China hat eine Reihe von Maßnahmen versprochen, mit denen das Investitionsklima im Land für ausländische Anleger verbessert werden soll. Ausländische Unternehmen sollen dazu ermutigt werden, als strategische Investoren bei börsennotierten chinesischen Firmen einzusteigen und mehr Mittel am chinesischen Kapitalmarkt aufzunehmen. SHANGHAI (Dow Jones/gk) Beobachter interpretierten die neuen Maßnahmen als Reaktion auf die Vorwürfe, dass die Wirtschaftspolitik Chinas heimische Unternehmen gegenüber ausländischen Wettbewerbern offen bevorzuge. Außerdem suche Peking wohl wegen des jüngst verlangsamten Wirtschaftswachstums neue Wachstumsimpulse.

 

Der Staatsrat teilte mit, dass die Teilnahme von ausländischen Investoren auch bei der Restrukturierung heimischer Unternehmen begrüßt werde. Unter bestimmten Voraussetzungen sollen auch die Finanzierung von Auslandsunternehmen an den chinesischen Börsen und Anleihenmärkten unterstützt werden, hieß es weiter.

Außerdem stellte der Staatsrat Anreize für ausländische Investoren in Aussicht, an Forschungs- und Entwicklungsprojekten mitzuarbeiten und sich gemeinsam mit chinesischen Partnern um die Mitwirkung an High-Tech-Projekten zu bewerben. Auch Projekte in erneuerbaren Energien sollen den Plänen nach gefördert werden. Soweit bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, sollen solche Projekte gewisse Steuervorteile genießen.

“China legt hiermit seine Prioritäten für Auslandsinvestitionen dar”, meinte Morgan-Stanley-Ökonom Qing Wang. “Das Land möchte qualitativ hochwertige Investitionen anziehen, die einen hohen Mehrwert mit sich bringen. Es möchte nicht jede beliebige Art von Investition.” Es gehe dem Land vor allem um Know-how in den Bereichen Technologie und Management und weniger um bloße Finanzinvestitionen, da gut kapitalisierte heimische Unternehmen das nötige Kapital selbst aufbringen könnten, sagte Wang.

Ähnlich argumentiert Wang Tao, Volkswirt bei UBS Securities: “Das Investitionsumfeld in China ist nicht mehr das, was es vor zehn Jahren noch war, als es bloß darum ging, ausländische Investitionen jeglicher Art zuzulassen. Nun öffnet sich das Land in bestimmten Sektoren. China ist wählerischer geworden.”

Chinas Wirtschaftswachstum hat sich im zweiten Quartal des laufenden Jahres gegenüber dem Vorquartal verlangsamt. Das Bruttoinlandsproduktes (BIP) stieg zwischen April und Juni auf Jahressicht um 10,3%, nach einem BIP-Zuwachs um 11,9% im ersten Jahresviertel.