Michael Breme, Leiter des Werkzeugbaus der Audi  AG in Ingolstadt: "Erst das intelligente Werkzeug

Michael Breme, Leiter des Werkzeugbaus der Audi AG in Ingolstadt: "Erst das intelligente Werkzeug liefert die Voraussetzung, selbst höchste Designanforderungen prozesssicher umzusetzen." - Bild: Audi

Jeder 40te Mitarbeiter von Audi arbeitet im Werkzeugbau. Doch die scheinbar geringe Anzahl täuscht: Mit ihrer Arbeit beeinflussen die 2000 Menschen in den fünf Audi-Werkzeugbauten weltweit in erheblichem Maße die Qualität und den Erfolg der VW-Tochter.

Einblick in die Erfolgsstrategie eines mehrfach ausgezeichneten Werkzeugbaus.

Wer als Produktionsexperte diesen Werkzeugbau besucht, reibt sich vermutlich verwundert die Augen, denn er findet sich in einem hochmodernen Industriebetrieb wieder, der mit Automatisierung, intelligenten Werkzeugen und der Neugestaltung des Wertstromes seinen persönlichen Werkzeugbau 4.0 verwirklicht hat. Vorbild für viele Unternehmen ist sicherlich der mehrfach ausgezeichnete Audi-Werkzeugbau, der im internationalen Wettbewerb einen Spitzenplatz einnimmt.

Er deckt die gesamte Kette der Blechteileherstellung ab und ist somit in hohem Maße für die Hochwertigkeit der Karosserien verantwortlich. Darüber hinaus beliefert der Audi-Werkzeugbau auch andere Marken des Volkswagen Konzerns mit Umformwerkzeugen und Karosseriebauanlagen. Über 2000 Menschen arbeiten für den Audi-Werkzeugbau an den Standorten Ingolstadt, Neckarsulm, Barcelona (Spanien), Győr (Ungarn) und Peking (China).

Weltweite Sicherung der Produktanläufe

Der interne Werkzeugbau sieht sich dabei als Generalunternehmer für Betriebsmittel bis zur fertigen Baugruppe (Karosserie), der dafür alle erforderlichen Funktionen im Wertstrom besitzt. Der Automobilhersteller hat das Produktspektrum des Werkzeugbaus über die Standorte mit den entsprechenden Kernkompetenzen, der Infrastruktur und technologischen Ausstattung aufgeteilt. Der Audi-Werkzeugbau bereitet seine Mitarbeiter unter anderem mit Workshops zur Internationalisierung und per Kompetenzaustausch systematisch auf die weltweite Sicherung der Produktanläufe vor.

Doch was zeichnet den Werkzeugbau aus, den maßgeblich dessen ehemaliger Leiter und heutiger Audi-Produktionsvorstand Dr. Hubert Waltl mit geprägt hat? Eine sehr wichtige Rolle spielt sicherlich die Innovationskraft auf dem Gebiet der Werkzeug-Technologie: So befinden sich bereits seit 2011 sogenannte intelligente Werkzeuge, die sich mit Mechatronik (Mechanik plus Elektronik) an den Umformprozess anpassen, bei der Fertigung von Audi-Modellen wie A8, A3, TT oder Q7 im Großserien-Einsatz.

Umsetzung höchster Designanforderungen

Michael Breme, Leiter des Werkzeugbaus der Audi AG in Ingolstadt: “Erst das intelligente Werkzeug liefert die Voraussetzung, selbst höchste Designanforderungen prozesssicher umzusetzen. Damit sind wir noch nicht zufrieden. Aktuell arbeiten wir an der nächsten Generation, dem selbstlernenden Werkzeug, das sich an verändernde Prozessbedingungen selbstständig anpasst.”

Analog zur Innovation bei der Werkzeugtechnologie hat sich auch die Betriebsmittelherstellung enorm gewandelt: So ist die synchrone Fertigung mit Taktung und Fließfertigung im Audi-Werkzeugbau bereits seit mehreren Jahren Stand der Technik. Der Leiter des Werkzeugbaus setzt im nächsten Schritt auf Ansätze von Industrie 4.0. Als Beispiel nennt er die virtuelle Prozesskette Blech. “Die virtuelle Abbildung und Simulation von jedem Prozessschritt von der Ausgangsplatine bis zur fertigen Karosserie hilft dabei, die Durchlaufzeiten zu senken”, erklärt er. Dem Trend zu kleinen Losgrößen und dem damit verbundenen Zwang zu höherer Flexibilisierung will er außerdem durch eine Industrialisierung der Betriebsmittelfertigung begegnen (Automatisieren manueller Tätigkeiten mit dem Roboter).

Nikolaus Fecht