Bild: Mirko Meier - Fotolia.com

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Der Überschuss in der deutschen Handelsbilanz hat sich im August deutlicher als erwartet verringert.
FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte, sanken die nominalen Exporte gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 0,4%, während die Importe um 0,9% anzogen. Die Handelsbilanz wies einen Überschuss von 9,0 Mrd Euro (saisonbereinigt: 11,7) Mrd Euro auf. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen positiven Saldo von 12,6 Mrd Euro erwartet, im Juli hatte der Überschuss 13,5 Mrd Euro betragen.

Die deutschen Exporte lagen um 26,8% und die Importe um 29,2% höher als im entsprechenden Vorjahresmonat. Volkswirte sahen den zweiten monatlichen Ausfuhrrückgang in Folge (Juli: minus 1,6%) jedoch nicht als Vorzeichen für ein Ende der exportgetriebenen Konjunkturerholung, sondern eher als Ausdruck einer Normalisierung. Auch eine Verbindung zwischen dem zuletzt deutlich gestiegenen Euroo-Außenwert und den Exporten mochten sie nicht herstellen.

Zusammen mit den Salden für Dienstleistungen (minus 3,1 Mrd Euro), Erwerbs- und Vermögenseinkommen (plus 3,2 Mrd Euro), laufenden Übertragungen (minus 3,4 Mrd Euro) sowie Ergänzungen zum Außenhandel (minus 1,1 Mrd Euro) schloss die deutsche Leistungsbilanz im August nach vorläufigen Berechnungen der Bundesbank mit einem Überschuss von 4,6 Mrd Euro ab. Im August 2009 war ein Plus von 5,1 Mrd Euro angefallen.

“Wir erwarten, dass die Exporte in den kommenden Monaten Impulsgeber bleiben werden, wenn auch mit niedrigerem Zuwachsraten, als wir in den vergangenen Monaten gesehen haben”, kommentierte Commerzbank-Volkswirt Simon Junker die Zahlen. Er verwies darauf, dass die saisonbereinigten Exporte im Juli und August um 3,0% höher gelegen hätten als im zweiten Quartal und die Importe um 3,4%. Zuwachsraten wie im zweiten Quartal, als die Exporte um 9,4% und die Importe um 10,4% gegenüber dem ersten Quartal angezogen hatte, seien wohl nicht mehr erreichbar, was an der Abkühlung im Welthandel liege. “Dies stellt aber eher eine Rückkehr zu normalem Wachstum dar, als den Beginn einer neuerlichen Schwäche der globalen Nachfrage”, so Junker.

ING-Volkswirt Carsten Brzeski ist ebenfalls optimistisch. Er verwies darauf, dass die Auftragseingänge aus dem Ausland im August trotz der Euroo-Aufwertung deutlich gestiegen seien. Zwar habe der Euroo gegenüber dem Dollar seit Juni um 16% aufgewertet, doch seien es handelsgewichtet nur 6% gewesen. Zudem hingen die deutschen Ausfuhren noch besonders stark vom Preis ab. “Zweifellos werden sich die Auswirkungen des stärkeren Euroo irgendwann zeigen, doch vorerst stellt dies eher einen schwächeren Rückenwindes als einen Gegenwind dar”, analysierte Brzeski.

UniCredit-Volkswirt Alexander Koch geht auf Basis selbst berechneter preisbereinigter Außenhandelsdaten davon aus, dass die Exporte das Wachstum im dritten Quartal nicht stützen, was aber angesichts der sehr starken Entwicklung im zweiten Quartal nicht besonders Besorgnis erregend sei. “Der Exportsektor profitiert weiterhin von der sehr lebhaften Erholung der Weltwirtschaft und dürfte den Aufschwung der deutschen Wirtschaft weiterhin anführen”, sagte er. Koch verwies darauf, dass die Ausfuhren trotz schon länger nicht mehr steigender Exporterwartungen weiter zugelegt hätten und dass die Auslandsumsätze der deutschen Industrie entgegen den Exportdaten um 3,6% zugelegt hätten.

Deutlich dynamischer als der Außenhandel hat sich im August die Produktion entwickelt. Die Erzeugung im produzierenden Gewerbe stieg gegenüber dem Vormonat um 1,7%, nachdem sie im Juli um 0,1% zugelegt hatte. Im Mittel beider Monate übersteigt die Produktion das Niveau des ohnehin schon starken zweiten Quartals damit um 1,6%. Gleichwohl liegt sie derzeit immer noch um gut 8% unterhalb ihres im Februar 2008 verzeichneten zyklischen Hochs. Wegen der noch dynamischer gewachsenen Auftragseingänge ist jedoch mit einem anhaltenden Aufholprozess zu rechnen.