Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, sieht entgegen der Auffassung von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) den Abschluss in der Stahlindustrie nicht als Vorbild für die anstehenden Tarifrunden in anderen Sektoren der Wirtschaft.

BERLIN (Dow Jones)–”Das Tarifergebnis für die Stahlindustrie kann auf keinen Fall Maßstab für andere Bereiche sein”, erklärte Hundt am Donnerstag in Reaktion auf entsprechende Äußerungen des Wirtschaftsministers.

In dieser Einschätzung sei sich die BDA mit den Gewerkschaften einig. Derzeit erlebten die Unternehmen der meisten Branchen zwar einen erfreulichen wirtschaftlichen Aufschwung. “Aber es sind noch lange nicht alle Folgen der Krise überwunden. Die konjunkturelle Erholung ist nicht frei von Risiken”, warnte Hundt.

Hinzu komme, dass die Tarifverträge zahlreicher Branchen bis ins Jahr 2011 und sogar bis 2012 reichen. Die danach zu vereinbarenden Tariflohnsteigerungen müssten den aktuellen Rahmenbedingungen Rechnung tragen. “Nur wenn der erfolgreiche Kurs der moderaten und differenzierten Tarifpolitik fortgesetzt wird, kann das Wirtschaftswachstum stabilisiert und weiter Beschäftigung aufgebaut werden”, gab sich der BDA-Präsident überzeugt.

Hundt verwies zudem auf die Tarifautonomie. Brüderle habe “zu Recht betont, dass über die Höhe der Tariflohnsteigerung allein die Tarifpartner zu entscheiden haben”, betonte der BDA-Präsident.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte sich in einem Interview mit dem “Hamburger Abendblatt” für deutlich höhere Löhne in Deutschland ausgesprochen. “Wenn die Wirtschaft boomt, sind auch kräftige Lohnerhöhungen möglich”, zitierte die Zeitung Brüderle.

Brüderle betonte zwar, dass allein die Tarifpartner über die Höhe der Löhne entschieden und die Politik sich nicht einmischen solle. Zugleich nannte er aber als Vorbild die Stahlindustrie, in der die 85.000 Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen von Oktober an 3,6% mehr Gehalt bekommen. “Der Abschluss in der Stahlbranche hat gezeigt, dass ein fairer Ausgleich möglich ist, an dem sich vielleicht andere Branchen orientieren könnten”, sagte Brüderle.