Von Andreas Kißler, Dow Jones

BERLIN (Dow Jones)–In diesem Jahr werde die deutsche Wirtschaft “um deutlich mehr als 3% wachsen”, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel auf dem von dem Verband veranstalteten “Tag der Deutschen Industrie” am Dienstag in Berlin und deutete eine mögliche Zunahme des deutschen Bruttoinlandsproduktes um rund 3,5% an.

Im kommenden Jahr werde sich diese Wachstumsentwicklung aber nicht wiederholen. “Wir dürfen im nächsten Jahr nicht mit 3-1/2% rechnen, weil die Aufholeffekte weg sind”, erklärte er. Man dürfe aber “mit einem vernünftigen Wachstum” rechnen.

Den derzeitigen Eurokurs wertete der BDI-Präsident als “undramatisch”. “Ich glaube nicht, dass der Eurokurs, so wie er jetzt ist, in irgendeiner Weise (…) eine Gefahr für die Industrie darstellen wird”, sagte er. Umgekehrt bedeute der Wechselkurs “aber auch kein Drehmoment” für die Konjunktur. Der Aufschwung sei nicht von der Währungsentwicklung getragen worden, machte er klar.

“Die Konjunktur läuft besser als erwartet”, konstatierte Keitel. Damit fielen die Steuereinnahmen um mindestens 15 Mrd Euro höher aus als gedacht. “Das ist ein erheblicher Beitrag zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte”, betonte Keitel. Dies sei aber “kein Grund, um leichtfertig zu werden”, warnte der BDI-Präsident. Deutschland werde das Wohlstandsniveau von vor der Krise frühestens wieder im übernächsten Jahr erreichen.

Vor diesem Hintergrund sprach sich Keitel gegen neue steuerliche Belastungen für Unternehmen aus, wie sie die Bundesregierung bei der Ökosteuer vorsehe. Einige Annahmen in dem neuen Energiekonzept der Bundesregierung, das am Dienstag auf den Weg gebracht wird, gingen “über das hinaus, was unsere Unternehmen derzeit mit vertretbarem Aufwand leisten können”, warnte der BDI-Präsident und verwies als Beispiel auf hohe Investitionen für den erforderlichen Netzausbau. Man müsse prüfen, ob hier “im gemeinsamen Interesse” Korrekturen nötig seien.

Das Energiekonzept selber lobte Keitel als “das anspruchsvollste seiner Art weltweit”. Der geplante Wandel der Energieversorgung sei “beispiellos”, und die vereinbarten längeren Laufzeiten der Kernkraftwerke sorgten für eine günstigere Stromversorgung.