Trotz gestiegener Risiken bleiben die Aussichten für das produzierende Gewerbe positiv, so das

Trotz gestiegener Risiken bleiben die Aussichten für das produzierende Gewerbe positiv, so das Bundeswirtschaftsministerium (Bild: imageteam - fotolia.com).

BERLIN (Dow Jones)–Wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am Mittwoch in Berlin auf Basis vorläufiger Daten mitteilte, erhöhte sich die Produktion im Juli im Vergleich zum Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 4,0%, womit die deutsche Industrie unerwartet dynamisch ins dritte Quartal gestartet ist. Von Dow Jones Newswires befragte Bankenvolkswirte hatten einen Anstieg der Produktion um nur 0,5% erwartet.

“Die späte Lage der Sommerferien machte sich zuletzt stützend bemerkbar”, kommentierte das BMWi die aktuellen Daten. Dadurch seien die aktuellen Produktionszuwächse allerdings überzeichnet. Insgesamt aber bleibe die Erzeugung im produzierenden Gewerbe “auf Wachstumskurs”. Impulsgeber für das Wachstum sei nach wie vor die Industrie. Auch die Auftragseingänge in der Industrie blieben trotz des aktuellen Rückgangs in der Tendenz aufwärts gerichtet. “Damit sind die Aussichten für die Industrieproduktion bei gestiegenen Risiken weiter positiv”, hieß es aus dem BMWi.

Die Erzeugung sei in allen Bereichen des produzierenden Gewerbes im Juli spürbar gestiegen, vor allem aber in der Industrie. Im Juli konnte in der Industrie ein Produktionsplus von 4,5% verbuchen. Dabei kamen die stärksten Impulse von den Investitionsgüterherstellern, die ihren Ausstoß um 7,5% ausweiteten. Die Hersteller von Vorleistungsgütern konnten ihre Produktion um 2,3% und die von Konsumgütern um 2,5% steigern. Im Bauhauptgewerbe wurde die Erzeugung um 3,2% erhöht.

Bankvolkswirte wollten den kräftigen Produktionszuwachs allerdings nicht überbewertet wissen. “Diese Zahl nimmt mir die akutesten Rezessionssorgen, aber darüber, ob es einen Unsicherheitsschock gegeben hat, sagt sie noch nichts – diese Kuh ist noch nicht vom Eis”, gab Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, zu bedenken. Davon abgesehen rechnet Krüger für August mit einer Gegenbewegung auf den starken Anstieg im Juli.

Auch ING-Volkswirt Carsten Brzeski warnte davor, die Juli-Zahlen überzubewerten. Sie deuteten zwar einerseits darauf hin, dass die Wachstumsschwäche im zweiten Quartal auf einer Reihe von Sonderfaktoren beruht habe, andererseits solle man aber “die Kücken nicht zählen, bevor sie geschlüpft sind”. “Den eigentlichen Test der Rezessionsfestigkeit werden die August-Zahlen liefern”, sagte er. Die Juli seien zunächst nur Balsam für die Nerven.

Commerzbank-Volkswirtin Ulrike Rondorf mahnte gleichfalls zur Vorsicht. “Ein Blick auf die Auftragseingänge zeigt, dass sich die Aussichten auch für die erfolgsverwöhnte deutsche Industrie eingetrübt haben”, sagte sie. Der aus den Auftragseingängen berechnete unterliegende Trend für die Industrieproduktion zeige nur noch leicht nach oben und ein noch schwärzeres Bild malen derzeit die Frühindikatoren, stellte sie fest. Den deutlichen Produktionsanstieg im Juli erklärte sie damit, dass viel Unternehmen in diesem Sommer ihre Werksferien hätten ausfallen lassen.

Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson begründet seine Konjunkturskepsis mit den von seinem Haus angestellten Einkaufsmanagerumfragen. “Umfragedaten deuten darauf hin, dass eine überraschend schwache Nachfrage im August einen starken Lageraufbau verursacht hat. Die Unternehmen werden wahrscheinlich versuchen, diese teuren Bestände über eine stark reduzierte Produktion zurückzufahren, bis sich der Ausblick wieder bessert”, prognostizierte er. Seiner Einschätzung nach könnte die deutsche Industrie trotz der guten Juli-Zahlen noch in eine Rezession fallen.