FRANKFURT (Dow Jones/rm). Wie die Bundesbank in ihrer am Freitag veröffentlichten gesamtwirtschaftlichen Prognose mitteilte, rechnet sie für 2011 und 2012 mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,0% beziehungsweise 1,5%. Für das laufende Jahr wird ein Zuwachs von 3,6% erwartet. “Der Vorkrisenstand des BIP würde danach gegen Ende 2011 wieder erreicht, und die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten wären dann auch wieder normal ausgelastet”, heißt es in dem Bericht.

Die konjunkturelle Erholung der deutschen Wirtschaft werde sich nach dem fulminanten Aufholprozess im laufenden Jahr auch in den beiden kommenden Jahren fortsetzen. Dabei werde der Aufschwung mehr und mehr an Breite gewinnen, heißt es weiter. Gemäß einer aktuellen Schätzung der Bundesbank wird die Potenzialrate von 0,75% in den Jahren 2009 und 2010 auf 1% am Ende 2011 zunehmen.

Im Jahresverlauf wird sich das Wirtschaftswachstum nach Einschätzung der Bundesbank von 4,1% im Jahr 2010 auf 1,4% im Jahr 2011 verlangsamen, bevor es sich im Jahr 2012 auf 1,9% verstärkt. Wegen eines beträchtlichen statistischen Überhangs – der Differenz zwischen dem Jahresendstand und dem Jahresmittel – ergibt sich im Durchschnitt des Jahres 2011 mit 2,0% eine höhere Wachstumsrate als im Jahr 2012 mit 1,5% (kalenderbereinigt: 2,1% beziehungsweise 1,7%).

“Im Vergleich zur Juni-Prognose bedeutet dies für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2011 eine Aufwärtskorrektur um 0,6 Prozentpunkte, die praktisch vollständig auf einen höheren statistischen Überhang und damit die zuvor erheblich unterschätzte konjunkturelle Dynamik im Jahr 2010 zurückzuführen ist”, erläuterte die Bundesbank.

Wie die Bundesbank weiter mitteilte, geht sie davon aus, dass die Exporte die Hauptantriebskraft des Aufschwungs bleiben, die außenwirtschaftlichen Impulse aber verstärkt auf die Binnenwirtschaft ausstrahlen würden. “Die deutsche Industrie hat sich in die internationale Arbeitsteilung inzwischen in einem so hohen Maße integriert, dass ein binnenwirtschaftlicher Nachfrageschub alleine zumindest kurzfristig keine großen konjunkturellen Impulse auslösen kann”, analysierte die Bundesbank. Vielmehr würde sich ein erheblicher Teil der Zusatznachfrage auf Importe richten. Umgekehrt wirkten aber positive Impulse von der Weltwirtschaft weit über die Exportindustrie hinaus.

Der aktuellen Prognose zufolge dürfte die Beschäftigung im Prognosezeitraum weiter zu- und die Arbeitslosigkeit abnehmen. Im Jahr 2012 dürfte die Zahl der registrierten Arbeitslosen unter 3 Millionen fallen. Die Arbeitslosenquote könnte von derzeit 7,5% auf 6,9% zurückgehen. Dabei sollen sich die Verbraucherpreise im stabilitätsgerechten Rahmen bewegen. “Im Mittel könnten die Verbraucherpreise im Jahr 2011 um 1,7% und im Jahr 2012 um 1,6% steigen”, prognostizierte die Bundesbank.

Abwärtsrisiken für ihre Prognose sieht die Bundesbank insbesondere in den fortbestehenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten, “die mit der fragilen Lage der öffentlichen Finanzen in einer Reihe von Industrieländern zusammenhängen”.