Deutsche Wettbewerbsfähigkeit

Die deutsche Wirtschaft wird aktuell durch drei Sonderfaktoren geradezu gedopt. - Bild: Geralt/Pixabay

Im Vorfeld werden die Arbeitgeber die Arbeitnehmerseite zur Mäßigung ermahnen, weil die Löhne in Deutschland in den vergangenen Jahren schon kräftig geklettert sind.

Doch die Mahnung der Unternehmen an ihre Beschäftigten droht ins Leere zu laufen. Zwar sind die Lohnstückkosten im abgelaufenen Jahr um 1,7 Prozent wieder ähnlich stark wie 2014 nach oben gegangen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekanntgab, die Wettbewerbsfähigkeit leidet aber nicht.

Ein Doping-Cocktail für die Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft wird aktuell durch drei Sonderfaktoren geradezu gedopt, die die steigenden Lohnkosten mehr als kompensieren. Der Cocktail besteht aus dem abgestürzten Ölpreis, den niedrigen Zinsen und dem gesunkenen Außenwert des Euro.

Das führt dazu, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit 2015 gegenüber dem Jahr davor sogar verbessert hat, wie am Wettbewerbs-Indikator der Bundesbank abzulesen ist. Er misst die preisliche Konkurrenzfähigkeit mit anderen Industrieländern. Im Jahresdurchschnitt 2015 lag er knapp vier Punkte unter dem Niveau von 2014. Ein geringerer Wert signalisiert eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. An der Zeitreihe der Bundesbank lässt sich ziemlich genau ablesen, dass sie sich mit dem Einbruch des Ölpreises ab Mitte 2014 nach und nach verbessert hat.

Die Löhne steigen ohne Schaden anzurichten

Für die deutsche Wirtschaft ergibt sich daraus eine besonders günstige Situation - trotz aller Krisen auf dem Globus. Die Löhne im Inland können weiter steigen und damit den Konsum antreiben, ohne dass die Unternehmen auf dem Weltmarkt herbe Preisnachteile zu befürchten haben. Die Janusköpfigkeit der Stärkung der Binnennachfrage, die sich in normalen Zeiten leicht auf den Export niederschlägt, spielt im Moment keine Rolle. So dürfte die größte Volkswirtschaft Europas nach 1,7 Prozent in 2015 auch im angebrochenen Jahr wieder robust wachsen, wie die Konsensprognose der Konjunkturdeuter von plus 1,8 Prozent anzeigt.

Treiber der Konjunktur wird wieder der Konsum sein, darin sind sich alle Volkswirte einig. Das ist so lange kein Problem, wie die drei Sondereffekte kräftig anschieben. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages macht sich deshalb Sorgen. "Das Wachstum fällt mit 1,7 Prozent zwar erfreulich gut aus, ist aber gedopt. Ölpreiseinbruch, Euro-Schwäche und Niedrigzinsen kaschieren die anhaltende Investitionsschwäche nur vorübergehend", warnte Martin Wansleben am Donnerstag.

Der Blick auf die Investitionen in Maschinen und Fabriken, die das Vertrauen der Unternehmen in die Zukunft widerspiegeln, zeigt, dass sie weniger Geld in die Hand genommen haben als 2014. Sie wissen um die einmalige Situation, in der sie arbeiten.