Der Auftragseingang der deutschen Industrie hat im Juni weitaus deutlicher als erwartet zugelegt, was vor allem an einer hohen Investitionsgüternachfrage aus dem Ausland lag und ein anhaltend kräftiges Produktionswachstum erwarten lässt.

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am Donnerstag auf der Basis vorläufiger Daten mitteilte, erhöhten sich die Bestellungen gegenüber dem Vormonat preis- und saisonbereinigt um 3,2%. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen Anstieg um nur 1,5% erwartet. Im Mai waren die Auftragseingänge nach revidierten Angaben um 0,1% (vorläufig: minus 0,5%) gesunken.

Ihr Vorjahresniveau überstiegen die Auftragseingänge saisonbereinigt um 24,5%, im Mai hatte der Zuwachs im Jahresabstand 24,9% betragen. Im zweiten Quartal erhöhten sich die Bestellungen gegenüber dem Vorquartal um 7,7%, nachdem sie im ersten Jahresviertel um 6,7% zugelegt hatten. “Damit zeichnet sich eine Fortsetzung des Erholungsprozesses in der Industrie ab”, kommentierte das BMWi.

Dieser Ansicht ist auch Alexander Krüger, Volkswirt beim Bankhaus Lampe: “Dieser belebende Impuls wird bis ins dritte Quartal tragen”, sagte er voraus und prognostizierte für den am Freitag anstehenden Ausweis der Industrieproduktion “knackige Zahlen”. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten einen Anstieg der Produktion im produzierenden Gewerbe von 0,7%. Für das zweite Quartal erwartet Krüger einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,2%, für das Folgequartal einen etwas schwächeren, “aber immer noch ansehnlichen” Zuwachs. Für 2010 rechnet Krüger nun mit einem BIP-Anstieg um 2% bis 2,2%. Bisher hatte er ein Plus von 1,7% prognostiziert.

Im Juni hat es nach BMWi-Angaben einen “deutlich überdurchschnittlichen Umfang an Großaufträgen” gegeben. Diese stammten hauptsächlich aus dem Ausland im Bereich des Sonstigen Fahrzeugbaus. Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen macht diesbezüglich einen Großauftrag für Airbus namhaft, ohne den die Aufträge sogar leicht gefallen wären. “Trotzdem weist der Trend bei den Aufträgen weiter nach oben, die Industrie dürfte ihre Produktion auch im dritten Quartal deutlich ausweiten”, analysierte Solveen und fügte hinzu: “Unsere Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft von 2,5% bleibt gut untermauert.”

Die Auslandsbestellungen erhöhten sich – gestützt durch die Großaufträge – um 5,7%. Die Inlandsnachfrage verzeichnete im Juni hingegen nur ein Plus von 0,3%. “Bei anhaltend kräftigen Impulsen aus dem Ausland deutet sich eine etwas schwächere Dynamik der Bestelltätigkeit aus dem Inland an”, heißt es von den BMWi-Experten. Enam Ahmed von Moody’s Economy.com verwies darauf, dass ein Großteil der Auslandsorders aus dem Euroraum gekommen seien. Er sieht vor diesem Hintergrund die Gefahr, dass der Aufschwung in der deutschen Industrie Anfang 2011 auslaufen könnte, weil die Wirtschaft des Währungsraums nach seiner Einschätzung im kommenden Jahr wieder in eine leichte Rezession fallen könnte.

Innerhalb der industriellen Hauptgruppen verbuchten die Hersteller von Investitionsgütern im Juni mit einem Plus von 6,4% den größten Anstieg bei den Bestellungen. Bei den Konsumgüterproduzenten stieg die Nachfrage um 0,9%, demgegenüber sank sie bei den Herstellern von Vorleistungsgütern um 0,8%.

Im Zweimonatsvergleich Mai/Juni gegenüber März/April stieg das Auftragsvolumen um 3,2%. Die Inlandsbestellungen erhöhten sich um 1,2% und die Auslandsaufträge um 5,0%. In den industriellen Hauptgruppen hatten die Vorleistungsgüterproduzenten 0,3% weniger Bestellungen zu verzeichnen. Die Produzenten von Investitionsgütern verbuchten ein Auftragsplus von 5,7%. Die Nachfrage nach Konsumgütern stieg um 3,6%.