FRANKFURT (ilk). Vergleichbare Einbußen gab es nur zu Beginn der letzten Wirtschaftskrise Ende 2008 und in den Jahren 1995 und 1998. Der Rückgang war zudem bei Weitem größer als im gesamten Verarbeitenden Gewerbe (-0,5%). Jedoch folgt der Einbruch auf eine starke Erholungsphase, die Anfang 2009 einsetzte. Aus diesem Grund liegen die Aufträge auch noch 22% über dem Durchschnitt des Krisenjahrs 2009 (Verarbeitendes Gewerbe: 20%).

Da die Metallbranche ein wichtiger Zulieferer für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland ist, gehört sie zu den konjunkturellen Vorläufern. Wenn sich die Auftragslage und Produktionsniveaus in diesem Produktionszweig verschlechtern, kann das auf eine konjunkturelle Abkühlung hindeuten. Ist der nun erfolgte Einbruch also Zeichen für das Ende der gesamtwirtschaftlichen Erholung und den Rückfall in die Rezession? Oder zeigt sich nur, dass die hohen Zuwachsraten der letzten Monate in der Metallbranche dem Lagerzyklus geschuldet sind und sich dieser dem Ende zuneigt?

Es spricht einiges dafür, dass der nun erfolgte Rückgang der erste Schritt zur Stabilisierung der Produktion auf höherem Niveau ist und nicht der Beginn einer erneuten Krise. Ein Teil der Erklärung für den starken Rückgang sind Sondereffekte: So brach der Auftragseingang bei der Stahlrohrproduktion um 56% ein, nachdem er im Vormonat um knapp 150% zulegte. Durch Großaufträge getrieben sind Ausschläge bei den Auftragseingängen in der Metallbranche jedoch nicht ungewöhnlich. In anderen Bereichen der Metallerzeugung und -verarbeitung waren die Rückgänge dahingegen eher gering oder es gab sogar Zuwächse. Ein wichtiger Grund für den Rückgang war vor allem auch das schlechtere Auftragsniveau im bedeutenden Sektor Erzeugung von Roheisen und Stahl. Die Neuaufträge lagen hier 15% unter dem Wert des Vormonats. Dies ist vor allem auf die starke Expansion in den Vormonaten zurückzuführen. So ließ die frühe und gleichzeitige Inbetriebnahme von Hochöfen und anderen Produktionsstätten die Produktion in diesem Sektor schneller als in den anderen Teilbereichen ansteigen. Die Abnehmer konnten dementsprechend ihre Lager frühzeitig wieder auffüllen und die Aufträge dürften sich nun auf einem etwas niedrigeren Niveau einpendeln.

Ein weiterer Fakt, der gegen ein Ende des Aufwärtstrends spricht, ist der stabile Auftragseingang in der chemischen Industrie. Diese ist wie die Metallbranche ein konjunktureller Frühindikator. Neuaufträge legten hier im Mai im Vormonatsvergleich um gut 1% zu und lagen damit schon fast auf dem Niveau aus dem Jahr 2008. Auch die Erwartungen in den beiden Branchen deuten nicht auf einen Einbruch hin. Sie sind zwar in den letzten Monaten eher rückläufig bzw. stabil, das Niveau ist aber noch hoch. Natürlich gibt es makroökonomische Risiken, die einen erneuten deutlichen Rückgang der Produktion herbeiführen könnten. Diese spiegeln sich aber noch nicht in dem deutlichen Rückgang der Aufträge in der Metallbranche: wahrscheinlicher ist, dass der Lagerzyklus für Teile der Branche zu Ende geht und die Abnehmer ihre Aufträge auf ein nun adäquates Niveau anpassen.