Der Auftragseingang der deutschen Industrie ist im Mai entgegen den Erwartungen gesunken, was jedoch wegen der Aufwärtsrevision des Vormonatswertes in der Tendenz einen weiter positiven Ausblick zulässt.

BERLIN (Dow Jones/ks)–Wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am Mittwoch auf der Basis vorläufiger Daten mitteilte, verringerten sich die Bestellungen gegenüber dem Vormonat preis- und saisonbereinigt um 0,5%. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten hingegen einen Anstieg von 0,5% prognostiziert.

Das Ergebnis für den Monat April fiel dafür besser als zunächst berichtet aus. Der Bestellungen stiegen demnach um 3,2%, nachdem vorläufig ein Anstieg um 2,8% gemeldet worden war. Das BMWi folgert daraus, dass die Bestelltätigkeit in der Industrie “trotz des aktuell leichten Rückgangs in der Tendenz weiter kräftig aufwärts gerichtet” bleibt. Die Industrieproduktion werde vor diesem Hintergrund auf Erholungskurs bleiben.

Volkswirte zeigten sich trotz des überraschenden Rückgangs nicht sonderlich beunruhigt. “Bei dem leichten Auftragsrückgang im Mai dürfte es sich um einen klassischen Rückpralleffekt handeln. Immerhin war das Auftragsvolumen in den beiden Vormonaten insgesamt um 8,8% gestiegen”, meinte Postbank-Volkswirt Heinrich Bayer. Auffallend ist seiner Einschätzung nach allerdings die aktuelle Nachfrageschwäche aus dem Euroraum. Hier fielen die Aufträge im Mai um 3,3% nach einem Anstieg um lediglich 0,1% im Vormonat.

“Die Ordertätigkeit aus der EWU hat sich damit aktuell von der sonstigen Entwicklung nach unten abgekoppelt. Dies kann durchaus mit den derzeitigen Befürchtungen um eine konjunkturelle Schwäche infolge von Schuldenkrise und staatlicher Konsolidierung zusammenhängen”, warnte Bayer.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen verwies darauf, dass die Aufträge trotz des aktuellen Rückgangs im Durchschnitt der Monate April und Mai um rund 6,5% über dem Durchschnitt des ersten Quartals gelegen hätten. Entsprechend zeige das Trendmodell für Mai und Juni einen deutlichen Anstieg der Produktion an, die heutigen Zahlen stützten damit die Erwartung eines Anstiegs des realen Bruttoinlandsproduktes im zweiten Quartal um etwa 1,5%. “Für das Jahr 2010 rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum von 2,5%”, sagte Solveen.

Produktionszahlen für Mai werden am Donnerstag veröffentlicht. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte prognostizieren einen monatlichen Anstieg um 1,0%.

Das Gesamtergebnis der Auftragseingänge im Mai ist nach BMWi-Angaben vor allem durch den “unterdurchschnittlichen” Umfang an Großaufträgen gebremst worden. Das habe sich besonders bei den Produzenten von Vorleistungsgütern bemerkbar gemacht, deren Bestellungen um 2,3% zurückgegangen seien. Die Hersteller von Investitionsgütern konnten demgegenüber einen Orderanstieg um 0,4% und die Hersteller von Konsumgütern sogar ein Orderplus von 3,6% verbuchen.

Sowohl die Bestellungen aus dem Inland wie auch die aus dem Ausland gingen zurück. Die inländische Nachfrage verringerte sich um 0,6%, die ausländische Nachfrage um 0,3%. Im Zweimonatsvergleich April/Mai gegenüber Februar/März ist das Auftragsvolumen der Industrie um 5,6% gestiegen. Die Bestellungen aus dem Ausland nahmen um 5,8% und die aus dem Inland um 5,4% zu.

Den deutlichsten Orderanstieg gab es bei den Herstellern von Investitionsgütern mit einem Plus von 6,1%. Bei den Produzenten von Vorleistungsgütern erhöhte sich die Nachfrage um 5,1% und bei den Herstellern von Konsumgütern um 4,0%. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Bestellungen in der Industrie im April/Mai kalenderbereinigt um 27,3%. Aus dem Inland gingen dabei um 23,0% mehr Aufträge ein. Die Auslandsbestellungen lagen um 31,5% über dem Vorjahresniveau.