Im Audi-Werk Ingolstadt arbeiten Mensch und Roboter ohne Schutzzaun Hand in Hand. Der kollaborierende Roboter entlastet die Mitarbeiter in der Montage des A4, A5 und Q5. Der Roboter besitzt eine weiche Schutzhaut mit integrierter Sicherheits-Sensorik. Somit besteht keine Gefahr für den Mitarbeiter. Das System ist von der Berufsgenossenschaft zertifiziert.

Im Audi-Werk Ingolstadt arbeiten Mensch und Roboter ohne Schutzzaun Hand in Hand. Der kollaborierende Roboter entlastet die Mitarbeiter in der Montage des A4, A5 und Q5. Der Roboter besitzt eine weiche Schutzhaut mit integrierter Sicherheits-Sensorik. Somit besteht keine Gefahr für den Mitarbeiter. Das System ist von der Berufsgenossenschaft zertifiziert. - Bild: Audi

Wie gefährlich kollaborierende Roboter sein dürfen, war lange unklar. Es fehlten die notwendigen biomechanischen Grenzwerte für eine Kollision zwischen Mensch und Roboter. Erst dann kann (reproduzierbar) beurteilt werden, ob eine Berührung des Roboters beim Menschen (keine) Schmerzen verursacht. Nun hat die ISO die ‚Technical Specification‘ TS 15066 veröffentlicht. In der Norm enthalten sind 29 verschiedene Körperstellen und die zugehörigen Schmerzeintrittsgrenzen bei einer Kollision mit kollaborierenden Robotern.

Diese sogenannten biomechanischen Grenzwerte basieren auf einer Literaturstudie des IFA (Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) aus 2009 sowie Untersuchungen an der Uni Mainz. Hier diente ein Stößel, der langsam in die Haut des Menschen eindringt, als Schmerzalgometer. Es handelt sich somit um einen quasistatischen Schmerz.

Für die Anwender sind die neuen Grenzwerte wenig überraschend. „Wir haben alle unsere MRK-Anlagen immer in Abstimmung mit der Berufsgenossenschaft entwickelt und auch die Zertifizierungen gemäß den vorherigen Entwürfen der ISO/TS 15066 geprüft“, sagt Audi-Pressesprecherin Kathrin Feigl. „Unsere MRK-Anlagen unterschreiten die maximal zulässigen biomechanischen Grenzwerte.“

Was in der ISO/TS 15066 weiterhin fehlt, sind belastbare Grenzwerte für den transienten – sprich dynamischen – Kontakt mit einem kollaborierenden Roboter. Laut Norm gilt für eine dynamische Kollision der Faktor 2. „Das ist alles noch recht unpräzise und aus meiner Sicht auch nicht ausreichend“, teilte ein Roboterexperte Produktion gegenüber mit. Daran müsse noch gearbeitet werden.

Momentan führt das Fraunhofer IFF in Magdeburg Untersuchungen mit Probanden durch, um die dynamische Belastung einer Kollision zwischen Mensch und Roboter zu bestimmen. Die Ergebnisse sollen im Nachgang in die ‚Technical Specification‘ einfließen.

Susanne Nördinger