Großaufträge aus dem Ausland haben zu einem unerwartet hohen Auftragsplus in der deutschen

Großaufträge aus dem Ausland haben zu einem unerwartet hohen Auftragsplus in der deutschen Industrie beigetragen (Bild: imageteam - fotolia.com).

BERLIN (Dow Jones/ks)–Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten hingegen einen Rückgang um 1,2% erwartet. Gegenüber dem Vorjahr berichtete das BMWi eine Zunahme der Auftragseingänge um 3,0%.
Zum aktuellen Auftragsplus trug laut BMWi “ein deutlich überdurchschnittlicher Umfang an Großaufträgen für Investitionsgüter aus dem Ausland maßgeblich bei”. Insgesamt nahm die Auslandsnachfrage den Angaben zufolge im Juni damit um kräftige 13,7% zu und konnte damit den Rückgang vom Vormonat mehr als wettmachen. “Mit dieser Entwicklung hatten wir angesichts der zunehmenden Anzeichen einer globalen Konjunkturabkühlung nicht gerechnet”, kommentierte Postbank-Ökonom Heinrich Bayer.

Besonders sei laut Bayer der mit 16,4% sogar noch deutlich überproportionale Anstieg der Bestellungen aus dem Rest des Euroraums gewesen. “Dies passt so gar nicht in das verdüsterte Konjunkturbild, das durch die jüngste starke Eintrübung der Stimmungsindikatoren gezeichnet wird.” Die Bestellungen aus dem Inland verzeichneten hingegen ein Minus von 10,8%, nachdem sie sich im Monat zuvor allerdings um 10,7% erhöht hatten.

Für Mai 2011 nahm das BMWi eine Revision auf plus 1,5% von vorläufig berichteten plus 1,8% vor. Gegenüber dem Vorjahr wurde der Auftragseingang für Mai auf plus 22,5% von vorläufigen plus 23,0% korrigiert. Die Bestellungen aus dem Ausland verringerten sich im Monatsvergleich um 6,0% nach vorläufig minus 5,8%, während die Inlandsnachfrage um 10,7% stieg, nachdem vorläufig ein Plus von 11,3% ausgewiesen worden war.

Das Ministerium wertete die neuesten Daten als Beleg für eine intakte Aufwärtstendenz bei den Bestellungen. “Insgesamt bleibt die Nachfrage in der Industrie weiter aufwärts gerichtet”, erklärte das Ministerium. Kräftige Nachfrageimpulse kämen derzeit aus dem Inland, und die Auslandsnachfrage zeige sich gestützt durch Großaufträge ebenfalls lebhaft. “Insgesamt bleiben damit die weiteren Aussichten für die Industrieproduktion positiv”, erklärte das BMWi.

Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Mai/Juni gegenüber März/April nahmen die Auftragseingänge in der Industrie laut BMWi um saisonbereinigt 3,9% zu. Im zweiten Quartal insgesamt war ein Plus von 3,2% zu verzeichnen. Die Inlandsbestellungen erhöhten sich im Zweimonatsvergleich mit plus 5,9% deutlich stärker als die Auslandsbestellungen, die um 2,1% zunahmen. Den stärksten Aufwärtstrend wiesen die Auftragseingänge der Hersteller von Investitionsgütern mit plus 7,0% auf. Die Vorleistungsgüterproduzenten konnten mit plus 0,1% dagegen kaum nennenswerte Orderzuwächse verbuchen, und bei den Herstellern von Konsumgütern sank die Nachfrage um 0,9%.

Insgesamt legt dies laut Bayer den Schluss nahe, “dass sich die deutsche Industrie weiterhin im Aufwind befindet”. Allerdings laufe die Nachfrage nicht mehr auf Kanälen so rund, wie der Zuwachs bei den gesamten Aufträgen vermuten ließe. “Trotz des überraschend positiven Auftragseingangs gehen wir deshalb unverändert davon aus, dass der Aufschwung der deutschen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte ein gemächlicheres Tempo einschlägt”, folgerte der Postbank-Experte.

Auch die Commerzbank rechnet mit einer Abschwächung des Wachstumstempos beim Auftragseingang. Zwar profitiere Deutschlands Industrie weiterhin von ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit und den niedrigen Zinsen, welche Investitionen nach wie vor günstig machten. Dennoch dürfte der Schwung nachlassen, “denn Deutschland kann sich wohl nicht von der weltweiten Abschwächung des Wachstums abkoppeln”, kommentierte Commerzbank-Volkswirtin Ulrike Rondorf.