Auftragseingang, Konjunktur

"Auf den zweiten Blick gar nicht so schlecht", urteilen Experten über den deutschen Auftragseingang im September. - Bild: Geralt/Pixabay

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sank er im September gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten mit einem Anstieg von 0,1 Prozent gerechnet. Das für den Vormonat zunächst gemeldete Plus von 1,0 Prozent wurde auf 0,9 Prozent revidiert. Der Anteil von Großaufträgen war allerdings geringer als in einem September üblich, weshalb Ökonomen die Zahlen auf den zweiten Blick gar nicht so schlecht finden.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen zum Beispiel weist darauf hin, dass das Minus im September alleine auf deutlich weniger Bestellungen im Sektor "sonstiger Fahrzeugbau" zurückzuführen ist. Das sind Flugzeuge und Schiffe.

"Ohne diese immer sehr volatile Größe legten die Bestellungen gegenüber dem Vormonat immerhin um 1,1 Prozent zu, nachdem sie bereits schon im Vormonat um 1,6 Prozent gestiegen waren", analysiert er. Solveen rechnet damit, dass die Produktion nach dem für September erwarteten Rückgang wieder zulegen und im vierten Quartal einen Wachstumsbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) liefern wird.

BayernLB-Ökonom Stefan Kipar sieht die Sache ähnlich positiv: "Die Auftragslage der Unternehmen in Deutschland bleibt insgesamt zufriedenstellend und sollte ausreichen, um die Kapazitäten der Unternehmen weiter auszulasten", urteilt er. Für eine Fortsetzung des Aufschwungs stünden die Ampeln daher auch nach den heutigen September-Daten auf grün.

ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski macht dagegen eine weniger optimistische Rechnung auf: "2014 stiegen die Auftragseingänge monatlich im Durchschnitt um 0,4 Prozent, 2015 sanken sie um 0,2 Prozent, in den ersten neun Monaten 2016 ergibt sich eine monatlicher Anstieg von mageren 0,1 Prozent. Vor diesem Hintergrund ist der Optimismus, der in den Stimmungsumfragen zum Ausdruck kommt, überraschend."

Der Ifo-Geschäftsklimaindex war im September und Oktober jeweils unerwartet und kräftig gestiegen. Auch die Einkaufsmanagerindizes hatten sich robust gezeigt.

Für das dritte Quartal ergibt sich unter Einrechnugn der aktuellen Daten ein Auftragszuwachs von 0,5 (Vorquartal: minus 0,5) Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhte sich der Auftragseingang im September um 2,7 Prozent. Im August hatte sich ein Plus von 2,3 Prozent ergeben. Die Aufträge aus dem Inland verringerten sich im September um 1,1 Prozent und die aus dem Ausland um 0,3 Prozent.

Die Bestellungen von Investitionsgütern nahmen im September auf Monatssicht um 1,6 Prozent ab, nachdem sie im Vormonat um 0,3 Prozent zugelegt hatten. Aus dem Ausland gingen 1,5 (minus 1,8) Prozent weniger Aufträge ein und aus der Eurozone 6,3 (plus 4,7) Prozent weniger. Dagegen stiegen die Bestellungen von Investitionsgütern außerhalb der Eurozone um 1,2 (minus 5,1) Prozent.

Die Nachfrage nach Vorleistungsgütern stieg um 0,5 (Vormonat: plus 1,6) Prozent, und die nach Konsumgütern erhöhte sich um 0,5 (plus 3,0) Prozent.