Einbau von Kabelsystemen für Industrie-Roboter bei Leoni: Unter anderem durch ihre Ausrichtung auf

Einbau von Kabelsystemen für Industrie-Roboter bei Leoni: Unter anderem durch ihre Ausrichtung auf langlebige Investitionsgüter ist die deutsche Industrie gut für Phasen schwächeren Wachstums gerüstet. Anders sieht es allerding für den Fall einer echten Rezession aus (Bild: Leoni).

FRANKFURT (ks). Die Gründe für die Einschätzung der Analyse-Sparte der Deutschen Bank sind vielfältig:

Zwar sind die Produktionserwartungen sowohl für Deutschland als auch für die gesamte Eurozone in den letzten Monaten stark gefallen und befanden sich im Oktober leicht im negativen Bereich; allerdings führt der Aufbau der Umfrage (Antwortmöglichkeiten: „besser“, „unverändert“, „schlechter“) dazu, dass die Ergebnisse deutlich unterschiedliche Implikationen haben: für Deutschland bedeutet laut dem Analysten eine im Schnitt neutrale Bewertung der Aussichten eine “Normalisierung” auf hohem (Vorkrisen-) Niveau, während er für die Eurozone insgesamt ein Verharren in etwa auf den Produktionsniveaus des Jahres 2006 nach sich ziehen würde.

Auch die Exporterwartungen fallen zu Gunsten Deutschlands aus: dort schätzen die Unternehmen die Exportaussichten für die kommenden Monate ungeachtet der rapiden Eintrübung in den letzten Monaten immer noch recht positiv ein, während die Unternehmen im Schnitt der Eurozone nur sehr leicht positiv gestimmt sind. Zudem zeige sich beim Betrachten der auch monatlich verfügbaren Daten des Ifo-Instituts, dass die Exporterwartungen in Deutschland im Oktober sogar leicht anstiegen.

Die aktuelle Kapazitätsauslastung zeichnet ebenfalls ein deutliches Bild: in Deutschland liegt sie bei 85% und damit um 4%-Punkte höher als im Schnitt der letzten 12 Jahre; in der Eurozone insgesamt ist die Auslastung mit rd. 80% hingen 4%-Punkte geringer als der langjährige Durchschnitt. Eine sinkende Auslastung können die deutschen Firmen somit leichter schultern.

Zuletzt zeigt sich auch beim Auftrags- und Lagerbestand die leicht bessere Ausgangsposition für Deutschland. So ist der Anteil der Firmen, die ihre Lagerbestände als „zu hoch“ einschätzen, in Deutschland etwas geringer als in der Eurozone und zugleich auch geringer als Anfang 2008. Desweiteren ist die durch vorhandene Aufträge gesicherte Produktionsdauer in Deutschland noch leicht höher als im Schnitt der letzten 12 Jahre; in der Eurozone insgesamt ist der Auftragsbestand hingegen genauso hoch wie im langjährigen Vergleich.

Alles in allem erwartet Deutsche Bank Research für die Industrie in der Eurozone im kommenden Jahr ein reales Produktionswachstum von unter 1%. Das Wachstum im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland dürfte demnach mit einem Zuwachs von etwa 2% zwar nicht merklich besser sein; angesichts der genannten Faktoren – insbesondere des hohen Produktionsniveaus und der hohen Auslastung – sollten die deutschen Industrieunternehmen allerdings besser für die anstehende wachstumsschwache Phase gerüstet sein als die Firmen in vielen anderen Ländern Europas, so der Kommentar.

Sollte die wachstumsschwache Phase jedoch in eine Rezession umschlagen, könnte sich das Bild drehen. So ist die deutsche Industrie für zyklische Entwicklungen anfällig, da ein großer Teil ihrer Produktion auf langlebige Gebrauchsgüter (z.B. Autos) und Investitionsgüter (z.B. Maschinen) entfällt. Bestellungen für solche Produkte werden in Rezessionen schnell eingeschränkt oder sogar storniert. Dies hält DB Research aber für nicht sehr wahrscheinlich.

Zusätzlich stützen einige langfristige Entwicklungen die vergleichsweise positiven Aussichten für die deutsche Industrie: So habe die langjährige Lohnzurückhaltung in Deutschland die Wettbewerbsposition der deutschen Unternehmen verbessert. So stiegen die hiesigen Lohnstückkosten zwischen 2000 und 2009 um 7%; in der Eurozone insgesamt waren es 21%. Zudem ist das Zinsniveau in der Eurozone aktuell niedrig. Dies stütze die Investitionstätigkeit und damit die für Deutschland wichtigen Investitionsgüterproduzenten. Überdies begünstige die Warenpalette Deutschland, denn seine Autos und Maschinen sind in den stark wachsenden Schwellenländern beliebt. Nicht zuletzt drücke das schwache Wachstum in der Eurozone auf den Eurokurs und begünstige dadurch die Ausfuhrtätigkeit der exportorientierten deutschen Unternehmen.