Josef Stoll, Excelliance

Josef Stoll war bis Ende 2016 Chief Technology Officer & Head of Technical Innovation bei der Deutschen Bahn AG. Stoll ist aktuell Associate Partner bei der Management- und IT-Beratung MHP. - Bild: Privat

Herr Stoll, wie sieht Ihre Vision von der Mobilität in der Zukunft aus? 

Der künftige Antrieb wird mit ziemlicher Sicherheit elektrisch sein. Hier ist nur die Frage, ob mit Batterie oder Brennstoffzellen. In der letzten Zeit kam noch ein anderer Punkt auf: ein zentraler Motor mit Getriebe oder vier Rad nahe Motoren ohne Getriebe aber elektronisch gesteuert.

Das Carsharing nimmt weltweit stetig zu. San Francisco hat bereits die ersten sehr positive Effekte aufgezeigt. Klar ist das derzeit eher ein Thema für die Städte. Sobald die Fahrzeuge jedoch autonom fahren können, gibt es kaum mehr einen Grund das Land nicht einzubeziehen. Wichtig hierbei sind jedoch die Plattformen und die Verbindung der Fahrzeuge zu unseren Smartphones und unseren Kalendern.

Was sind die wesentlichen Herausforderungen, die auf dem Weg dorthin noch gemeistert werden müssen?

Die meisten technologischen Herausforderungen sind bereits gelöst. Die Frage, ob wir mehr Unterstützung für das Autonome Fahren aus der Infrastruktur heraus brauchen, ist eher eine Glaubens- beziehungsweise Marketingfrage. Die Testfahrten in den USA und auch von Jaguar in UK zeigen, dass man auch ganz gut ohne auskommt. 

Die gesellschaftliche Akzeptanz steigt mit jedem weiteren Assistenzsystem, das in die Autos eingebaut wird. Daher wird die Diskussion von der "Freude am Fahren" nicht mehr lange anhalten. In anderen Regionen der Welt ist das ohnehin kein Thema, da man kaum Freude am Fahren haben kann, wenn man täglich im Stau steht, wie in China oder Singapur.

Rechtlich werden gerade die ersten Weichen gestellt. Bei der Haftung gibt es noch Diskussionen. Aber hier sollte man mal schauen, wie es die Luftfahrt geregelt hat. Übrigens hier akzeptiert jeder von uns ein Restrisiko, das wir beim autonomen Auto nicht hinnehmen wollen. Eines ist heute schon klar, auf Dauer ist fährt ein autonomes Fahrzeug um Welten besser als jeder Mensch. Wenn bei der Landung eines Flugzeuges geklatscht wird, war es meist der Computer, der die Maschine gesteuert hat.

In welchem Bereich wird der wesentliche Teil der Wertschöpfung von Automobilherstellern in Zukunft liegen – in der Produktion eines Autos oder in neuen Geschäftsmodellen?

Die Konzeption, Konstruktion und damit auch die Produktion der Fahrzeuge wird sich deutlich verändern müssen. Ein Auto im Carsharing kommt auf eine Auslastung von über 80%. Damit wird es nicht mehr solange halten wie heute. Außerdem brauchen wir einen modularen Aufbau, um Teile und Komponenten schneller tauschen zu können. Die Automobilindustrie geht heute schon davon aus, was die sich die Entwicklungszeit in den nächsten Jahren halbieren muss.

Die Anzahl der Autos in einer Charing-Economy wird deutlich sinken. Wenn man die Aktivitäten der großen Hersteller beobachtet, sieht man, dass diese sich damit intensiv auseinander setzen und neue Geschäftsmodelle suchen. Wenn man nun auch noch die letzte Aktion von 1&1 (Internetdienstanbieter, Anm. d. Red.) sieht - sie bieten eine Flaterate inklusive Auto an - kann man nur sagen, alles wird sich ändern. Doch man müsste in die Glaskugel schauen können, um eine Aussage über die Zukunft machen zu können. Vielleicht ist der Transport künftig for free. Auf jeden Fall zeichnet sich eines ab: Mobility as a Service.

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