Von Hans Bentzien, Dow Jones

FRANKFURT (ks)–Zudem war der Anstieg im Vormonat etwas weniger kräftig als erwartet, wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am Montag mitteilte. Demnach sank die Produktion im produzierenden Sektor gegenüber August saison- und kalenderbereinigt um 0,8%, während die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte einen Anstieg um 0,5% prognostiziert hatten.

“Wir gehen davon aus, dass dieses Minus zum Teil auf die Lage der Sommerferien zurückzuführen ist. So gab es im August unterdurchschnittlich wenige Urlaubstage, weshalb die Produktionszahlen den zugrundeliegenden Trend eher etwas überzeichnet haben. Nun gab es die fällige Gegenbewegung”, kommentierte Commerzbank-Volkswirt Simon Junker die September-Entwicklung.

Im August hatte die Produktion auf Monatssicht um revidiert 1,5% (vorläufig: plus 1,7%) angezogen. Im Zweimonatsvergleich August/September gegenüber Juni/Juli erhöhte sich die Erzeugung im produzierenden Gewerbe um 1,2%. Ihr Vorjahresniveau überstieg die Produktion im August/September arbeitstäglich bereinigt um 9,3%. Im dritten Quartal insgesamt nahm die Gesamterzeugung um 1,5% zu, nachdem sie im zweiten Quartal noch um 5,6% gestiegen war.

“Die Erzeugung im produzierenden Gewerbe ist tendenziell weiter aufwärts gerichtet”, urteilte das BMWi bei der Veröffentlichung der Daten. Im dritten Quartal habe der Ausstoß noch einmal über dem Niveau des wachstumsstarken zweiten Quartals gelegen. Die maßgeblichen Impulse kämen weiter aus der Industrie, der Aufwärtstrend schwäche sich aber erwartungsgemäß ab. “Angesichts der ebenfalls schwächeren Dynamik der Auftragseingänge dürfte die etwas ruhigere, weiter aufwärts gerichtete Gangart der Industriekonjunktur anhalten”, fasste das Ministerium seinen Eindruck zusammen.

Bankvolkswirte teilten diese Einschätzung im Wesentlichen. Commerzbank-Experte Junker meinte, der auf Basis der Auftragseingänge der vergangenen Monate berechnete Trend der Industrieproduktion habe im September stagniert, was natürlich zu einem beträchtlichen Teil auf die sehr schwachen September-Zahlen für die Auftragseingänge zurückzuführen gewesen sei. “Aber auch wenn deren deutliches Minus im Oktober wieder wettgemacht werden sollte – wovon wir ausgehen – und deshalb der Trend wieder leicht steigen dürfte: Die Zuwachsraten des ersten Halbjahres werden vorerst wohl nicht wieder erreicht werden”, erläuterte er. Die Commerzbank rechnet für das dritte Quartal mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,6%.

UniCredit-Volkswirt Alexander Koch verwies darauf, dass die im dritten Quartal verzeichnete Wachstumsrate von 1,5% immer noch markant über dem langjährigen Durchschnitt von 0,3% gelegen habe. “Die gute industrielle Entwicklung bestätigt den Trend von der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts”, sagte er unter Verweis auf den am Morgen bekannt gewordenen monatlichen Exportanstieg von 3,0%, der auf einen positiven Wachstumsbeitrag der Nettoexporte hindeute. Seiner Einschätzung nach haben außerdem Konsum und Investitionen ebenfalls zum Wachstum beigetragen, während von Bau nach dem überaus starken Wachstum im zweiten Quartal (plus 15,8%) nur eine schwache Korrektur zu erwarten sei. Seine BIP-Prognose: plus 0,7%.

Ausschlaggebend für die Produktionsentwicklung im September war die Abnahme der Industrieproduktion um 0,9%, wie das BMWi weiter mitteilte. Im Bauhauptgewerbe und im Bereich der Energie legte die Erzeugung dagegen um 0,4% bzw. um 1,2% zu. Innerhalb der industriellen Hauptgruppen schränkten vor allem die Vorleistungsgüterproduzenten die Erzeugung ein (minus 2,0%), während die Hersteller von Investitionsgütern den Stand des Vormonats hielten (0,0%). Die Konsumgüterproduktion ging um 0,6% zurück.

Im Zweimonatsvergleich August/September gegenüber Juni/Juli erhöhte sich die Industrieproduktion um 1,3% getragen, im Bauhauptgewerbe und im Bereich der Energie nahm sie um 0,5% bzw. 0,4% zu. Innerhalb der Industrie konnten die Investitionsgüterproduzenten mit plus 1,9% die deutlichste Produktionszunahme verbuchen. Die Hersteller von Vorleistungs- und Konsumgütern meldeten Zuwächse um 0,8% bzw. 0,7%. Ihr Vorjahresniveau überstieg die Industrieproduktion im September arbeitstäglich bereinigt um 10,7%, die Bauproduktion legte um 3,0% zu.