Diese Firmen wachsen um fünf Prozentpunkte schneller, sind doppelt so profitabel und erwirtschaften deutlich höhere Renditen.


MÜNCHEN (gk). Wenn es um komplexe Projekte mit vielen Ansprechpartnern geht, fallen Entscheidungen häufig zu spät oder enden in einem unbefriedigenden Kompromiss. Das ergab die aktuelle Studie der Unternehmensberatung Bain & Company. Mehr als 80 Prozent des Wertes eines Unternehmens hängen in der Regel von weniger als 20 Prozent der Entscheidungen ab. Diese Entscheidungen sind also der Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg. Die Studie offenbart, wie sehr ungeeignete Strukturen richtige und zügige Beschlüsse sowie deren planmäßige Umsetzung behindern. Lediglich ein Fünftel der untersuchten Unternehmen entscheidet effektiv. Das Ergebnis: Diese Firmen wachsen um fünf Prozentpunkte schneller, sind doppelt so profitabel und erwirtschaften deutlich höhere Renditen.

Die besten Unternehmen sind geprägt durch eindeutige Prioritäten, eine klare Zuordnung von Verantwortung zu qualifizierten Personen und eine offene, aber bestimmte Führungskultur. In ihrem neuen Buch mit dem Titel „Decide & Deliver“ belegt die Unternehmensberatung Bain & Company durch zahlreiche Beispiele, in welchem Maß zu komplexe Strukturen, unklare Verantwortlichkeiten und interne Machtkämpfe den unternehmerischen Erfolg behindern. Immer wieder stießen die Experten dabei auf die 7-Köpfe-Regel: Wenn mehr als sieben Personen an einer Entscheidung beteiligt sind, sinkt deren Effektivität um zehn Prozent pro weiteren Kopf.

Der Technologiekonzern ABB hat in der Ära Dormann das Prinzip „Struktur folgt Entscheidung“ konsequent umgesetzt. Mit Erfolg: Die auf dieser Maxime neu geschaffene Organisation förderte zügige und gute Entscheidungen und führte zu einem deutlich höheren Kostenbewusstsein. So wurde innerhalb kurzer Zeit ein Einsparvolumen von 1,2 Mrd US-Dollar freigesetzt. Binnen fünf Jahren – von 2003 bis 2008 – verdoppelte sich der ABB-Umsatz nahezu auf 34,9 Mrd US-Dollar. Das operative Ergebnis versiebenfachte sich auf 4,5 Mrd US-Dollar.

Ungeachtet dessen sind in den meisten Unternehmen dutzende Personen an wichtigen Beschlüssen beteiligt. Diese hohe Komplexität resultiert häufig aus einem verfehlten Ansatz bei Neu- und Restrukturierungen. Hierbei legen Manager auf Basis ihrer Strategie Strukturen fest, in deren Rahmen dann Beschlüsse fallen und negieren die zentrale Rolle richtiger Entscheidungen. Bain & Company hat einen alternativen Ansatz entwickelt, der zuerst die wertschaffenden Entscheidungen im Unternehmen identifiziert und dann festlegt, wann, wie und vor allem wer diese zu treffen und umzusetzen hat. Erst danach werden die entsprechenden Strukturen definiert. „Der Erfolg eines Unternehmens ist nichts anderes als die Summe seiner Entscheidungen. Daher sollten Unternehmen zentrale Beschlüsse in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen zu einer optimalen Struktur rücken“, sagt Bain-Partner Ebong.

In fünf Schritten lässt sich eine Organisation an wichtigen Entscheidungen ausrichten:

  • Status-Quo-Analyse: Ein Entscheidungs-Audit ersetzt die übliche SWOT-Analyse und erfasst bestehende Prozesse und Kompetenzen.
  • Prioritätensetzung: Die Identifikation wertschaffender Entscheidungen erlaubt eine Fokussierung der Managementkapazitäten. Bei diesen Beschlüssen kann es sich sowohl um große Investitionen als auch um laufende Optimierungen des Geschäftsmodells handeln.
  • Festlegung von Prozessen: Für jede wertschaffende Entscheidung werden eindeutige Prozesse und klare Verantwortlichkeiten festgelegt, interne Machtkämpfe gehören der Vergangenheit an.
  • Neuausrichtung der Organisation: Erst jetzt geht es um das Organigramm. Die neue Organisation ist durch klare Rollenverteilungen, eindeutige Entscheidungsprozesse und Informationsflüsse, nachvollziehbare Prioritäten und Prinzipien sowie eine entsprechende Kultur geprägt.
  • Implementierung: Da die Entscheider-Organisation die individuelle Verantwortung fördert und interne Konflikte entschärft, verstärken sich über die Zeit die positiven Rückkoppelungseffekte: Je zügiger und besser Beschlüsse fallen, desto größer die Akzeptanz der neuen Struktur.

„Gerade angesichts der zunehmenden Dynamik in den Märkten müssen Unternehmen ihre Führungsstrukturen weiter globalisieren. Der Gefahr, dadurch die Komplexität noch weiter zu steigern, können sie mit einer konsequenten Ausrichtung der weltweiten Organisation an wichtigen Entscheidungen begegnen. Sie erhöhen damit den Handlungsspielraum vor Ort und können die sich bietenden Chancen zügig und ohne Reibungsverluste ergreifen“, fasst Bain-Organisationsexperte Imeyen Ebong zusammen.

Die Effektivität von Entscheidungen ermittelte Bain & Company im Rahmen der Studie anhand von vier Parametern: Geschwindigkeit, Qualität, Aufwand und Umsetzung. Dabei zeigt sich, dass zügig handelnde Unternehmen (Top-Werte bei „Geschwindigkeit“) viermal so häufig die besten Entscheidungen treffen (Top-Werte bei „Qualität“) und diese auch viermal so häufig planmäßig umsetzen (Top-Werte bei „Umsetzung“).