Aulinger: „Lernende Organisationen arbeiten täglich daran, mehr über ihre Kernkompetenzen zu

Aulinger: „Lernende Organisationen arbeiten täglich daran, mehr über ihre Kernkompetenzen zu lernen.“ (Bild: Management Circle)

Der geführte Verbesserungsprozess war zentrales Thema auf dem Jahreskongress Production Systems. Experten, die sich mit der kontinuierlichen Verbesserung beschäftigen, offenbarten ihre neuesten Erkenntnisse, wie Unternehmen dem rasanten Wandel der heutigen Zeit begegnen können.

Sabine Leikep

STUTTGART (gk). „Anstatt nur passende Herausforderungen zu wählen sollten wir unsere Fähigkeiten den aktuellen Herausforderungen anpassen.“ So lautet die Devise von Gerardo Aulinger auf der Konferenz Production Systems 2011. Aulinger bezeichnet sich als „Kata-Botschafter“. Bevor sich Aulinger als Berater selbständig machte, sammelte er als Produktionsleiter bei der Festool GmbH in Neidlingen Erfahrungen mit der von Mike Rother entdeckten Methode „Kata“, die die Toyota Motor Company so erfolgreich und flexibel macht. Festool in Neidlingen war 2008 Gesamtsieger bei dem Benchmark-Wettbewerb Fabrik des Jahres/GEO von Produktion und A.T. Kearney.
Die Verbesserungs-Kata ist eine Verhaltensroutine, mit der Schritt für Schritt auf Lösungen hingearbeitet wird. Mitarbeiter werden mittels der Coaching-Kata durch die Führungskräfte darin geschult, wie sie mit Problemen und Herausforderungen aller Art umgehen können. Bei Anwendung der Verbesserungs-Kata werden Zielzustände definiert und nach Klärung der Frage „Was ist der nächste Schritt?“ wird im Rahmen eines kleinen PDCA-Zyklus (Plan, Do, Check, Adjust) eine hypothetische Lösung ausprobiert. Bei Bedarf werden so lange Korrekturen vorgenommen bis es passt. Diese iterative Vorgehensweise in kleinen Schritten ermöglicht eine flexible Annäherung an Problemlösungen unter Berücksichtigung sich ändernder Bedingungen. Menschen sollen ermutigt werden, ihre Komfortzone zu verlassen und neue Wege zu testen.
Im Gegensatz zur Abarbeitung von Maßnahmenplänen fördert diese Vorgehensweise laut Mike Rother, der seit über 20 Jahren das Toyota-Produktions-System erforscht, den Erfindergeist. Aktionspläne verlieren laut Rother schnell ihre Aktualität, da niemand die zukünftige Entwicklung vorhersehen kann.
„Der Kunde will keine Bohrmaschine sondern ein Loch“. Mit diesen Worten bringt Gerardo Aulinger den dramatischen Wandel auf verschiedenen Märkten auf den Punkt. So seien zum Beispiel gedruckte Lexika durch Wikipedia oder der klassische Film durch die Digitalfotografie verdrängt worden. In diesem Umfeld gelte es für Unternehmen, eingefahrene Bahnen zu verlassen und Neues zu wagen. „Routine ist nicht zum Lernen geeignet“ sagt Aulinger. Der Berater sieht im Experimentieren und auch im Scheitern die größten Chancen für Menschen und Organisationen, um sich weiter zu entwickeln. Gerade wenn etwas „nicht geht“ wird es laut Aulinger interessant. Scheinbar unerreichbare Ziele, wie zum Beispiel ein Auto, das geräumig, schnell, sicher, energieeffizient, emissionsfrei und kostengünstig ist, seien der Grundstein für Innovationen. Aulingers Fazit: „Lernende Organisationen arbeiten täglich daran, mehr über ihre Kern-Inkompetenzen zu lernen, um innovativ zu bleiben“.
Ein weiterer Pionier in der Anwendung der Verhaltensroutine Kata ist Dr. Lutz Engel, Werksleiter der Seidel GmbH in Marburg. Unter dem Titel „Auf die Kraft der Mitarbeiter setzen“ berichtete er von der praktischen Anwendung der Coaching- und der Verbesserungs-Kata. „Erfolg beruht auf der Fähigkeit der gesamten Organisation“, lautet Engels Erkenntnis. Vor allem gehe es darum, Bewusstsein zu schaffen, gemeinsam zu üben und lernen zu führen. Daraus könne man dann ein eigenes System entwickeln.
Bei der Definition des Ideal-Zustands habe sich die Seidel GmbH an der Toyota Motor Company orientiert: Null Fehler, 100 % Wertschöpfung und One-Piece-Flow. Um sich dorthin zu bewegen, werden Zielzustände definiert, die anhand kleiner PDCA-Zyklen angesteuert werden. Bei dieser Vorgehensweise anhand der Kata geht es laut Engel um die Synchronisation von Mensch, Maschine, Material, Methode und Mitwelt. „Wir müssen viele Schritte und auch Fehler machen, um zu lernen“,  berichtet der Werksleiter der Seidel GmbH.Seine Verhaltensweise als Führungskraft habe sich geändert: „Ich erlaube meinen Mitarbeitern jetzt, ständig zu experimentieren, auch an Maschinen.“ Ein Zielzustand gelte nur für eine gewisse Zeit. Wenn er erreicht ist, dann werde ein neuer Zielzustand erarbeitet, erklärt Engel die Vorgehensweise.
Anhand der auftretenden Hindernisse definierten die Teams den nächsten Schritt. Die Kata sei ein einfaches Muster und eine wissenschaftliche Vorgehensweise, so Engel und jeder könne die Methode verstehen. Allerdings müsse die Kata täglich angewandt werden. „Ein Prozess zerfällt, wenn man sich nicht damit auseinandersetzt“, warnt der Experte. Der Werksleiter der Seidel GmbH vergleicht den Vorgang mit dem Abstellen eines nagelneuen Autos in der Wildnis: „Es vergammelt relativ schnell, wenn es nicht gefahren und gepflegt wird.“
Infos: www.verbesserungskata.de