Die deutsche Industrie boomt, das Wachstumstempo geht aber zurück (Bild: Oli ok - Fotolia).

Die deutsche Industrie boomt, das Wachstumstempo geht aber zurück (Bild: Oli ok - Fotolia).

FRANKFURT (ilk). Das deutsche Verarbeitende Gewerbe hat in den letzen zwei Jahren ein enormes Wachstumstempo angeschlagen. Zudem ist der Auftragseingang in der Industrie aktuell weiter aufwärts gerichtet; das Geschäftsklima ist trotz zuletzt leichter Rückgänge nahezu auf Rekordniveau. Und nach einem realen Produktionswachstum von 12% im Vorjahr prognostiziert DBb Research mit 10% auch für 2011 eine zweistellige Wachstumsrate. Demnach dürfte Deutschland schon in diesem Jahr das Produktionsniveau aus dem Jahr 2008 wieder übertreffen. Kurz: die deutsche Industrie boomt. Freilich ist das hohe prozentuale Wachstum 2010 und 2011 vor allem dem Basiseffekt geschuldet. So brach die Produktion im Jahr 2009 im Zuge der tiefen Wirtschaftskrise um real 17% ein und wuchs auch schon 2008 deutlich langsamer als in den Vorjahren. Getrieben wird der dynamische Aufschwung von dem sehr guten Exportgeschäft – vor allem seitens der stark expandierenden asiatischen Märkte, die für die deutsche Industrie immer wichtiger werden: Im Jahr 2010 stiegen beispielsweise die deutschen Exporte insgesamt um beachtliche 14%, nach China aber sogar um stolze 44%. Allein dadurch nahm der chinesische Exportanteil um einen ganzen Prozentpunkt auf 5,6% zu – zum Vergleich der Anteil der USA betrug im Jahr 2010 6,8% (Frankreich: 9,5%). Überdies verbesserte sich das Investitionsklima dank der guten Nachfragesituation und der dadurch gestiegenen Kapazitätsauslastung zunehmend.

Im zweiten Quartal 2011 lag die Auslastung mit 86% höher als im Schnitt der letzten 10 Jahre. Zusammen mit dem weiterhin niedrigen Zinsniveau verleiht dies dem für Deutschland wichtigen Investitionsgütergeschäft derzeit zusätzlichen Schwung. Deshalb erwartet DB Research für den Maschinenbau, die Elektrotechnik sowie die Automobilindustrie hohe Wachstumsraten von 13-15%. Auch die eher frühzyklischen Branchen wie die Chemieindustrie und die Metallerzeugung, die 2010 aufgrund von Lagereffekten sehr stark expandierten, wachsen 2011 dank der nach wie vor hohen Nachfrage ihrer Abnehmer erneut kräftig.

Das hervorragende Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe verdeckt jedoch die divergierende Entwicklung seiner beiden Komponenten: während die Geschäftslage im Juni nämlich einen historischen Höchstwert markierte, fielen die Geschäftserwartungen im letzten Monat schon zum vierten Mal in Folge. Zwar erwarten noch immer mehr Unternehmen, dass sich ihre Geschäfte in den kommenden 6 Monaten verbessern, und nur ein kleiner Teil der Firmen befürchtet eine Verschlechterung; der rückläufige Anteil positiver Firmenmeldungen lässt dennoch eine gewisse Eintrübung erwarten. Entsprechend aller verfügbaren Daten dürfte sich das hohe Produktionswachstum der letzten zwei Jahre in den kommenden Monaten somit etwas abschwächen. Folglich fallen die Aussichten für das Jahr 2012 im Vergleich zu den zwei Vorjahren moderater aus; diese waren aufgrund der rezessiven Ausgangsbasis aber auch besonders stark.

Eine Trendwende dürfte all dies aber noch nicht markieren, denn die Nachfrage nach deutschen Industriegütern wird von der globalen Konjunktur weiter gestützt werden. So erwartet DB Research für 2012 ein Wachstum des globalen Bruttoinlandprodukts von 4,5% (2011: 4%); zumal sich die für deutsche Unternehmen wichtige US-Konjunktur 2012 beleben dürfte; Japan sich von der Doppelkatastrophe erholt; und China mit knapp 9% weiter stark wächst. Von Euroland werden hingegen aufgrund der Schwäche der Peripherieländer nur geringe Impulse ausgehen. Auch der deutsche Export wird im kommenden Jahr weniger kräftig expandieren als in den Vorjahren und damit als Motor der Industrieproduktion zurückfallen. Freilich sind all diese Prognosen vor dem Hintergrund nach wie vor hoher makroökonomischer Risiken zu sehen, die beispielsweise von der Staatsfinanzkrise in Europa ausgehen. Per saldo wird die deutsche Industrie ihre Produktion – unter der Maßgabe, dass die Risiken nicht eintreten – aber auch 2012 ausweiten können. Die Zuwächse werden zwar moderater als in den Vorjahren ausfallen; dank ihrer hohen internationalen Wettbewerbsfähigkeit sollte die Industrie aber 2012 neue Produktionshöhen erklimmen. Gerade der spätzyklische Maschinenbau dürfte dabei ein wichtiger Treiber sein und die Nachfrage seiner Zulieferbranchen stabilisieren. Zudem sollten die konsumorientieren Branchen wie das Ernährungsgewerbe von der steigenden Beschäftigungszahl, den höheren Löhnen sowie dem anziehenden privaten Verbrauch profitieren.