Die anlagenintensiven Branchen wie Chemie, Öl und Gas, Energieversorgung und Stahl erzielen niedrige Werte beim Nachhaltigkeitsindex von Accenture. Schlusslicht ist die Stahlbranche.

Gunnar Knüpffer

Kronberg im Taunus. Nachdem in der vorangegangenen Ausgabe  von Produktion dargestellt wurde, wie die Öl- und Gas-Branche unter allen anlagenorientierten Branchen die höchsten Wachstumsraten hat, analysieren wir, in welchem Zusammenhang Nachhaltigkeitsaktivitäten und  Wachstum sowie Profitabilität stehen. Innovation und Nachhaltigkeit sind dem Phönix-Report von Accenture und Justus-Liebig-Universität Gießen zu Folge zwei Seiten einer Medaille. Dies spiegele sich in der Innovativität wieder: Wenn Unternehmen ihre Lieferkette CO₂-extensiver gestalten oder „Zero-Waste“-Produkte anbieten wollen, dann stößt dies enorme Innovationen an. Diese Ziele erreicht ein Unternehmen zum Beispiel durch neue Leistungsdesigns, die nicht mehr auf Produkte, sondern auf das Lösen von Problemen ausgerichtet sind, oder durch umfassende Total-Cost-of-Ownership-Ansätze in der Produktion. Ein weiterer und neuer Treiber von Innovation wird der Studie zu Folge die Zusammenarbeit mit interessierten externen Kreisen wie zum Beispiel Nichtregierungsorganisationen sein.
Innovations- und Transformationspotenziale werden laut Accenture deutlich, wenn Nachhaltigkeit nicht als freiwillige Nebensache behandelt wird, sondern wenn Unternehmen diese Philosophie bewusst in das Kerngeschäft integrieren. Nur dann gelinge es, das volle Potenzial von nachhaltigem Management bei Kosten- und Risikoreduktion sowie Umsatz- und Reputationssteigerung auszuschöpfen.
Auffällig ist, dass Stahlunternehmen mit 0,06 den geringsten in der Studie ermittelten Nachhaltigkeitswert haben. Deren Unternehmensvertreter sind der Meinung, dass eine Integration von Nachhaltigkeit nicht notwendig sei, obwohl sie im Vergleich zu anderen Branchen Schlusslicht sind und bisher nur wenige Nachhaltigkeitsaktivitäten realisiert haben. Auch hat der Nachhaltigswert innerhalb der Stahlbranche die geringste Streuung, das heißt, die Mentalität in den Firmen ist ähnlich. Eine mögliche Erklärung für dieses Verhalten könnte darin liegen, dass die Stahlbranche besonders stark wächst und nicht den Druck für kostensenkende Nachhaltigkeitsinitiativen verspürt. Aber auch die anderen anlagenintensiven Branchen (Chemie, Öl und Gas sowie Energieversorgung), die am wachstumsstärksten sind, erzielen bei dem Nachhaltigkeitsindex nicht die höchsten Werte.
Einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Profitabilität konnten die Unternehmenberater jedoch bei den F&E-intensiven Firmen feststellen, zu denen Pharma und weitere F&E-intensive Branchen gehören.