Bundesbank-Vorstandsmitglied Dr. Joachim Nagel. Foto: Uwe Nölke, Bundesbank

Bundesbank-Vorstandsmitglied Dr. Joachim Nagel. Foto: Uwe Nölke, Bundesbank

Beim Bayerischen China-Tag in Ingolstadt sagte Nagel, nur ein regelrechter Wachstumseinbruch hätte spürbare Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft. "Nach unseren Schätzungen würde ein um vier Prozentpunkte niedrigeres Wachstum in China das deutsche Bruttoinlandsprodukt etwa um einen Viertel Prozentpunkt reduzieren. Ein solcher Einbruch ist zurzeit aber nicht zu erwarten", sagte Nagel.

Die Regierung hatte am Morgen mitgeteilt, dass das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 6,9 Prozent über dem Niveau des dritten Quartals 2014 gelegen hat. Das war weniger als im Vorquartal, als das BIP um 7,0 Prozent gestiegen war, aber ein wenig mehr als erwartet (6,8 Prozent). Das reale Wachstum beruhte zumindest teilweise auf sinkenden Preisen. Das nominale Wirtschaftswachstum war mit nur 6,2 Prozent das schwächste seit 1999.

Bundesbank-Vorstand Nagel verwies allerdings darauf, dass "heute ein Wachstum von 7 Prozent einen größeren ökonomischen Fußabdruck in der Weltwirtschaft hinterlässt, als etwa ein Wachstum von 11 Prozent im Jahr 2005". Zudem seien moderatere Wachstumsraten eine typische Folge im Aufholprozess von aufstrebenden Volkswirtschaften bei steigendem Pro-Kopf-Einkommen. "Wir sehen eine deutliche Korrektur im Industriesektor, bei dem nunmehr Überkapazitäten abgebaut werden. Dies bestätigen auch deutsche Exporteure und Produzenten vor Ort", sagte Nagel.

Der Einbruch der chinesischen Finanzmärkte im Sommer dieses Jahres war laut Nagel vor allem die Korrektur eines vorangegangenen rasanten Anstiegs. Neben dem niedrigeren Wachstumsausblick hätten Spekulationen über den Zeitpunkt einer US-Zinserhöhung und die für einen August typische niedrige Finanzmarktliquidität zu dem Absturz beigetragen. "Diese verschiedenen Faktoren gemeinsam können erklären, warum die Korrektur an den Märkten so heftig ausfiel", sagte Nagel.