Chinesische Maschinenbauer sind beim Umsatz mit internationalen Konkurrenten vergleichbar (Graphik:

Chinesische Maschinenbauer sind beim Umsatz mit internationalen Konkurrenten vergleichbar (Graphik: Oliver Wyman).

Die chinesischen Maschinenbauer werden in den kommenden fünf Jahren mit den größten deutschen vergleichbar sein.  Deshalb müssen die heimischen Firmen ihre Organisation schlagkräftiger machen.


Gunnar Knüpffer

LANDSBERG. In den kommenden drei bis fünf Jahren werden chinesische Maschinenbauer zu einem rasanten Überholmanöver ansetzen. Analog zur wirtschaftlichen Großoffensive der Japaner in den 1980er-Jahren werden sie zunächst in andere Schwellenländer expandieren, um anschließend in die Triademärkte USA, Japan und Europa zu drängen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Maschinenbau 2015“ der Managementberatung Oliver Wyman.
Die chinesischen Unternehmen haben zuletzt massiv zugelegt. Die 15 größten Maschinenbauer Chinas erzielen heute im Schnitt einen Umsatz von drei Mrd Euro. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei rund 700 Mio Euro. Hält das Wachstum der chinesischen Konkurrenten an, werde ihr durchschnittlicher Umsatz in den kommenden fünf Jahren auf zehn Mrd Euro zulegen. Damit sind sie mit den größten deutschen Maschinenbauern vergleichbar und werden zu einer „echten Bedrohung auf den entwickelten Weltmärkten“, heißt es in der Studie.
Die Situation weise deutliche Parallelen zum Wettbewerb mit japanischen Maschinen- und Anlagenbauern in den 1980er-Jahren auf. Nachdem die Japaner viele Jahre verharmlost worden waren, stachen sie zuerst amerikanische Maschinen- und Anlagenbauer aus und eroberten dann in einigen Marktsegmenten große Teile des Weltmarktes.
Im Wettbewerb mit China kommt der Studie zu Folge eine zusätzliche Bedrohung hinzu: Im Gegensatz zu den Japanern streben die chinesischen Firmen Unternehmensübernahmen an, durch die westliche Unternehmen auch auf ihren Stammmärkten gefährdet werden.  „Für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer ist es jetzt an der Zeit, sich auf den chinesischen Wettbewerb einzustellen und ihre Organisation schlagkräftig aufzustellen“, sagte Thomas Kautzsch, Partner bei Oliver Wyman.
„Da selbst globale Institutionen nicht in der Lage sind, Wachstumsraten auch nur für sechs oder zwölf Monate vorherzusagen, sollten die Unternehmen nicht mehr Aufwand in Prognosen stecken, sondern ihr Geschäftsmodell flexibler gestalten“, sagte Kautzsch gegenüber Produktion. Das betreffe drei Punkte:

  • Die Flexibilisierung des Geschäftsmodells und der dahinterstehenden Kostenstrukturen. Im Vergleich mit anderen Branchen gibt es noch Flexibilisierungspotenziale bei Gemeinkosten und Bereichen jenseits des Kerngeschäfts. Zum Beispiel können nicht differenzierende Funktionen ausgelagert werden, und die Supply-Chain kann flexibler gestaltet werden durch neue Zusammenarbeitsformen mit dem Lieferanten.
  • Eine flexiblere Planung: Firmen sollten neben ihrer Hauptplanung eine zweite, vielleicht sogar eine dritte Variante entwickeln für den Fall, dass es für die Kunden besser oder schlechter läuft. Auch sollte die Planung rollierend vorgenommen werden mit einem Update alle drei Monate.
  • Mittelfristige Finanzierung: Wegen möglicher stärkerer Marktschwankungen sollten die Firmen vorsichtiger als bisher agieren und sich eine umfangreiche mittelfristige Finanzierung sichern, um Reserven zu haben.