BERLIN (Dow Jones/ks)–”Obwohl wir derzeit besser dastehen als unsere Nachbarn schauen wir nur verhalten optimistisch ins vierte Quartal und ins nächste Jahr 2011″, erklärte BGA-Präsident Anton F. Börner am Dienstag in Berlin als Reaktion auf die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten aktuellen Außenhandelsdaten zum ersten Halbjahr 2010.

Die Ursache dafür liege in den Risiken aus den ungelösten Schulden- und Währungsproblemen. “Die Krise schwelt weiter”, sagte Börner. Durch die Rettungsaktionen der EU sei bislang nur Zeit gekauft worden. Es gebe berechtigte Zweifel am ernsthaften Sparwillen insbesondere der südeuropäischen Länder. “Das Managen der Schuldenkrise und der Abbau der Staatsdefizite sind der einzige Schlüssel für einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung”, sagte der BGA-Präsident.

Börner sieht trotz deutlichen Exportsteigerungen nach China keine Gefahr einer zu starken Abhängigkeit. “Davon, dass wir uns in eine einseitige Abhängigkeit von China begeben würden, kann keine Rede sein”, betonte der BGA-Präsident. Mit einem Anteil von 5,5% an den deutschen Ausfuhren liege China absolut gesehen immer noch deutlich hinter Frankreich, den Niederlanden, den USA, Großbritannien oder auch Italien.

China zeichne sich gegenüber den anderen Ländern jedoch durch die Dynamik seines Wachstums aus. “Mit einem Anstieg um über 50% im ersten Halbjahr ist die chinesische Nachfrage die dringend benötigte Adrenalinspritze für die deutsche Konjunktur”, sagte Börner. Davon profitierten besonders die von der Krise schwer betroffenen Branchen Maschinenbau und Kfz-Industrie. Aber auch der Außenhandel mit den europäischen Ländern zeige wieder deutliche Anzeichen einer Belebung, sagte Börner.

Der BGA-Präsident hatte Anfang September ein Exportwachstum für das laufende Jahr von “deutlich über 10%” vorhergesagt, wenn das vierte Quartal gut verlaufe. Sei dies nicht der Fall, sei immer noch ein Exportwachstum von 10% zu erwarten. Das Exportwachstum werde “zweistellig”, bekräftigte der BGA-Präsident.

Deutschland hat im ersten Halbjahr 2010 die Ausfuhren in Drittländer deutlich steigern können, wobei die Exporte nach China und Brasilien besonders hohe Zuwachsraten aufwiesen. Die Exporte in Länder außerhalb der EU stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26,2% auf 178,5 Mrd Euro und erhöhten sich damit deutlich stärker als die Gesamtausfuhren (plus 17,1% auf 458,3 Mrd Euro), wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.

Dabei kletterten die Lieferungen nach Brasilien um 61,3% gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 5,0 Mrd, nach China um 55,5% auf 25,2 Mrd Euro und in die Türkei um 38,8% auf 7,3 Mrd Euro. Die Ausfuhren in die USA nahmen um 14,1% auf 30,8 Mrd Euro Euro zu, die in die Schweiz stiegen um 17,2% auf 20,0 Mrd Euro und die nach Russland um 18,3% auf 11,4 Mrd Euro. Die Exporte nach Japan konnten um 24,3% auf 6,3 Mrd Euro gesteigert werden.

Die Versendungen in die EU-Mitgliedsländer erhöhten sich nominal um 12,0% auf 279,8 Mrd Euro und verzeichneten damit einen geringeren Anstieg als die deutschen Gesamtausfuhren. In die Eurozone wurden Waren für 191,3 Mrd Euro (plus 10,9%) geliefert, in die nicht zur Eurozone zählenden EU-Länder Waren für 88,5 Mrd Euro (plus 14,4%). Im ersten Halbjahr 2010 nahmen innerhalb der EU vor allem die Ausfuhren nach Portugal (plus 26,5%) und Schweden (plus 25,1%) wieder stark zu, während die Lieferungen nach Griechenland (minus 12,7%) und Dänemark (minus 1,7%) zurückgingen.