Um den Maschinenbau, das Rückgrat der deutschen Industrie, steht es offenbar besser als vielfach

Um den Maschinenbau, das Rückgrat der deutschen Industrie, steht es offenbar besser als vielfach befürchtet (Bild: Electriceye - Fotolia.com).

von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Nachdem im November mit dem ifo-Index der wichtigste deutsche Stimmungsindikator unerwartet gestiegen war, zeichnen nun auch die ersten “harten” Konjunkturdaten das Bild einer Wirtschaft, die zumindest bisher der um sich greifenden Eintrübung des Wirtschaftsklimas trotzt. Im Oktober erhöhten sich entgegen den Erwartungen die Einzelhandelsumsätze, und ein Anstieg des Konsumklimas lässt auf eine ähnliche Entwicklung am Jahresende hoffen. Zudem blieb bei den Auftragseingängen des Maschinenbaus ein Einbruch aus, und die Elektronikhersteller rechnen für 2012 mit einem anhaltenden Produktionsanstieg.

Um den Maschinenbau, das Rückgrat der deutschen Industrie, steht es offenbar besser als vielfach befürchtet. Wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Mittwoch mitteilte, lagen die Auftragseingänge im Oktober real um 1% über dem Niveau von Oktober 2010, was vor allem an der hohen Inlandsnachfrage lag. Die Bestellungen aus Deutschland stiegen um 5%, während das Auslandsgeschäft um 1% nachgab.

In den Chefetagen des Mittelstandes zeigt man sich mit Blick auf 2012 jedenfalls nicht übermäßig beunruhigt. Zwar merke er im Gespräch mit Kunden schon eine gewisse Beunruhigung, sagte Christof Kemmann, Geschäftsführender Gesellschafter des Anlagenbauer BHS-Sonthofen aus dem Allgäu. Doch vergleichbar mit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008, als Aufträge ohne Vorwarnung plötzlich gestoppt worden seien, sei die aktuelle Situation nicht. Der Hersteller von Anlagen zur Misch- und Filtrationstechnik mit Niederlassungen in China, Indien und den USA wird 2012 dank guter Auftragseingänge im laufenden Jahr gut ausgelastet sein. “Es könnte sogar zu Kapazitätsengpässen kommen”, prognostizierte Kemmann.

Optimistisch haben sich auch andere deutsche Industrieverbände geäußert. So rechnet der Verband für Groß- und Außenhandel (BGA) für 2012 mit nominal 6% höheren Exporten. Die deutsche Elektroindustrie erwartet nach Angaben ihres Branchenverbands ZVEI für das kommende Jahr einen Produktionsanstieg von 5%. Im laufenden Jahr dürfte die Produktion um mindestens 10% zugenommen haben. ZVEI-Geschäftsführer Klaus Mittelbach sagte, die Branche habe seit der Krise 2009 rund 45.000 Arbeitsplätze geschaffen. Davon seien drei Fünftel Ingenieure und Fachkräfte.

Illustriert wird diese Stärke von der Entwicklung des Arbeitsmarkt. Im November sank die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl um 20.000 – erwartet worden war ein Rückgang um lediglich 5.000 – und die Arbeitslosenquote ging unerwartet auf 6,9% zurück. “Die Arbeitslosigkeit geht zurück, Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wachsen weiter, und die Nachfrage nach Arbeitskräften ist gestiegen”, fasste Heinrich Alt, Mitglied des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit (BA) die erfreulichen Zahlen zusammen.

Gestützt wird von dieser Arbeitsmarktentwicklung der private Konsum, traditionell die Schwachstelle der deutschen Wirtschaft. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Oktober entgegen den Erwartungen um 0,7%, und nach einem ebenfalls unerwarteten Anstieg des GfK-Konsumklimas erscheint eine Fortsetzung dieses Trends bis zum Jahresende zumindest denkbar. Fast sieht es so aus, als ob sich ausgerechnet vor dem Hintergrund der schweren Krise des Euroraums der idealtypische deutsche Konjunkturzyklus aus höheren Exporten, steigenden Investitionen, robustem Arbeitsmarkt und höherem Privatkonsum vollenden wird.

Allerdings haben die deutschen Industrieverbände in ihren Ausblicken auch klar gemacht, dass dieses positive Szenario an einem seidenen Faden hängt. “Wenn die Staatsfinanzen in den europäischen Ländern entgleiten sollten, wären sämtliche Erwartungen Makulatur”, warnte BGA-Präsident Anton F. Börner.