Mit plus 2,5% konnten die Produzenten von Investitionsgütern ihre Produktion am stärksten steigern

Mit plus 2,5% konnten die Produzenten von Investitionsgütern ihre Produktion am stärksten steigern (Bild: imageteam - fotolia.com).

BERLIN (Dow Jones/ks)–Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 0,8% gerechnet. An einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal wird dies nach Auffassung von Bankvolkswirten allerdings nichts ändern.

Für den April ergab sich ein etwas schlechteres Ergebnis als zunächst gemeldet: Nach abwärts revidierten Daten verringerte sich die Produktion im April um 0,8%, nachdem vorläufig ein Rückgang um 0,6% berichtet worden war. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am Donnerstag auf Basis vorläufiger Daten

Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe bleibt nach Einschätzung der Experten des BMWi somit “in der Tendenz mit recht ausgeprägter Dynamik aufwärts gerichtet”. Besonders der Aufwärtstrend der Industrieproduktion habe sich bis zuletzt als sehr stabil erwiesen. “Angesichts der etwas moderateren Zuwächse der Auftragseingänge könnte das Expansionstempo in den kommenden Monaten etwas ruhiger verlaufen”, erwarten die BMWi-Experten.

Die Industrieproduktion hat sich im Mai im Vergleich zum Vormonat um 1,2% erhöht. Innerhalb der Industrie meldeten die Produzenten von Investitionsgütern die stärkste Produktionsausweitung. Mit einem Plus von 2,5% leisteten sie den größten Beitrag zum Anstieg der Gesamtproduktion. Der Ausstoß an Vorleistungsgütern stieg im Mai um 0,7%, während die Herstellung von Konsumgütern stagnierte. Das Bauhauptgewerbe konnte im Berichtsmonat seine Erzeugung um 1,1% steigern. Der Ausstoß im Energiesektor blieb mit einem Plus von 0,1% nahezu unverändert.

Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich April/Mai gegenüber Februar/März erhöhte sich die Erzeugung im produzierenden Gewerbe preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,4%. Die Industrieproduktion stieg um 0,9%. Innerhalb der Industrie nahm die Erzeugung in allen Hauptgruppen weiter zu. Den stärksten Zuwachs verzeichneten die Konsumgüterproduzenten mit plus 1,0%. Die Investitionsgüterhersteller wie auch die Vorleistungsgüterproduzenten konnten in dieser Betrachtung einen Anstieg um jeweils 0,9% verbuchen. Für das Bauhauptgewerbe ergab sich wegen des Produktionsrückgangs im April in dieser Zweimonatsbetrachtung ein Minus von 1,9%, was dämpfend auf die Produktion insgesamt wirkte. Der Ausstoß im Energiesektor verringerte sich um 4,6%.

Im Vorjahresvergleich erhöhte sich die Erzeugung im produzierenden Gewerbe im April/Mai arbeitstäglich bereinigt um 8,5%. In der Industrie wurde der Vorjahresstand dabei um 10,0% und im Bauhauptgewerbe um 6,6% überschritten. Den deutlichsten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr konnten die Hersteller von Investitionsgütern mit einem Plus von 13,3% verbuchen. Bei den Vorleistungsgüterherstellern lag das Plus bei 8,7% und bei den Konsumgüterproduzenten bei 5,8%.

“Mit dem jüngsten Anstieg konnte das Minus im April wieder ausgeglichen werden”, kommentierte

Postbank-Ökonom Thilo Heidrich die Daten. “Besonders positiv ragte die Herstellung von Kapitalgütern hervor, die um 2,5% im Monatsvergleich ausgeweitet wurde.” Commerzbank-Volkswirtin Ulrike Rondorf betonte, dass die Industrie damit “auch im zweiten Quartal die wichtigste Stütze der deutschen Wirtschaft” bleibe. Zugleich stellte sie fest, dass die Industrie trotz des jüngsten Produktionsanstiegs “seit Anfang des Jahres merklich an Schwung verloren” habe.

Für Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, kam der Anstieg vor dem Hintergrund der Auftragslage nicht unerwartet. Der Aufwärtstrend bestehe damit weiter, das Tempo nehme aber ab, sagte Krüger. Dies sei ein “Hinweis auf eine merkliche Abschwächung” für das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. Dieses dürfte demnach gegenüber dem Vorquartal “eher bei 0,3% als bei 0,5%” liegen, sagte der Volkswirt, verwies allerdings darauf, dass die Produktion nur einen von mehreren Entstehungsfaktoren der Wirtschaftsleistung darstelle.