut „Stradewari“ als Projektleiter. Rottinger sagt: „Der demografische Wandel ist in vielen Unternehmen noch nicht angekommen“. Das Ziel von „Stradewari“ sei, die Produktivität älterer Mitarbeiter zu erhalten oder noch weiter auszubauen. Für eine nachhaltige Herangehensweise an die demografischen Veränderungen in der Mitarbeiterstruktur fehle vielen Unternehmen derzeit noch der Ansatz.
Die Continental Teves AG & Co. oHG ist eines der Unternehmen, das sich am Projekt „Stradewari“ beteiligt. Für Judith Zeitz, Leiterin Ganzheitliches Gesundheitsmanagement und Ansprechpartnerin für „Stradewari“ im Werk Frankfurt, ist das Forschungsprojekt eine logische Weiterentwicklung für das „sehr ausgeprägte Gesundheitsmanagement bei Continental“. „Das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter liegt derzeit bei 43 Jahren“, sagt Zeitz. Bei dem Projekt „Stradewari“ sei ein Großteil der Initiative aus der Belegschaft selbst gekommen. Im Zentrum stünde in erster Linie die Erhaltung der Gesundheit und vor allem der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Dazu bietet das Unternehmen eine ganze Reihe von unterschiedlichen Workshops an. Neben einer gezielten Rückenschule habe das Unternehmen eine sehr aktive Präventionskultur unter den Mitarbeitern etabliert. Ein Konzernchef Gesundheit sei eigens damit beauftragt, das nachhaltige Gesundheitsmanagement des Unternehmens weiter voranzutreiben.
Dass sich die Anpassung an den demografischen Wandel jedoch nicht nur auf gesundheitliche Faktoren beschränkt, sondern vielmehr auch in den unternehmensinternen Produktionsprozessen niederschlagen muss, zeigt das Unternehmen KG Deutsche Gasrußwerke GmbH & Co. Laut Dr. Hans-Dieter Kahleyß, Geschäftsführer der Deutschen Gasrußwerke, habe das Unternehmen mit einer ganz klassischen hierarchischen Pyramide begonnen. Heute seien die Deutschen Gasrußwerke wesentlich prozessorientierter organisiert.
Bereits vor längerem habe  das Unternehmen damit begonnen, die eigenen Unternehmensprozesse zu analysieren, um sie auf Verbesserungsmöglichkeiten zu untersuchen. Ein Teilprojekt „Demografiefeste Organisationsentwicklung“ orientiert sich an der Effizienz der jeweiligen Prozesse und an dem Ziel, ganzheitliche kompetenzfördernde Aufgabenbereiche zu schaffen. Dieser Prozess der Organisationsentwicklung wird von abteilungsübergreifenden, prozessorientierten Teams getragen, bei denen alle Mitarbeiter partizipieren. Begleitet wird das Projekt durch Qualifizierungsmaßnahmen und ergänzt durch geeignete Arbeitszeit- und Entgeltsysteme. „In den Teamsitzungen sitzen immer die Mitarbeiter, die einen wirksamen Beitrag zum Thema leisten können“, erklärt Kahleyß. Als kleiner Nebeneffekt würde das Wissen über den Prozess breiter gestreut werden und „den Mitarbeitern bietet sich die Möglichkeit, in einen anderen Bereich des Prozesses zu wechseln“. Ein Angestellter, der aus gesundheitlichen Gründen seine ursprüngliche Position nicht mehr ausfüllen konnte, habe dadurch die Möglichkeit erhalten, weiter im Unternehmen zu bleiben. Auf diese Weise können die Deutschen Gasrußwerke Mitarbeiter halten und vor deren Erfahrung profitieren.
Die Ressourcen alternder Belegschaften werden derzeit laut Rottinger von den Firmen oft nur unsystematisch genutzt. Der demografische Wandel verlange jedoch, sich bereits heute auf kommende Veränderungen einzustellen. Die Fähigkeit, sich einer alternden Belegschaftsstruktur anzupassen, dürfte künftig darüber mitentscheiden, ob für die weitere Entwicklung eine ausreichende Fachkräftebasis vorhanden sein wird.