Bitkom, Axel Pohls, Konjunktur, Informationstechnik

Bitkom-Volkswirt Axel Pohls: "Die digitale Transformation wird auch in Zukunft ein günstiges Umfeld speziell für die Software-Branche und IT-Dienstleister wie Beratungsunternehmen bereitstellen." - Bild: Bitkom

Produktion: Herr Pohls, wie läuft das Geschäft in der Informations- und Telekommunikationsbranche und welche Entwicklung erwarten Sie für das zweite Halbjahr?

Axel Pohls: "Die Informationstechnik- und Telekommunikationsbranche hat positive Erwartungen an die konjunkturelle Entwicklung für das restliche Jahr. Die Umsätze werden nach aktueller Prognose bis zum Jahresende im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent auf 161,4 Milliarden Euro steigen.

Zugleich wird die Zahl der Erwerbstätigen in der ITK um 21 000 auf 1,051 Millionen ansteigen. Damit festigt die Bitkom-Branche ihren Status als zweitgrößter industrieller Arbeitgeber nach dem Maschinenbau. Am stärksten wächst der Bereich Informationstechnik mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 86 Milliarden Euro. Wachstumstreiber ist das Software-Segment, das um 6,3 Prozent zulegt.

In der Telekommunikation ist die Marktentwicklung mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 66,2 Milliarden Euro dagegen leicht rückläufig. Und in der Unterhaltungselektronik stabilisiert sich der Markt nach zum Teil deutlichem Schrumpfen in den vergangenen Jahren. Die Umsätze gehen voraussichtlich um 0,5 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro zurück."

Produktion: Welche Märkte sind derzeit für die ITK-Branche von Bedeutung? In wieweit haben politische Veränderungen dabei Einfluss auf das weltweite Geschäft?

Pohls: "Hauptabnehmer für Produkte deutscher ITK-Hersteller waren im ersten Quartal 2017 die europäischen Nachbarländer. Aktuell sind die Tschechische Republik, das Vereinigte Königreich und Frankreich die wichtigsten Einkäufer von ITK-Hardware und Unterhaltungselektronik aus Deutschland. Einziges nicht-europäisches Land in der Export-Top-10 sind die USA auf Rang sechs.

Insgesamt exportierten deutsche ITK-Hersteller im ersten Quartal Waren im Wert von 9,1 Milliarden Euro – ein deutliches Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Importvolumen belief sich auf 15,2 Milliarden Euro. Auch hier gab es ein kräftiges Wachstum um elf Prozent. Der mit Abstand wichtigste Lieferant ist China, gefolgt von den Niederlanden und der Tschechischen Republik. Derzeit machen sich keine nennenswerten Verschiebungen aufgrund politischer Veränderungen bemerkbar."

Produktion: "Mit welchen neuen Technologien beschäftigt sich die ITK-Branche? Was versprechen Sie sich davon?

Pohls: "Oberste Priorität für deutsche ITK-Unternehmen hat das Thema IT-Sicherheit. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund der sich häufenden Cyber-Attacken, die sich auch gezielt gegen Unternehmen richten.

Weitere wichtige Trends sind Cloud Computing, das Internet of Things, Industrie 4.0 und Big Data. Künftig wird auch das Thema Künstliche Intelligenz verstärkt an Bedeutung gewinnen. Die weiter zunehmende Vernetzung aller Wirtschafts- und Lebensbereiche wird die Zeichen in der ITK-Branche künftig weiter auf Wachstum stellen."

Produktion: Bitte bewerten Sie die Konjunktur mit einer Schulnote.

Pohls: "Die Konjunktur bewerten wir mit Note 2. Die ITK-Branche steht seit Jahren für stabiles Wachstum und Arbeitsplatzaufbau. Die digitale Transformation wird auch in Zukunft ein günstiges Umfeld speziell für die Software-Branche und IT-Dienstleister wie Beratungsunternehmen bereitstellen. Sorge bereitet der Fachkräftemangel, der in vielen Unternehmen zu erheblichen Umsatzeinbußen führt."