Ob in überdimensionalen Mühlen, gigantischen Errichterschiffen, kilometerlangen Förderbändern oder monströsen Saugbaggern – die Antriebstechnik in diesen Extremanwendungen überschreitet dank Komponenten und Lösungen von Flender die bisherigen Limits. Dazu gibt es nachfolgend sieben Industrie-Anwendungen im XXL-Format.

1.  6 000 000 Nm zerkleinern Eisenerz

In Arizona betreibt Freeport-McMoRan Inc. in einer Kupfermine mit der Metso HRC 3000 die größte Hochdruck-Schleifmühle der Welt. Obwohl die 900 t schwere Anlage in den vergangenen zwei Jahren rund 700 Millionen t Kupfererz zerkleinert hat, war sie mit dieser enormen Menge noch 30 % unterhalb ihrer eigentlichen Leistungskapazitäten. Dem nicht genug, spart die Anlage mit einer installierten Leistung von 2 x 5.700 kW gegenüber konventionellen Rollenpressen satte 13,5 % Energie ein.

Mehrere Flender Getriebe im Einsatz

Zu diesem neuen Effizienzlevel trugen auch die Antriebe einen erheblichen Teil bei: Flender lieferte für die Hochdruck-Schleifmühle neben zwei kleineren Rollenpressenantrieben mit insgesamt vier Getrieben den kompletten Antriebsstrang plus einem Ersatzgetriebe. Der Hauptantrieb leistet 6.000.000 Nm, die Rollen mit einem Durchmesser von 3 m werden von PLANUREX-Getrieben angetrieben. Diese Planetengetriebe decken einen Drehmomentbereich bis 5.450.000 Nm ab und bieten durch unterschiedlichste Abtriebswellen, Motorenkonformitäten sowie die Möglichkeit der axialen und koaxialen Motoranordnung ein komplettes, voll standardisiertes Portfolio.

2.  18 MW Leistung für den Goldrausch

2014 wurde in einer russischen Goldmine eine Anlage der Superlative von CEMTEC in Betrieb genommen. Täglich zerkleinern dort zwei riesige Mühlen bis zu 30.000 t Erz, aus dem später Gold gewaschen wird. Die erste Mühle, eine Semiautogenmühle mit 15 MW Antriebsleistung und einer Größe von 10,4 ]m x 6,1 m, zerkleinert die bis zu 250 mm großen Gesteinsbrocken auf zwei mm. Anschließend werden die Körner in einer 8,2 m x 14 m bauenden Kugelmühle auf bis zu 74 μm zermahlen, bevor das Gold in der Flotation ausgewaschen wird. Die zweite Mühle ist mit ihrer Leistung von18 MW eine der größten Rohrmühlen, wenn nicht sogar die größte Horizontalmühle der Welt.

Flender Know-how schraubt Leistungsgrenze hoch

Flender entwickelte speziell für diese Anwendung Getriebe, welche die extremen Leistungen über einen Zahnkranz auf die Mühle übertragen. Im Gegensatz zu einer konventionellen Antriebsvariante, bei der nur ein Eingriff pro Seite auf den Zahnkranz möglich ist, liegen bei dieser Lösung pro Getriebe zwei übereinander liegende Ritzel am Zahnkranz im Eingriff. Damit schrauben die speziellen DMG2-Getriebe die wirtschaftliche Leistungsgrenze von etwa 8 auf 12 MW pro Antrieb nach oben. In der aktuellen Generation der DMG2-Getriebe sind vier Größen verfügbar, die den gesamten Leistungsbereich von 1.200 bis 10.000 kW im Einzelbetrieb und von bis zu 20.000 kW bei Verwendung eines Doppelantriebs abdecken.

3. Einen 30.000-Tonner aus dem Meer heben

Mit einer Länge von 139 m und einer Breite von 50 m ist die Scylla eines der größten Jacking-Schiffe für Windturbineninstallationen der Welt. Ausgestattet mit einem 1.500-t-Offshore-Kran und einer Fläche des Decks von circa 4.600 m2, kann es ohne Begleitschiffe voll beladen zum Installationsort fahren. Neben seinen großen Lade- und Hebekapazitäten (Jacking und Kran) zeichnet sich das Schiff durch seine vielen Jacking-Operationen aus, durch die es unter anderem in Wassertiefen bis zu 65 m sicher stehen und sich während des Jacking-Manövers mit hoher Präzision selbst positionieren kann.

Sicherheit in jedem Projekt

Sind alle vier Beine am Boden platziert, bringen 96 elektrische Antriebe das Errichterschiff auf eine Arbeitshöhe, die 20 m und mehr über dem Meeresspiegel liegt. Für diese Hebearbeiten ist ein Hubantriebssystem mit höchster Zuverlässigkeit erforderlich, damit jegliche Risiken aufgrund von Ausfällen während der Hebearbeiten auf jeden Fall vermieden werden. Die verwendeten Hubgetriebe von Flender erfüllen alle geltenden Sicherheitsanforderungen und bieten nicht nur eine kompromisslose Sicherheitsgarantie, sondern sorgen auch für eine lange Lebensdauer des Antriebssystems.

4. Mit 30 km/h zum Hafen

PT. Kaltim Prima Coal (KPC) betreibt in Indonesien mit einer Kapazität von mehr als 50 Mio. t Kohle pro Jahr eine der größten Tagebauminen der Welt. Zwischen dem 90.960 ha großen Abbaugebiet und der Schiffsverladestation liegen diverse Crusher und ein Kohleterminal. Hier transportiert das weltweit schnellste Überlandförderband Kohle über eine Gesamtdistanz von 47,5 km. Dabei schafft das Hauptband die 30 km lange Strecke zwischen Terminal und Hafen in nur etwas mehr als einer Stunde.

Lebensdauer der Getriebe maximiert

Das Gesamtkonzept umfasst 46 perfekt aufeinander abgestimmte Förderbänder. Mit einer solch extrem hohen Leistungsdichte geht oft eine hohe Betriebstemperatur einher. Besteht dieser Zustand fortlaufend, kommt es zu einer Verschlechterung der Schmierfähigkeit des Öls, zu Beschädigungen an den Dichtungen und damit zu erhöhtem Verschleiß. Der Förderband-Antriebe B3SE verfügen über eine vergrößerte Gehäuseoberfläche, wodurch sie sich im Bereich zwischen 2500 und 3000 kW allein mit Umgebungsluft kühlen lassen. Die so optimierte Getriebetemperatur verbessert die Betriebslebensdauer des Systems, verringert die Lebenszykluskosten und maximiert die Lebensdauer des Getriebes.

5. Für Schüttgut geht’s steil bergauf

Der Rotterdamer Hafen ist mit einer Gütermenge von über 450 Mio. t der drittgrößte Seehafen der Welt. Laufende Erweiterungen und Modernisierungen im Bereich Material Handling stehen da natürlich mehr oder weniger auf der Tagesordnung. Zu den jüngsten Erweiterungen gehört eine Schüttgutverteilanlage, die Kohle entsprechend seinen Sorten und Güten verteilt und mit mehr als 20 Förderbändern eine aufwendige Sortierung leistet. Mit einer groß angelegten Anordnung von Bändern mit flexiblen Ausläufern plante Engicon eine Anlage, die bis zu 2.000 t Material pro Stunde transportieren und sortieren kann. Nach der Entladung gelangt das Material auf das Hauptband, von wo aus es nach seiner Beschaffenheit und Qualität zur weiteren Distribution an Kraftwerke auf verschiedene Silos verteilt wird.

Motoren, Getriebe, Getriebemotoren, Kupplungen und mehr

Eine der Herausforderungen stellten die zu überwindenden Höhendifferenzen auf relativ kurzen Strecken dar. Bei der Rotterdamer Installation handelt es sich um 27 flexible Bänder, die jeweils auf verschiedene Silos ausgerichtet werden können. Sie überwinden bis zu 48 Höhenmeter auf einer Bandlänge von nur 307 m. Flender lieferte dafür 30 komplette Antriebssysteme vom Typ B3SH, ein spezieller Förderbandantrieb auf Schwinge.

6. Mühle mahlt 12.000 t Zement am Tag

Zusammen mit Gebr. Pfeiffer SE hat Flender ein neues Antriebssystem für Zementmühlen entwickelt, das in einer Vertikalmühle beim brasilianischen Zementhersteller Holcim zu Einsatz kommt. Hier erfüllt der Mehrfachantrieb MULTIPLEDRIVE die Anforderungen an Anlagenverfügbarkeit und Produktivität gleichermaßen, denn bei MULTIPLEDRIVE wirken zwei, drei, vier, fünf oder sogar sechs unabhängige Antriebseinheiten auf einen gemeinsamen Zahnkranz ein, wodurch problemlos bis zu 12,6 MW übertragen werden können. So ist das System bei Holcim mit seinen sechs identischen Antriebsmodulen mit einer Leistung von je 1.920 kW nicht nur extrem leistungsstark, sondern auch redundant. Entscheidender Vorteil: die Antriebseinheiten können durch die Anordnung auf Lafetten sehr schnell zu Wartungszwecken ausgetauscht werden. Dabei hält die radiale Anordnung der Antriebseinheiten um die Mahltellerlagerung diese frei von Mahlkräften.

Motoren von Flender liefern 11.500 KW

Flender lieferte sämtliche Komponenten des Antriebsstrangs: Getriebe, Kupplung, Ölversorgungsanlage sowie Elektromotoren und Frequenzumrichter. Mit einer Antriebsleistung von insgesamt 11.500 kW und einer Produktion von 450 t Zement pro Stunde ist die Anlage im Werk Barroso die leistungsstärkste der Welt. Zum Vergleich: Konventionelle Anlagen erreichen bislang bei 8.000 kW eine maschinenbauliche Grenze.

7. Nassbagger fasst 32.000 m3

196 m lang, über 36 m breit und mit zwei Saugrohren für bis zu 120 m Tiefe ausgestattet ist die Inai Kenanga der malaysische Reederei Inai Kiara SDN BHD. Das Schiff verdrängt bei einem Tiefgang von über 12 m über 50.000 t (DWT) und ist mit einer Kapazität von 32.000 m3 einer der größten Saugbagger der Welt.

Der Hersteller aus Bocholt ist auch bei Pumpengetrieben stark

Flender lieferte dafür mit zwei Multi-Speed-Getrieben eine enorm leistungsstarke Lösung: Die Pumpengetriebe besitzen drei schaltbare Stufen für verschiedene Betriebszustände (Saugen aus unterschiedlichenTiefen sowie Löschung) und sind mit dem sogenannten Quill-Shaft-Design ausgestattet. Diese verhindert ein Durchbiegen der Abtriebswelle und eine Flächenpressung in den Lagern. Angetrieben werden die beiden großen, jeweils 90 t schweren Schaltgetriebe von zwei MAN-Hauptmotoren mit einer Gesamtleistung von insgesamt 26.500 kW. Hinter den Hauptmotoren sind besonders laufruhige, platzsparende Flender-Propulsionsgetriebe angeordnet, die auch der Stromerzeugung dienen.

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