Smart als Elektroauto

Auch die E-Mobility - die Elektrifizierung des Antriebs - ist Thema auf dem VDI-Kongress. - Bild: Pixabay

Somit behandelt der Kongress nicht nur „klassische“ Elektronik-Bereiche wie Bordnetz, Bedien- und Anzeigekonzepte, Hard- und Software, sondern nimmt vor allen Dingen auch aktuelle Trendthemen wie Elektromobilität, Automatisiertes Fahren, Fahrerassistenzsysteme und Connected Car in den Fokus.

Viele Experten gehen davon aus, dass wir den Entwicklungsschritt vom assistierten Fahren zum hochautomatisierten Fahren noch in dieser Dekade erleben werden. Entscheidende Voraussetzung dafür ist, die Unzulänglichkeiten jeder Einzeltechnologie durch Maßnahmen im Gesamtsystem zu kompensieren.

Sensortechnologien müssen beherrscht und permanent optimiert werden

Video, Radar, Ultraschall, Laserscanner, Lokalisierung – ein ganzes Paket an Technologien kommt zum Einsatz und erst in ihrer Gesamtheit ermöglichen sie hoch komplexe Funktionen. „Eine wesentliche Herausforderung lautet daher, das komplexe Zusammenspiel dieser unterschiedlichen physikalischen Sensortechnologien zu beherrschen und permanent zu optimieren. Am Ende gewinnt nicht der, der die besten Komponenten hat, sondern derjenige, der über das leistungsstärkste Paket und die beste Gesamtlösung verfügt“, unterstreicht Stefan Waschul von der Robert Bosch GmbH, einer der Referenten der Veranstaltung.

Die Funktionalitäten mit einer ganzen Flotte an Serienfahrzeugen auf der Straße zu erproben und dadurch allein alle Eventualitäten auszuschließen, wird nicht möglich sein. Das Resultat wären Terrabytes an Daten, die auszuwerten wären, und ungemein viele kritische Fahrsituationen, die zu erproben wären. „Solch ein Validierungskonzept Funktion für Funktion zu realisieren, würde eine erhebliche Entwicklungsarbeit bedeuten und Kapazitäten auf Jahre hinaus binden“, sagt Waschul weiter.

Neuartige Wege bei der Validierung gehen

Die Lösung für diese Anforderung lautet aus seiner Sicht „Flucht nach vorne“. Man wird Funktionen zunächst passiv ins Auto bringen und laufend per Datenübertragung aus dem Auto beobachten. Erst wenn eine ausreichend hohe Statistik relevanter Situationen aufgezeichnet, übermittelt und ausgewertet worden ist, wird man Funktion freigeben und nachträglich für die Anwender aktivieren – eine ganz neue Art, Produkte zu validieren und freizugeben.

„Denken Sie zum Beispiel beim Autobahnpilot an Situationen mit Fahrbahnnässe, -glätte oder Aquaplaning. Diese Anwendungsfälle wird man einzeln betrachten und dann validieren müssen – besonders tückische Fahrsituationen sind dabei die „Big Points“, denen wir uns stellen“, erklärt der Referent. „Nicht übertragen und einzeln auswerten müssen wir hingegen die vielen tausend Kilometer des automatisierten Fahrbetriebs auf Autobahnen, bei denen sich nichts Außergewöhnliches ereignet. Die Unterscheidung zwischen den Situationen, die relevant sind und denen, die für die Validierung keinen Erkenntnisgewinn bringen, ist entscheidend.“

Individuelle Anpassung des Infotainments im Fahrzeug

Ebenso hat die Digitalisierung längst massive Auswirkungen auf das Infotainment im Fahrzeug. Zugleich gibt es unterschiedliche Kundengewohnheiten, die wir in einer derartigen internationalen Spreizung noch nicht erlebt haben – manche sind nur noch im Internet, andere so gut wie gar nicht. Während sich Europäer eher konservativ verhalten, kann es etwa Kunden aus China gar nicht High-Tech genug sein.

Die Herausforderung für Fahrzeughersteller lautet daher, Interfaces genau in dieser Spreizung zu entwickeln, die den unterschiedlichen Kundenanforderungen gerecht werden. Wie schaffen wir es, Komplexität von Premiumfahrzeugen und veränderte Lebensgewohnheiten und unterschiedliche (regionale) Zielgruppen unter einen Hut zu bekommen? „Die Antwort stellt aus meiner Sicht die Clusterung von Funktionen dar – in der klaren Differenzierung zwischen einfachen Funktionen und Expertenfunktionen, die je nach Neigung und Interesse auswählbar sind“, erläutert Michael Zeyn von Audi, ein weiterer Referent der ELIV.

Breites Spektrum an Informationen rund um Elektrik und Elektronik

Der VDI-Kongress ELIV führt Experten rund um die Themen Elektrik, Elektronik und Systemintegration von Mechanik und Elektronik zusammen. Seit über 30 Jahren treffen sich Entscheider und Spezialisten der Fahrzeughersteller, Zulieferer, Dienstleister und Hochschulen, um über Innovation zu berichten, sich auszutauschen und um die Weichen für wichtige zukünftige Entscheidungen zu stellen. Ergänzend zu den Fachvorträgen können sich Teilnehmer in der begleitenden Fachausstellung bei über 120 Zulieferern und weiteren Dienstleistern über neue Produkte und Services informieren.

Die nächste Auflage der ELIV wird vom 18. vom 19. Oktober 2017 im World Conference Center Bonn stattfinden.