Die Deutsche Bundesbank hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum Deutschlands im laufenden Jahr unter dem Eindruck des unerwartet starken BIP-Anstiegs im zweiten Quartal deutlich angehoben.

Von Hans Bentzien, Dow Jones

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Wie sie in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht mitteilte, rechnet sie für 2010 nun mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um rund 3%. Im Juni hatte sie noch eine offizielle BIP-Prognose von plus 1,9% (arbeitstäglich bereinigt: plus 1,8%) genannt.

Im zweiten Quartal war das BIP gegenüber dem Vorquartal preis- und saisonbereinigt um 2,2% gestiegen, während die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte lediglich eine um 1,4% höhere Wirtschaftsleistung erwartet hatten. “Die deutsche Wirtschaft hat sich im Frühjahr deutlich und in diesem Ausmaß unerwartet erholt”, konstatierte die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Dies bedeute, dass der krisenbedingte Produktionsrückgang gut zur Hälfte wieder wettgemacht worden sei.

Als Ursache der starken Konjunkturbelebung führt die Bundesbank neben witterungsbedingten Aufholeffekten in der Bauwirtschaft und im Verkehrssektor sowie den hohen Ausfuhren auch die privaten Konsumausgaben auf, die in realer Rechnung erstmals seit einem Dreivierteljahr wieder gestiegen sein dürften. “Die Käufe im Einzelhandel nahmen zu. Zudem dürften sich die privaten Pkw-Beschaffungen, die zahlenmäßig deutlich weniger stark zurückgegangen sind als in den Vorquartalen, auf höherwertige Modelle konzentriert haben”, analysierte die Bundesbank.

Stützend auf die Verbrauchskonjunktur wirke “der überaus robuste Arbeitsmarkt, der rund ein Jahr nach der gesamtwirtschaftlichen Produktion ebenfalls den zyklischen Wendepunkt durchschritten haben dürfte”. Auch mit Blick auf die Zukunft ist die Bundesbank in diesem Punkt optimistisch: “Die privaten Konsumausgaben sollten von der fortgesetzten Erholung auf dem Arbeitsmarkt profitieren”, sagte sie voraus.

Insgesamt sind die Aussichten für das laufende zweite Halbjahr nach Einschätzung der Bundesbank weiterhin günstig, wenngleich sich bei der globalen Produktion und dem internationalen Handel eine etwas langsamere Gangart abzeichne, weshalb sich das bisher außerordentlich hohe Exportwachstum verlangsamen dürfte. “Das Wachstumstempo wird sich nach dem außerordentlich dynamischen Frühjahr normalisieren”, prognostizierte sie und warnte zugleich vor fortbestehenden Risiken aus der Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten.

Allerdings erwartet die Bundesbank, dass die gewerbliche Investitionstätigkeit eine größere Eigendynamik entfalten wird, da Ersatzbeschaffungen dringlicher würden und Anpassungen der Produktpalette anstünden. Für eine zunehmende Investitionsbereitschaft sprächen auch die überaus optimistischen Zukunftseinschätzungen der Unternehmen. Die Bundesbank sah “aus heutiger Sicht” keine Finanzierungsschranken für eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung: “Weder Umfragen unter Banken noch bei Unternehmen geben Hinweise auf eine bestehende oder drohende Kreditklemme in Deutschland”, heißt es in dem Bericht.

Vor diesem Hintergrund rechnet die Bundesbank damit, dass das Staatsdefizit im laufenden Jahr unter 5% des BIP bleiben wird. 2011 könnte es “bei einer grundsätzlich sparsamen Ausgabenpolitik, einem positiven Konjunktureinfluss und auslaufenden Konjunkturstützungsmaßnahmen auf eine Größenordnung von 4%” zurückgehen. Den Defizit-Wert für das erste Halbjahr wird das Statistische Bundesamt in der kommenden Woche veröffentlichen.