VDMA,Hannover Messe

Der VDMA sei schon lange kein rein deutscher Verband mehr, sagte VDMA-Präsident Carl-Martin Welcker (M.) auf der Pressekonferenz des VDMA im Rahmen der Hannover Messe 2017 (links VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann, rechts VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers). - Bild: Wilk

Der VDMA sei schon lange kein rein deutscher Verband mehr, betont Präsident Carl-Martin Welcker. Vielmehr denkt Deutschlands größter Branchenverband europäisch und richtet sich – wie seine Unternehmen – international aus. Europa ist der Kernmarkt für die Maschinenbauer aus Deutschland, im vergangenen Jahr gingen 46,5 Prozent der Maschinenbau-Exporte in die EU-Staaten und 56,9 Prozent in die Gesamtregion Europa. Gleichwohl muss die Europäische Union dringend reformiert werden, um die zunehmenden Herausforderungen auch künftig erfolgreich meistern zu können.

Der VDMA sieht dazu in zwei Kernpunkten besonderen Handlungsbedarf: „Das faktische Vetorecht im Rat muss fallen, das Europäische Parlament muss aufgewertet werden. Dort, wo die EU zuständig ist, muss sie auch wirklich handlungsfähig sein. Das würde bedeuten, dass sich nicht immer die deutsche Position durchsetzt. Aber wir können bei drängenden Fragen nicht darauf warten, dass sich immer 27 Staaten einig werden“, forderte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker auf der Wirtschaftspressekonferenz des Verbands zum Auftakt der Hannover Messe.

Zugleich brauche die EU auch eine klare Zuständigkeitsverteilung, fügte er hinzu. Fragen der Handelspolitik und des Binnenmarktes, der Flüchtlings- und Verteidigungspolitik lassen sich nur europäisch lösen und müssen deshalb klar in die Zuständigkeit der EU fallen. Die Sozialpolitik, die Bildungspolitik und auch die Steuerpolitik sind Politikbereiche, die den Mitgliedstaaten überlassen werden sollten. „Wir wollen keinen Superstaat Europa, sondern klar definierte Kompetenzen“, betonte Welcker.

Video: Hartmut Rauen, stv. VDMA-Hauptgeschäftsführer, zum Thema Industrie 4.0

Erwartungen an die künftige Bundesregierung 

Mitentscheidend für die Zukunft Europas wird auch die Politik der künftigen Bundesregierung sein. Der VDMA erwartet, dass sich jede Regierungspartei für den Erhalt der EU einsetzt. Darüber hinaus treten die Maschinenbauer mit zwei Kernforderungen an die Parteien heran. „Die nächste Bundesregierung muss ein Jahrzehnt der Innovation begründen! Das Regierungshandeln muss danach ausgerichtet sein, wie der richtige Rahmen dafür gesetzt werden kann und wo bürokratische Bremsen insbesondere für den industriellen Mittelstand gelöst werden können“, sagte Welcker. Die Maschinenbauer fordern deshalb schon seit langem eine Steuerliche Forschungsförderung, die allen Betrieben offensteht.

Desweitern müsse die neue Bundesregierung eine Regierung pro Freihandel werden, forderte er. „Wir brauchen eine Regierung, die die Chancen der globalisierten Welt konsequent nach innen vertritt und nach außen erkämpft.“

Maschinenbauproduktion: Reales Wachstum von 1 Prozent erwartet

Der VDMA-Präsident bekräftigte die Produktionsprognose des Verbands: Für 2017 wird ein reales Produktionsplus von 1 Prozent erwartet. Dieses Wachstum wird gleichermaßen gespeist aus dem Inland wie aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr legte die Produktion im deutschen Maschinenbau um real 0,1 Prozent auf rund 203 Milliarden Euro zu, die Exporte stiegen um 0,2 Prozent (nominal) auf knapp 156 Milliarden Euro.

„Das laufende Jahr wird, so unsere Einschätzung, ein Wachstumsjahr. Sollte sich die gegenwärtig herrschende gute Stimmung, so wie wir sie in zahlreichen Frühindikatoren ablesen können, fortsetzen und bewahrheiten, könnte es sogar besser kommen als von uns prognostiziert. Aber es gibt keine Garantie dafür, denn den Chancen stehen auch viele Risiken gegenüber, die uns wieder bremsen können“, sagte Welcker.

Positive Impulse könnten in diesem Jahr sowohl vom Inland als auch aus dem Ausland kommen. „Viele Unternehmen haben sich in Deutschland in den vergangenen Jahren mit Investitionen zurückgehalten, weil es zahlreiche Risikofaktoren für die Weltkonjunktur gab und gibt. Diese Risiken haben in den letzten Monaten sicher nicht abgenommen. Aber inzwischen gibt es immer häufiger Investitionsvorhaben, die einfach nicht länger aufgeschoben werden können“, erläuterte der VDMA-Präsident.

Auch auf den Exportmärkten sehen die VDMA-Volkswirte Chancen für ein Plus. Die Ausfuhren nach Russland 2017 könnten wieder etwas zulegen, die Ausfuhren nach Indien sogar etwas stärker wachsen als 2016. Für China deutet sich zumindest eine temporäre Stabilisierung an. Auf dem amerikanischen Markt hat die Konjunktur bereits angezogen. „Wir müssen aber abwarten, ob das dauerhaft zu steigenden Maschinenkäufen führt. Denn wir wissen immer noch nicht, welche Wirtschaftspolitik US-Präsident Trump wirklich durchführen wird, beziehungsweise welche protektionistischen Maßnahmen er durchsetzen will und am Ende auch kann“, betonte Welcker.