Teamtechnik, Geschäftsführer, Stefan Roßkopf

Ist bekannt für seine klare Meinung: Teamtechnik-Chef Stefan Roßkopf. - Bild: Teamtechnik

Herr Roßkopf, welches Unternehmen hat in Sachen E-Mobility die Technologieführerschaft inne?

Ganz klar Tesla. Das liegt an dem Gesamtsystem. Denn Elektromobilität wird definiert durch mehrere Schlüsselkomponenten. Das eine ist die Batterietechnologie, das zweite die Antriebstechnologie und das dritte ist die Schnellladeinfrastruktur. Auf diesen drei Feldern bietet Tesla schon heute ein konkurrenzloses Angebot, bei dem kein anderer aus der Automobilindustrie mithalten kann. Und wie es derzeit aussieht, wird es die nächsten Jahre auch erst mal so bleiben.

 …und wo liegt Tesla selbst noch im Hintertreffen?

Das einzige was Tesla im Augenblick noch bremst, ist, dass Tesla aktuell noch mit der Massenproduktion kämpft. Rein technologisch gibt es keinen anderen Automobilhersteller, der auf demselben Level ist wie Tesla.

Bei dem Thema Massenproduktion könnten Sie ja als Spezialist für Automatisierungslösungen weiterhelfen?

Das haben wir auch getan. Wir haben eine große Anlage an Tesla geliefert. Diese steht picobello da und  wartet nur darauf, dass die Stückzahlen hochlaufen.

"Nachdem man viele Jahre das Thema Elektromobilität vernachlässigt hat, sind jetzt viele Aktivitäten zu beobachten."

Beliefern Sie auch die deutsche Automobilindustrie?

Ja, verschiedene Autobauer, wir liefern zum Beispiel auch das Prüffeld an Porsche für den Mission E. [Anm. der Red.: Der Porsche Mission E ist der neue Elektrosportwagen von Porsche]

Wie sehen Sie dann die deutsche Automobilindustrie im internationalen Vergleich?

Nachdem man viele Jahre das Thema Elektromobilität vernachlässigt hat, sind jetzt viele Aktivitäten zu beobachten. Ich denke, dass für die deutsche Industrie die Chance besteht, dort eine führende Position einzunehmen -  ganz ohne Zweifel. Aber es wird darauf ankommen, dass man jetzt wirklich mit aller Konsequenz an dem Thema dranbleibt. Es ist nicht damit getan, nur Autos zu entwickeln. Stichwort Ladeinfrastruktur. Wenn dieses Thema weiterhin so stiefmütterlich behandelt wird, dann werden sich auch die Autos nicht verkaufen, die jetzt gerade entwickelt werden.

Teamtechnik ist im Geschäftsbereich Automotive absolut fokussiert auf das Thema E-Mobility und das schon seit einiger Zeit. Was sind die Hintergründe zu dieser Entscheidung?

Ich persönlich bin hundertprozentig überzeugt von der Elektromobilität. Es gibt in Zukunft schlichtweg keine andere Möglichkeit, als die, Energie regenerativ herzustellen. Es ist völlig unerheblich, ob wir noch zehn, 15 oder 20 Jahre Autos mit Verbrennungsmotoren fahren. Aber dann wird Schluss damit sein, Autos mit fossilen Kraftstoffen zu betreiben.  Das Thema ist dann durch! Da kommt es auf zehn Jahre mehr oder weniger nicht an. Danach muss die Mobilität mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Und dann ist man relativ schnell an dem Punkt, wo man sieht, dass Sonne zu Strom, der dann direkt in Batterien geladen wird, die geringsten Wirkungsgradverluste bietet in der sogenannten well-to-wheel-Kette. Es gibt also keine effizientere Art, ein Fahrzeug anzutreiben, als mit Elektromobilität.

Teamtechnik, Elektroauto, Ladestation
Der Spezialist für Automatisierungslösungen in Freiberg/Neckar entschied sich innerhalb seiner Geschäftssparte Automotive für eine konsequente Ausrichtung auf emissionsfreie Technologien. Bereits 2013 investierte das Unternehmen zusätzlich in eine firmeneigene PV-Anlage und Elektrofahrzeuge zur Eigennutzung. - Bild: Teamtechnik

Was ist mit der Brennstoffzelle oder synthetischen Kraftstoffen?

Das sind Scheingefechte, die geführt werden, um von der eigenen technologischen Schwäche abzulenken. Beispiel Brennstoffzellenfahrzeug: Auch hier braucht man eine Batterie und dann braucht man die Brennstoffzelle noch zusätzlich. Der Wasserstoff, den die Brennstoffzelle benötigt, muss man auch erst aus regenerativen Energiequellen gewinnen. Man hat schon bei der Erzeugung von Wasserstoff aus Sonnenstrom einen Wirkungsgradverlust von 30 Prozent. Der einzige Vorteil des Brennstoffzellenautos - man kann es schnell tanken - wird völlig aufgezehrt durch den riesigen Kosten- und Effizienznachteil. Ganz zu schweigen von der hochkomplexen Infrastruktur, die man errichten müsste, um Wasserstoff flächendeckend bereitzustellen. Deswegen finde ich die Diskussion über die Brennstoffzelle geradezu absurd. Man hat es über Jahre nicht geschafft, eine Ladeinfrastruktur für Elektroautos aufzubauen, die vergleichsweise trivial ist. Aber jetzt diskutiert man darüber, dass Wasserstoff vielleicht die Zukunft sein könnte.

Aber die langen Ladezeiten der Elektroautos sind ja gerade der Grund, warum viele sich heutzutage gegen den Kauf eines E-Autos entscheiden.

Dieser heute noch vorhandene Nachteil der Ladezeiten bei den Elektrofahrzeugen – der wirklich der einzige Nachteil gegenüber einem Brennstoffzellenauto ist – wird sich über die nächsten Jahre erledigen, weil die Ladezeiten dank besserer Technik immer kürzer werden. Und diese Ladezeiten werden sehr viel schneller kürzer werden, als es möglich sein wird, Komplexität und Kosten bei der Brennstoffzelle zu reduzieren. Gleichwohl wird man die Brennstoffzelle in bestimmten Nischen benötigen, wie beispielsweise im Schwerlastverkehr. Die Brennstoffzelle in der Masse für den Individualverkehr einzusetzen, ist aber keine Option. Die synthetischen Kraftstoffe haben dasselbe Problem wie die Brennstoffzelle.

Tesla, Model S, Ladestation
Tesla wirbelte mit seinen Elektroautos die Automobilbranche durcheinander. Doch längst sind die meisten großen OEMs dabei, ihre eigene E-Auto-Strategie umzusetzen. - Bild: Pixabay

Welche Rolle spielt die Politik? Sind die Weichen in Deutschland schon entsprechend in Richtung E-Mobility gestellt worden?

Die Weichen sind überhaupt nicht gestellt worden. Die Politik ist konzeptions- und richtungslos. Stattdessen ist sie beeinflusst von Lobbyisten, welche die alte Welt bewahren möchten. Für die Bedeutung, welche die Automobilindustrie für unsere Volkswirtschaft hat, kann man es sich aus meiner Sicht nicht erlauben, dass man das ganze Thema so treiben und trudeln lässt. Gleichzeitig werden in anderen Teilen der Welt – vor allem in Asien – ganz entschieden die Weichen in Richtung Elektromobilität gestellt.

Ist es schon zu spät für die Politik, um noch gegenzusteuern?

Zumindest wären jetzt noch die Spielräume da, zu gestalten. Das Geschäft mit Autos mit Verbrennungsmotor läuft aktuell noch sehr gut. Mit diesen Volumen könnte man noch umsteuern. Doch wenn man erst mal in der Defensive ist, wird es viel schwieriger.

Hat denn dann die deutsche Autoindustrie den Kampf um die Führerschaft in der Elektromobilität schon verloren?

Verschiedene Gefechte hat die deutsche Autoindustrie schon verloren, den Krieg aber noch nicht. Ich sehe schon die Chance, dass wir das Ganze noch rumreißen. Es wird aber schwieriger mit jedem Jahr, das vertrödelt wird. Das Gefecht, welches schon verloren ist, ist die Batterietechnologie. Dabei macht die Batterie 30 bis 40 Prozent der Wertschöpfung in einem Elektrofahrzeug aus. Die Batteriezellproduktion ist bereits fest in asiatischer Hand. Ich sehe keine Chance, dass man diese Produktion zurück nach Deutschland holen kann.

"Dort herrscht eine ganz andere Dynamik. Es ist ein riesiger Unterschied zu Deutschland."

Welche Gefechte kann die deutsche Autoindustrie noch gewinnen?

Ein großer Pluspunkt ist die Markenstärke, die die deutschen Marken nach wie vor haben. Die Hersteller können gewinnen über die Attraktivität des Gesamtfahrzeugs – also Qualität und Premiumcharakter. Aber bei der Elektromobilität geht es um Systemkompetenz. Es reicht nicht mehr aus, nur ein gutes Auto anzubieten. Wenn das Problem der Ladeinfrastruktur nicht gelöst ist, werden die Hersteller auch kein attraktives Premiumauto verkaufen können. Das ist die ganz große Gefahr, die ich auch vor allem im Hinblick auf den chinesischen Markt sehe.

Sie arbeiten mit allen großen chinesischen OEMs – wie beispielsweise Great Wall oder der Volvo-Mutter Geely – zusammen. Mit welcher Dynamik gehen die Chinesen das Thema Elektromobilität an?

Dort herrscht eine ganz andere Dynamik. Es ist ein riesiger Unterschied zu Deutschland. Denn die chinesische Regierung hat einen Plan – und zwar einen ganz klaren. Außerdem gibt es dort Politiker, die diesen Plan mit voller Kraft umsetzen. Das geschieht im Schulterschluss mit der Industrie. In Deutschland gibt es weder Plan, noch Power, noch Schulterschluss. Hier gibt es nur unkoordiniertes Handeln.

Das ist Teamtechnik

Teamtechnik sieht sich weltweit führend im Bereich flexibler Prüfstände für Elektroantriebe. Mit der Arbeit an der Entwicklung automatisierter Produktionsverfahren für weitere Komponenten der E-Mobilität schlägt das Unternehmen eine Brücke zu seinem Geschäftsbereich Solar.

Geschäftsführer Stefan Roßkopf ist überzeugt: „Der Durchbruch in der Elektromobilität ist in den kommenden Jahren zu erwarten, und wir werden diesen Wandel aktiv mitgestalten.“ Der Anlagenhersteller, der mit 900 Mitarbeitern weltweit Montage- und Prüfanlagen für die Automotive-, Solar- und Medizinindustrie liefert, sieht sich dafür bestens aufgestellt und bereits mitten in der E-Mobility-Welt angekommen.

Die neue, standardisierte Prüfplattform Compact Drive mache es möglich, Elektroantriebe verschiedenster Varianten zu prüfen – voll automatisiert und mit eigenentwickelter Prüfsoftware. „Die Schlüsselkompetenzen für den Zukunftsmarkt E-Mobilität müssen in Deutschland bleiben“, fordert Roßkopf. Der Geschäftsführer engagiert sich seit Jahren für den interdisziplinären Wissenstransfer zur Elektromobilität am Standort Deutschland.

Teamtechnik wurde 1976 gegründet und verfügt heute über Produktionsstandorte in Deutschland, Polen, China sowie in den USA. Der Anlagenhersteller erwirtschaftet weltweit einen Umsatz von 150 Millionen Euro.