Der Automarkt in China hat noch Wachstumspotenzial.

Der Automarkt in China hat noch Wachstumspotenzial.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die kürzlich angekündigte Steuerbegünstigung für Kleinwagenkäufe den Absatz in den kommenden Monaten ankurbeln wird. Hersteller und Händler seien durch die fallenden Preise aber immer noch unter Druck, warnten die Experten.

Der Pkw-Absatz stieg im vergangenen Monat um 3,3 Prozent auf 1,75 Millionen Fahrzeuge, wie der staatlich unterstützte Herstellerverband CAAM mitteilte. Zusammengenommen legten die Pkw- und Nutzfahrzeugverkäufe um 2,1 Prozent auf rund 2 Millionen Fahrzeuge zu.

"Der Lagerabbau der Händler geht zu Ende", sagte John Zeng, Managing Director von LMC Automotive. "Während sich der Aktienmarkt stabilisiert und die Senkung der Verbrauchssteuer wirksam wird, ist der Automarkt auf den Wachstumspfad zurückgekehrt."

China hatte Ende September die Verbrauchssteuer für Autos mit einem Motor, der weniger als 1,6 Liter fasst, halbiert. Sie beläuft sich nun auf 5 statt zuvor 10 Prozent. Diese Kleinwagen machen mehr als 60 Prozent des chinesischen Automarktes aus, wie Branchendaten zeigen.

Laut dem Vizepräsidenten des Herstellerverbandes, Dong Yang, hält der CAAM an seiner Prognose fest. Demnach sollen die Pkw- und Nfz-Verkäufe in diesem Jahr gegenüber 2014 um 3 Prozent steigen - auch wenn das Wachstum in den ersten drei Quartalen nur bei gerade mal 0,3 Prozent lag.

Chinas Aktienmärkte, die zwischen Mitte Juni und August um 45 Prozent eingebrochen sind, stabilisierten sich im September nach einer Reihe von Regierungsmaßnahmen, die den Aktienkauf wiederbeleben sollten. In einer kürzlichen Umfrage von Sanford C. Bernstein gab mehr als die Hälfe der 1.000 befragten chinesischen Verbraucher an, wegen des Aktienmarkteinbruchs einen Autokauf aufgeschoben zu haben.

Auch wenn sich der Trend im September umgekehrt habe, sei die Preisbildung weiterhin "hochproblematisch", sagte Bernstein-Analyst Robin Zhu und verwies auf den Wettbewerb zwischen Automarken und Händlern. Im September wurden Autos in China mit einem durchschnittlichen Rabatt von 11,3 Prozent verkauft, im August waren es laut Ways Consulting, einer in Guangzhou ansässigen Beratungsfirma mit Fokus auf die Automobilbranche, 11,1 Prozent.

China ist eine wichtige Gewinnquelle für viele Autohersteller. General Motors und Volkswagen erzielen im Reich der Mitte 35 Prozent ihrer globalen Absätze, bei BMW sind es 20 Prozent, wie aus den Unternehmenberichten hervorgeht.

"Ich sehe den Abschwung in diesem Jahr", sagte Ford-CEO Mark Fields am Montag in Schanghai. "Aber wir beginnen zu sehen, dass die Kunden an den Markt zurückkehren." Er bezeichnete sich selbst als "sehr bullish" für den chinesischen Markt, auch wenn das prozentuale Wachstum bei Neuwagenverkäufen sich im Vergleich zu den zweistelligen Raten der vergangenen Jahr verlangsamt.

Die meisten ausländischen Autobauer wiesen im Jahresvergleich für September Absatzgewinne in China aus - moderate Zuwächse von 1,7 Prozent bei Toyota und 2,9 Prozent bei Nissan sowie robustere 11 Prozent bei BMW. Händler berichteten auch über einen moderaten Anstieg der Laufkundschaft in ihren Autohäusern.

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage des chinesischen Händlerverbandes CADA unter mehr als 20.000 Händlern zeigte, dass ihr durchschnittlicher Lagerbestand im August beim etwa 1,5-Fachen der monatlichen Verkäufe lag. Im Juli war es noch das 1,65-Fache und im Juni das 1,68-Fache.

In China betrachten Analysten das Niveau des 1,5-Fachen der monatlichen Verkäufe als "Alarmstufe", ab der die Händler sich um hohe Lagerbestände Sorgen machen sollten.