Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) hat seine Umsatzprognose für den Großhandel verdoppelt und rechnet für 2010 mit einem Umsatz auf dem Niveau des Jahres 2007.
Von Beate Preuschoff und Andreas Kißler, Dow Jones

BERLIN (Dow Jones/ks)–”Konkret rechnet der BGA im laufenden Jahr 2010 für den Großhandel mit einem verbesserten Umsatzwachstum von rund 10% nominal und real um 6,5%”, sagte BGA-Präsident Anton F. Börner am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung der aktuellen Befragung der Großhandelsunternehmen des Verbandes. Damit werde 2010 ein Umsatzvolumen von 790 Mrd Euro erreicht, was etwa dem Niveau aus dem Jahr 2007 entspreche.

Zu Jahresbeginn hatte der Verband ein Umsatzplus von nominal rund 5% auf gut 769 Mrd Euro erwartet. Im vergangenen Jahr war der Umsatz im Großhandel um rund 15% auf 732 Mrd Euro eingebrochen. Mit dem Wachstum im laufenden Jahr “dürfte binnen Jahresfrist etwas mehr als die Hälfte des Einbruchs im Jahr 2009 wieder ausgeglichen sein”, sagte Börner.

Die deutsche Wirtschaft sei in Aufbruchstimmung. “Die Unternehmen haben ihre Schockstarre nach dem wirtschaftlichen Absturz im Vorjahr abgeschüttelt”, sagte der BGA-Präsident. Derzeit arbeiteten sie den schweren Einbruch des Krisenjahres 2009 in “atemberaubendem Tempo” auf. “In einigen Bereichen können wir bereits im nächsten Jahr wieder die Zahlen des Rekordjahres 2008 erreichen und sogar übertreffen”, zeigte sich Börner zuversichtlich. Motoren des Aufschwungs seien sowohl außenwirtschaftliche Impulse wie auch die binnenwirtschaftliche Belebung.

Gesamtwirtschaftlich werde 2010 “ein absolutes Ausnahmejahr, das sich so 2011 nicht wiederholen lässt”, sagte der BGA-Präsident. Seine optimistische Prognose vom Jahresanfang eines Anstieges des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) 2010 um 3% sehe er im Wesentlichen bestätigt. Es sei aber damit zu rechnen, dass sich dieser Wert im kommenden Jahr auf 1,25% bis 1,5% mehr als halbieren werde. Obwohl wir derzeit besser dastehen als unsere Nachbarn, schauen wir nur verhalten optimistisch ins vierte Quartal und ins nächste Jahr”, sagte Börner.

Die Ursache dafür liege in den Risiken aus den ungelösten Schulden- und Währungsproblemen. Die Krise schwele weiter. “Durch die Rettungsaktionen der EU wurde bislang nur Zeit gekauft”, sagte Börner. Es gebe berechtigte Zweifel am ernsthaften Sparwillen insbesondere der südeuropäischen Länder. Bislang gebe es dort zu wenige konkrete Maßnahmen und Gesetze zur Haushaltskonsolidierung. “Das Managen der Schuldenkrise und der Abbau der Staatsdefizite sind der einzige Schlüssel für einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung”, betonte der BGA-Präsident.

Kritik übte Börner an den sich abzeichnenden Beschlüssen zu den Eigenkapitalvorschriften durch Basel III. Das neue Regelwerk sei so wenig transparent und so unverständlich, dass der BGA die nächste Welle erschwerter Finanzierung auf die Unternehmen zurollen sehe. Tatsache sei, dass die Unternehmen ein schlechtes Rating ihrer Bank mit bezahlten. Auch bei den internationalen Standards zur Rechnungslegung müsse Deutschland sich noch viel stärker einbringen, um nicht noch mehr Terrain zu verlieren, forderte Börner.