Fanuc LR Mate

Bei Berlinger sind bei der Herstellung von Doping-Kits zwei LR Mate 200iC/5L mit R-30iA Mate Controller im Einsatz. - Bild: Fanuc

Eine Verwechslung könnte eine Karriere zerstören: Kits für Dopingproben müssen eindeutig identifizierbar und zuverlässig gegen Manipulationen geschützt sein. Zwei Fanuc Roboter LR Mate 200i montieren die Deckel dafür.

Wir sprechen über Doping. Aber nicht darüber, ob es moralisch verwerflich oder gesundheitlich bedenklich ist. Sondern ausschließlich darüber, wie die Herstellung von Doping-Kits automatisiert wurde. Die Berlinger Special AG beliefert Verbände und Veranstalter weltweit mit manipulationssicheren Kits, den sogenannten Bereg-Kits, für Dopingkontrollen.

Namen von Abnehmern, gar Großabnehmern werden noch verschwiegener behandelt als Zahlen über Unternehmensgewinne. Immerhin ist Berlinger Weltmarktführer bei Test-Kits. Der Export liegt bei 98 Prozent, der Weltmarktanteil bei geschätzt 90 Prozent. Gerichte in aller Welt bestätigen den Ruf des Unternehmens. Monika Egli, leitende Produktmanagerin: "Unser Kit hat vor Gericht immer bestanden." Das nennt man hieb- und stichfest.

Bedarfszahlen, Fälschungssicherheit und Zuverlässigkeit waren für Berlinger Grund genug, die Montage des aus mehreren Teilen bestehenden Deckels zu automatisieren. Realisiert wurde die Anlage vom Schweizer Systemintegrator Robofact AG. Über drei Millionen Deckel sind auf der Anlage inzwischen montiert worden. Vervollständigt und versandbereit gemacht werden die Kits manuell. Das Geheimnis der Behälter, das keines ist: Der Deckel hat eine Sollbruchstelle und zerbricht beim Öffnen.

Automatisierte Montage

Solche Deckel bestehen aus mehreren Teilen, die inzwischen automatisiert montiert werden. Dicht- und Federringe werden den Robotern in der Zelle über zwei Wendelförderer auf der Rückseite zugeführt. Erster Arbeitsgang ist das Einprägen der Sicherheitsnummer mit einem ersten Fanuc LR Mate 200iC für das Handling. Dann wird der Deckel in Kooperation mit einem zweiten LR Mate vervollständigt.

Ein Bildverarbeitungssystem und mehrere Kameras unterstützen die beiden Roboter. Wichtiges Element im Deckel ist ein Rasterring. Dieser hat am Außendurchmesser einen Zapfen, der genau in einer Nut des Deckels liegen muss und als Verdrehsicherung dient. Bis dahin eine einfache Übung für Robofact. Trickreich ist die Aufgabe, weil Ober- und Unterseite des Ringes ungleich sind.

Kürzere Taktzeiten

Die Mechanik des Wendelförderers ist so ausgelegt, dass der Ring dem Roboter immer lagerichtig und griffgerecht zugeführt wird. Eine Bildverarbeitung an dieser Stelle dient nur der Erkennung der richtigen Lage des Ringes. Ursprünglich sollte der Roboter den Ring greifen und mit dem Handgelenk, also der sechsten Achse, den Ring erst für die Montage positionieren. Fabian Anderegg, Bereichsleiter Food und Medical bei Robofact: "Wir haben festgestellt, dass wir mit der jetzigen Anordnung kürzere Taktzeiten erzielen."

Dennoch: Im sechsten Betriebsjahr sind die Taktzeit-Reserven relativ ausgereizt. Prägen, Ultraschall-Verschweißen und Ausblasen mit ionisierter Luft sind Prozesse, die sich mit der gegebenen Konfiguration nicht verkürzen lassen. So sieht die Roboterbewegung vergleichsweise "gemütlich" aus. Fabian Anderegg: "Es ist auch nicht sonderlich sinnvoll, den Roboter mit maximaler Geschwindigkeit in die nächste Position zu verfahren, wenn er dann auf den nächsten Schritt warten muss. So haben wir einen guten Kompromiss zwischen Zykluszeit und Dauerbelastung gefunden."

Die neuen LR Mate 200iD könnten durchaus noch 20 bis 30 Prozent schneller verfahren. Bei Berlinger sind zwei LR Mate 200iC/5L mit R-30iA Mate Controller im Einsatz. Die Typenbezeichnung verweist auf die Traglast von fünf Kilo, das ‚L‘ steht für die Langarmversion mit 892 Millimeter Reichweite.

Monika Egli wäre über kürzere Taktzeiten nicht unglücklich: "Aber wir müssen uns auch überlegen, ob wir das brauchen und wie wir uns kürzere Taktzeiten erkaufen." Komplett bestückt und mit Teilen versorgt, arbeitet die Zelle zwei Stunden völlig autonom. An manchen Stellen bietet die Anlage Flexibilität, die heute noch gar nicht genutzt wird. Technisch machbar wäre es, auch andere Deckelformate in der Zelle codieren und montieren zu lassen.

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