Accenture-Strategy

Die Studie von Accenture Strategy zeigt neue digitale Geschäftsmodelle in der Autoindustrie bis 2030. - Bild: Accenture Strategy

Besonders vielversprechend ist dabei der Markt für Car Sharing und ‚Mobility on Demand‘ mit einem Umsatzpotenzial von 343,5 Milliarden Euro, gefolgt von Services rund um das vernetze Fahrzeug (118,8 Milliarden Euro), der Monetarisierung von Fahrzeugdaten (56,5 Milliarden Euro), dem Aufbau von digitalen Ökosystemen rund um Mobilität (‚Living Brands‘ – 32,1 Milliarden Euro) und dem autonomen Fahren (25,8 Milliarden Euro).

Die Prognose des Umsatzpotenzials basiert auf eigenen Berechnungen von Accenture Strategy sowie öffentlich verfügbaren Studien zur Digitalisierung. Eine Übersicht der Ergebnisse finden Sie in der angehängten Grafik.

Für Autounternehmen, die frühzeitig in den Aufbau solcher Angebote investieren, sieht Accenture Strategy große Wachstumschancen. Dafür sind jedoch eine stärkere Fokussierung auf die Kundenbedürfnisse, mehr Geschwindigkeit in der Entwicklung und der Einsatz neuer Technologien für den wirtschaftlichen Betrieb solcher Angebote nötig.  Zudem bedarf es Kooperationen mit anderen Unternehmen und Wettbewerbern, um eine möglichst große Kunden- wie auch Datenbasis für die neuen Dienste zu haben.      

 

„Es gilt also, sich selbst zu kannibalisieren“

Andreas Gissler, Leiter Automotive bei Accenture Strategy, der die Studie verantwortet, sagt:

„Das Zusammenspiel von Car-Sharing, autonomem Fahren und Elektromobilität werden dem jungen Geschäft mit „Mobility-as-a-Service“-Diensten zum Durchbruch verhelfen: Wenn alle drei Technologien Serienreife erreichen, verschmelzen Car-Sharing und Ride-Hailing zu einem Riesenmarkt – und ein Großteil der Autos auf unseren Straßen werden künftig geteilt genutzt. Das macht es für Kunden erheblich einfacher, in Zukunft gefahrene Kilometer anstelle eines eigenen Autos zu kaufen.“

Die deutschen Autohersteller würden somit nicht nur in einem Dilemma stecken, sondern müssten schon heute damit beginnen, die Geschäftsmodelle aufzubauen, mit denen sie morgen ihre Profite erwirtschaften. Zum anderen erzielten sie mit bestehenden Geschäftsmodellen - dem Verkauf von Autos und After-Sales-Services - hohe Gewinne, die sie wiederum für Investitionen in die zukünftigen Geschäftsmodelle benötigen.

„Es gilt also, sich selbst zu kannibalisieren, um morgen noch am Markt zu sein“, so Gissler. Die deutschen Autohersteller hätten den Wandel der Mobilitätsbedürfnisse und die Auswirkungen neuer Technologien früh verstanden, wären aber lange Zeit zu zaghaft gewesen, um den Digitalplayern aus dem Silicon Valley etwas entgegenzusetzen.

„Ohne Zustimmung des Kunden geht nichts“

Gissler meint: „Mobilitätsdienste sind das neu entstehende Geschäftsmodell mit dem größten Umsatzpotenzial in den kommenden Jahren, folglich sollten die Hersteller hier am stärksten investieren. Es reicht aber nicht, einfach nur eine Mobilitätsplattform aufzubauen und eine schöne App dazu anzubieten. Analytics wird zur entscheidenden Fähigkeit: Wer den Kunden und seine Bedürfnisse am besten versteht, setzt sich mit seinem Angebot durch. Die Autohersteller müssen in ihre Daten- und Analysekompetenzen investieren, um gegenüber den Konkurrenten aus dem Silicon Valley eine Chance zu haben.“

Die neue Datenschutzgrundverordnung der EU lege strenge Regeln für die Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten fest: Ohne Zustimmung des Nutzers geht nichts. Das hätte auch Einfluss auf die Möglichkeiten zur Monetarisierung von Fahrzeug- und Nutzerdaten. Allerdings glaubt Gissler, dass die Fahrer sehr wohl bereit seien, ihre Daten mit den Herstellern zu teilen, wenn sie im Gegenzug personalisierte digitale Services erhielten, die für den einzelnen eine hohe Relevanz hätten. Zudem hätten auch anonym erhobene Fahrzeugdaten einen Wert: „Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Parkhaus- oder Tankstellenbetreiber für solche Daten zahlen würde, um den Verkehrsfluss besser zu verstehen und seine Preise so stärker der Nachfrage anzupassen“, erklärt Gissler.