Holger Wirth

Holger Wirth, Vice President R&D Industrial Automation der Isra Vision. - Bild: Isra Vision

Was bedeutet Industrie 4.0 für Ihre Produktentwicklung?

Die optischen Systeme von Isra sind schon heute stark vernetzt. Einige Sensoren sind bereits selbst ‚smart‘, Kommunikation mit anderen Systemen und interne Datenauswertung stellen für Inspektionssysteme daher keine Neuheit dar.

Nur eine enge Verbindung von Datenströmen liefert die Qualitätsinformationen, mit denen Isra-Produkte zu einer effizienten Produktion beitragen. Veränderungen durch Industrie 4.0 werden für Isra – neben der weiteren Entwicklung von Inspektionssystemen – vor allem in einer verstärkten Beschäftigung mit Vernetzung, Datenhandling und einer weiteren Digitalisierung verschiedener Arbeitsgänge in und um die Systeme liegen: Prozesse wie virtuelle Inbetriebnahme und digitale Wartung, aber auch die automatische Abstimmung der ganzen Linie nach den Ergebnissen der Inspektionssysteme.

Sie erhalten eine Schlüsselstellung, von ihnen gehen informative Feedbackschleifen aus, mit denen Fertigungsprozesse automatisch angepasst werden können. Eine ‚intelligente‘ Fertigungsanlage könnte auf Basis dieser Informationen in der Lage sein, sich selbst entsprechend der Ergebnisse der Qualitätsüberwachung zu optimieren. Im Zusammenhang mit computerunterstütztem Design können Musterteile digital in dieses Fertigungssystem eingespeist und damit sogar Teaching-Prozesse eingespart werden. So wird eine flexible Produktion mit kleinsten Losgrößen möglich.

Welche Schnittstellen brauchen IBV-Systeme Ihrer Meinung nach in einer Industrie 4.0?

Aktuell erfahren OPC UA und IEEE 802.11 TSN große Aufmerksamkeit. Dies liegt sicherlich auch daran, dass die generelle Netzwerk- und Echtzeitfähigkeit Grundvoraussetzungen für die Idee ‚Industrie 4.0‘ darstellen. Die einbezogenen Maschinen, Systeme und Komponenten müssen in der Lage sein, ihre Eigenschaften in der Netzwerkkommunikation zu beschreiben und Informationen untereinander auszutauschen.

Die entsprechenden Schnittstellen sind dabei mögliche Engpässe in Bezug auf die gesetzten Ziele. Entsprechend der weiteren strukturellen technischen Bedürfnisse der ‚intelligenten Fabrik‘ ist eine hohe Flexibilität im Definitionsglossar der Programmiersprachen wichtig. Eine gut funktionierende Metasprache sorgt außerdem für eine erfolgreiche Kommunikation zwischen den Komponenten. Hier sind AutomationML und eClass derzeit sehr interessante Komponenten. Die Anpassungsfähigkeit der „intelligenten Fabrik“ steht und fällt mit der Flexibilität ihrer Vernetzung.

Welches sind die größten Anforderungen an Softwarelösungen der industriellen Bildverarbeitung?

Gerade im Zusammenhang mit optischen Systemen ist eine zentra­le Datenverwaltung wünschenswert. Schon jetzt verwendet zum Beispiel Isras entscheidungsunterstützendes Managementtool zur Steigerung von Prozesseffizienz und Ertrag EPROMI alle Inspektionsdaten der unterschiedlichen Prozessstufen und stellt diese in unterschiedlicher Granularität zur Verfügung – je nach Entscheidungsebene. Die Integration der verschiedenen Datenquellen und Datenformate wird bei einem hohen Automatisierungsgrad immer anspruchsvoller.

Die effiziente Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der Daten auf einem Server oder in einer Cloud sind von dieser Integrationsfähigkeit abhängig. Hier wird die Industrie Standardisierungen erreichen müssen, um einen effizienten In­formationsaustausch sicherzustellen. Zudem benötigen das Handling großer Datenmengen und die Informationsgenerierung und -weitergabe in Echtzeit eine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit, um ihren vollen Wert zu entfalten. Gleichzeitig muss die Sicherheit der Daten angesichts des Detailgrades produktionsspezifischer Informationen gewährleistet sein.