Verschaffen dem Werkzeug- und Formenbau mit der Moulding Expo eine angemessene Plattform:

Verschaffen dem Werkzeug- und Formenbau mit der Moulding Expo eine angemessene Plattform: Messe-Stuttgart-Chef Ulrich Kromer von Baerle (links) und der Präsident des Bundesverbands Modell- und Formenbau, Ulrich Hermann. Bild: Messe Stuttgart

 

Herr Hermann, was erwartet der Bundesverband Modell- und Formenbau von der neuen Messe?
Hermann: Modell- und Formenbauer sind von Natur aus innovativ und allem Neuen positiv zugewandt. So haben wir im Verbandsvorstand sehr schnell die Möglichkeit erkannt, über einen Gemeinschaftsstand auf der Moulding Expo unseren Mitgliedsbetrieben und Verbandspartnern Gelegenheit zur Präsentation zu geben. Zumal hier in Süddeutschland ein wichtiges Zentrum der Branche ist. Die neue Messe findet also mitten in unserem Markt statt, ist aber ebenso ein attraktiver Standort für internationale Aussteller und Fachbesucher. Über 20 Prozent der Unternehmen, die im Mai in Stuttgart ihre Innovationen präsentieren, kommen aus dem Ausland.

Die Messelandschaft für die Werkzeug-, Modell- und Formenbaubranche hat sich in den letzten Monaten stark verändert. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Welche zukünftige Rolle sehen Sie hier für die Moulding Expo?
Hermann: Wir sehen die Moulding Expo zunächst einmal als belebendes Element einer extrem dynamischen Branche. Wir sind davon überzeugt, dass sich diejenigen Messeplätze dauerhaft etablieren werden, denen es gelingt, ihr jeweiliges Profil zu schärfen und Ausstellern wie Besuchern attraktive Angebote zu machen.

Herr Kromer, und was hat der Bundesverband Modell- und Formenbau für die Messe Stuttgart zu leisten?
Kromer: Kernidee der gemeinsamen Veranstaltung ist die Präsentation der Unternehmen nach deren Wünschen und Bedürfnissen – eben eine Messe von der Branche für die Branche. Dabei ist uns als Veranstalter sowie als wirtschaftlicher und rechtlicher Träger die umfassende Unterstützung unserer Partner – der fachlichen und ideellen Träger – äußerst wichtig. Wir sind Dienstleister, wir wissen, wie man Messen macht. Die Werkzeug-, Modell- und Formenbaubetriebe im Land wissen jedoch, was angesagt ist und wo der Schuh drückt. Auf diese Stimmen wollen und müssen wir hören. Und der MF als Verband kann diesen Input seiner Mitglieder ideal kanalisieren.

Bisher haben sich mehr als 400 Aussteller angemeldet. Bis Anfang Mai werden deutlich rund 450 Unternehmen und eine komplette Auslastung der verfügbaren Fläche von insgesamt 31500 Quadratmetern erwartet. Liegt das innerhalb des erwarteten Rahmens?

Kromer: Mehr als das! Die Zahlen zeigen, dass die Moulding Expo zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort entsteht. Die Unternehmen haben uns ihr Vertrauen geschenkt und so die Frage beantwortet, ob der Markt überhaupt eine weitere Werkzeug-, Modell- und Formenbau-Messe benötigt. Unser Fokus liegt nun darauf, für Aussteller und Besucher gleichermaßen eine ideale Veranstaltung zu planen. Zahlreiche Kooperationen mit Verlagen, Interessenverbänden und Forschungseinrichtungen stellen sicher, dass die neue internationale Fachveranstaltung ein hochwertiges Programm bieten kann. Wir arbeiten konzentriert daran, dass die Moulding Expo auch die Leistungsschau der Branche wird, als die sie geplant wurde.

Haben Sie Bedenken, dass die Moulding Expo eine Zuliefermesse für den Werkzeug-, Modell- und Formenbau wird? Wie schafft man es, dass tatsächlich die Kunden der Unternehmen aus der Werkzeug-, Modell- und Formenbaubranche kommen?
Hermann: Die Moulding Expo gliedert sich in zwei Ausstellungsbereiche: Es gibt den klassischen Modell-, Formen- und Werkzeugbau mit Spritzgieß-, Umform-, Druckguss- und Gießerei-Werkzeugen, Lehren- und Vorrichtungsbau, der sehr anwenderorientiert ist. Und es gibt einen Bereich Hersteller und Systeme für die Branche. Um eine Balance zu finden, von denen Aussteller und Besucher gleichermaßen profitieren, wird es also immer wieder darauf ankommen, möglichst viele Modell-, Formen- und Werkzeugbauer als Aussteller zu gewinnen. Dann kommen auch deren Kunden. Dazu will auch der Bundesverband Modell- und Formenbau mit seinem Gemeinschaftsstand einen Beitrag leisten. Und die aktuellen Zahlen der Moulding-Expo-Premiere zeichnen zudem ein stimmiges Bild: Rund ein Drittel aller Anmeldungen kommen aus dem Kernbereich unseres Metiers, sind also Werkzeugmacher oder Modell- und Formenbauer.

Kromer: Die Moulding Expo hat hier einen klaren Themenfokus und ein klares Nutzenversprechen. Der Werkzeug-, Modell- und Formenbauer steht dabei im Mittelpunkt des Messeprogramms – sei es mit begleitenden Fachveranstaltungen wie dem Einkäuferforum Werkzeuge des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik sowie den drei Vortragsforen oder mit dem Moulding-Expo-Infostand bei den parallel in der Halle 9 stattfindenden Azubi- und Studientagen. Hier sollen unter dem Motto „Zukunftsbranche Werkzeug-, Modell- und Formenbau“ künftige Fachkräfte angesprochen werden. Dieses Rahmenprogramm und viele weitere Besonderheiten haben wir über die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Branchenverbänden erarbeitet. Umso akribischer beschäftigen wir uns auch damit, dass die Veranstaltung gerade die Kunststoffverarbeiter sowie die Blechumformer und die Stanzer aus allen Ländern anzieht – diejenigen also, von denen die Unternehmen der Branche schließlich ihre Aufträge erhalten. Denn der Erfolg wird sich nur dann einstellen, wenn Aussteller und Besucher gleichermaßen zufrieden sind. Ich erneuere daher auch meinen Aufruf an alle Werkzeug-, Modell- und Formenbauer: Sie selbst bestimmen mit Ihrem Engagement, mit der Einladung an Ihre Kunden oder mit Ihrem Besuch, dass die Messe – Ihre Messe – ein Erfolg wird! Die AMB macht es hier übrigens vor: Über 70 Prozent der Fachbesucher folgten bei der diesjährigen Veranstaltung der Einladung eines Ausstellers zur Messe.

Herr Hermann, wie viele Unternehmen erwarten Sie auf Ihrem Gemeinschaftsstand und welche Kompetenzen werden dort zu sehen sein?

Hermann: Unser Konzept sieht vor, zwischen 10 und 15 Mitgliedsbetriebe und Verbandspartner aus der Modell- und Formenbaubranche als Aussteller auf unserem Gemeinschaftsstand mit rund 300 Quadratmetern zu präsentieren. Wir werden so die gesamte Vielfalt der Modell- und Formenbaubranche abbilden. Ein Schwerpunkt wird dabei sicherlich der Karosserie- und Produktionsmodellbau sein.

Werkzeug- und Formenbau und Modell- und Formenbau im Vergleich: Können Sie einen aktuellen Stand der Abgrenzung beider Branchen voneinander geben? Wird die Schnittmenge immer größer?
Hermann: In der Tat sind die Übergänge fließend, insbesondere beim Formenbau. Beide Branchen sind unverzichtbare Bestandteile der Prozesskette vom Design über den Prototyp bis zur Serie. Die Unterschiede lassen sich am ehesten an den beiden anderen Begriffen deutlich machen: Während der Modellbau in der Prozesskette weit vorn liegt und wesentliche Kernkompetenzen die Entwicklung und Konstruktion sind, schafft der Werkzeugbau die letzten notwendigen Voraussetzungen für die Serienfertigung. Alle diese Bereiche wird man bei unseren Unternehmen am Messestand finden können.

Und wie stehen Sie zur Rapid.Area und zu der parallel stattfindenden Control?
Hermann: Sehr positiv. Das Thema Generative Fertigungsverfahren ist in der Branche zwar nicht neu, hat aber weiterhin enormes Entwicklungspotential. Und Qualitätssicherung ist ja nicht nur in der Fertigung ein wichtiges Thema, es spielt auch im Modell-, Formen-, Werkzeug- und nicht zuletzt im Lehrenbau eine zentrale Rolle. Daher sind beide Veranstaltungen sinnvolle Ergänzungen zur Moulding Expo. Wir hoffen darauf, dass sie genauso wie das von der Landesagentur für Leichtbau BW mitgetragene Schwerpunktthema rund um „Gewichtsreduktion“ – ohne die Elektromobilität übrigens undenkbar ist – dazu beitragen, ein breites Interesse an einem Besuch in Stuttgart Anfang Mai 2015 zu wecken.

Landesmesse Stuttgart GmbH/Sebastian Moser