In der Regel sind hervorragende Ingenieure in den Unternehmen vorhanden, die Fach- und

In der Regel sind hervorragende Ingenieure in den Unternehmen vorhanden, die Fach- und Führungsaufgaben übernehmen könnten (Bild: Cello Armstrong - Fotolia).

Neue Ingenieure braucht das Land, heißt es allenthalben. Aber was ist mit den alten?

Birgit Szillat, Beraterin für Organisationsentwicklung und Business-Coach

HAMBURG (gk). Schon in diesem Jahr fehlen in Deutschland mehr als 40 000 Ingenieure, gibt der VDI zu bedenken. Daher ziehen Personalabteilungen alle Register: Sie kooperieren mit Hochschulen, führen Schüler durch Betriebe und dehnen die Suche nach Ingenieuren weltweit aus. So wird der Wettbewerb der Unternehmen um gute Kandidaten immer härter und trotzdem bleiben wichtige Stellen unbesetzt. Die Ingenieure in den eigenen Reihen werden dabei oft übersehen und sogar vernachlässigt: In der Regel sind aber hervorragende Ingenieure vorhanden, die sich gezielt für bestimmte Schlüsselpositionen in der Fach- und Führungslaufbahn weiterbilden lassen. Hier sind Personalentwicklung und Führung gefragt. Einen Ingenieur ans Unternehmen zu binden und für neue Aufgaben weiter zu entwickeln, ist einfacher und günstiger, als einen neuen zu rekrutieren und einzuarbeiten. Bewusstsein dafür ist von Personalseite zwar vorhanden, lässt sich aber von den direkten Führungskräften im Alltag nicht immer beobachten. Der Stress in den Projekten steigt, Ingenieure stehen unter enormem Zeit- und Erfolgsdruck. Oft stellen sie hohe Anforderungen an sich selbst, das liegt in der Natur des Ingenieurberufs, die Arbeitslast steigt, die Anerkennung kommt zu kurz: Darunter leidet schnell die Motivation und immer häufiger kommt es zum Burnout. Führungsaufgaben sind bei Ingenieuren selten beliebt, sie stehen unter dem Ruf, von der eigentlichen Arbeit abzuhalten. Und sie erfordern es, auch über zwischenmenschliche Themen und Konfliktklärung zu sprechen – das fällt weniger leicht als der fachliche Austausch. Die Lernbereitschaft dafür ist dennoch vorhanden, insbesondere, wenn sie merken, was sie bei anderen mit ihrem Verhalten bewirken. Es lohnt sich also, Entwicklungsmaßnahmen anzubieten – die nicht nur Softskills fördern, sondern gleichzeitig die Ingenieure ans Unternehmen binden.