Wissmann: „Die Erholung der Märkte wirkt sich positiv auf die Pkw-Inlandsfertigung aus, die 2010

Wissmann: „Die Erholung der Märkte wirkt sich positiv auf die Pkw-Inlandsfertigung aus, die 2010 um 11 % zulegen konnte.“

Für die deutsche Automobilindustrie geht es nach Aussage des VDA-Präsidenten Matthias Wissmann 2011 weiter aufwärts. Allerdings mit geringerer Geschwindigkeit.

Interview: Gunnar Knüpffer

Wie entwickelt sich voraussichtlich die Konjunktur in Ihrer Branche im kommenden Jahr?
Die deutsche Automobilindustrie ist schneller aus der Krise herausgefahren als erwartet. Für 2011 rechnen wir bereits wieder mit neuen Rekordmarken beim Pkw-Export und der Inlandsproduktion. Der Inlandsmarkt ist auf Normalisierungskurs, die Neuzulassungen werden in diesem Jahr auf 3,1 Mio Einheiten steigen. Die Kapazitäten sind wieder gut ausgelastet, der Auftragsbestand liegt deutlich über dem langjährigen Schnitt. Der Weltautomobilmarkt legte 2010 um 8 Prozent auf knapp 60 Mio Pkw zu und überschritt wieder das Vorkrisenniveau. Für 2011 rechnen wir mit einem weiteren Wachstum um 8 Prozent auf 64,5 Mio Pkw. Die weltweite Pkw-Nachfrage nimmt also weiter zu. Der Wunsch der Menschen nach dem eigenen Automobil ist offensichtlich kulturübergreifend und interkontinental. Von dieser Entwicklung profitieren insbesondere die deutschen Hersteller. Für das Jahr 2011 erwartet der VDA  einen stabilen Aufwärtstrend. Allerdings gibt es keinen Anlass zu Jubelstürmen: Die Risiken an den Rohstoff- und Finanzmärkten sind noch keineswegs ausgeräumt. Erfreulich ist, dass der gesamtwirtschaftliche Aufschwung auch beim Konsum langsam Tritt fasst. Wir gehen davon aus, dass der Pkw-Inlandsmarkt im Jahr 2011 ein Volumen von 3,1 Mio. Pkw erreichen wird. Damit wäre auch das Niveau von 2008 überschritten. Beim Pkw-Export erwarten wir im kommenden Jahr mit 4,4 Mio Einheiten (plus 5 Prozent) ein neues Rekordniveau. Die Pkw-Inlandsproduktion wird 2011 ebenfalls um 5 Prozent auf knapp 5,8 Mio Fahrzeuge steigen – auch das ist eine neue Bestmarke. Es geht 2011 also weiter aufwärts, allerdings mit geringerer Geschwindigkeit.

Vor welchen Herausforderungen steht die deutsche Automobilindustrie 2011?
Hersteller haben in der Krise manchem Zulieferer unter die Arme gegriffen, als es auch von Bankenseite eng wurde: Auch wenn es ein natürliches Spannungsverhältnis zwischen Herstellern und Zulieferern gibt – in der Krise hat sich die Partnerschaft in der Wertschöpfungskette bewährt. Sie steht jetzt vor neuen Herausforderungen. Erfreulich: Die deutschen Hersteller kommen bei der CO2-Reduzierung weiter voran. In zehn von zehn Fahrzeug-Segmenten, vom Kleinwagen bis zum Familien-Van, haben die deutschen Hersteller – laut offizieller KBA-Zahlen – in den ersten zehn Monaten des Jahres 2010 jeweils einen durchschnittlich niedrigeren CO2-Wert als die Importeure. Und in sechs von zehn Segmenten stellen die deutschen Marken jeweils das verbrauchsgünstigste Modell.
Welche Gefahren/Risiken könnten eine positive wirtschaftliche Entwicklung gefährden?
Wir sehen durchaus auch Risiken: Die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten macht uns Sorgen, hinzu kommen Unwägbarkeiten von den Finanzmärkten sowie Haushaltsprobleme bei einigen europäischen Ländern. Bei der Entwicklung alternativer Antriebe trägt die Automobilindustrie den Löwenanteil. Das sind hohe Vorleistungen. Wir brauchen flankierende Maßnahmen durch die Politik, damit diese neuen Technologien, die die Mobilität von morgen darstellen, auch hier am Standort Deutschland in der Produktion eingesetzt werden. Wir wollen, dass die Wertschöpfung auch hier in Deutschland erfolgt. Es geht damit auch um die Zukunftssicherung des Standortes Deutschland und seiner Beschäftigten. Und von Brüssel erwarten wir Augenmaß und Realismus, wenn es um neue Regulierungsmaßnahmen geht.

Welches sind die wichtigsten Märkte?
Die deutsche Automobilindustrie hat 2010 ihre Pkw-Exporte um 23 Prozent auf 4,2 Mio Einheiten gesteigert. Die deutschen Marken haben in wichtigen Regionen Marktanteile hinzu gewonnen, etwa in den USA, wo sie in von fünf Jahren ihren Marktanteil bei Light Vehicles kontinuierlich um durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte pro Jahr auf 7,6 Prozent erhöhen konnten. Allein im Car-Bereich haben sie ihren Marktanteil auf 11,8 Prozent erhöht. Im November konnten die deutschen Hersteller ihren US-Absatz von Light Trucks um rund 41 Prozent steigern, während das Segment insgesamt um etwa ein Viertel zulegte. Im Car-Bereich ist das Wachstum der deutschen Marken  mehr als doppelt so hoch wie die Steigerung des gesamten Bereichs. Den Absatz von Light Vehicles erhöhten die deutschen Marken im November um 22,7 Prozent (Gesamtmarkt: 16,9 Prozent). Wir wachsen also in den USA deutlich schneller als der Markt. Dies gilt auch für die neuen EU-Länder und Indien. Die Erholung der Märkte wirkt sich positiv auf die Pkw-Inlandsfertigung aus, die 2010 um 11 Prozent auf gut 5,5 Mio zulegen konnte. Das entspricht dem Niveau von 2008. Die Gewichte auf dem Weltautomobilmarkt veränderten sich mit hoher Geschwindigkeit. So wird in der Zeit von 2008 bis 2011 der Anteil Chinas am Weltautomobilmarkt von 10 auf 19 Prozent steigen, während die USA und Westeuropa jeweils 3 Prozentpunkte auf je ein Fünftel verlieren.