Containerschiff

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) war das Volumen der Großaufträge im zweiten Quartal überdurchschnittlich. Die Bestellungen für den "Sonstigen Fahrzeugbau", unter den Schiffe und Flugzeuge fallen, nahmen um 12,5 Prozent zu. - Bild: Hapag Lloyd

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) sanken die Bestellungen gegenüber dem Vormonat um 2,0 Prozent. Sie lagen damit auch um 2,0 Prozent unter dem Durchschnittsniveau des ersten Quartals und um 0,6 Prozent unter dem Stand von April 2015. Volkswirte äußerten sich vor diesem Hintergrund nur gebremst optimistisch für die kurzfristigen Perspektiven der deutschen Industrie.

Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten lediglich einen Rückgang von 0,6 Prozent erwartet, nachdem die Auftragseingänge im Vormonat um revidiert 2,6 Prozent angezogen hatten. Ursprünglich war ein Zuwachs von 1,9 Prozent gemeldet worden. Im Zwei- bzw. Dreimonatsvergleich erhöhten sich die Aufträge laut BMWi um 1,2 bzw. 0,5 Prozent.

Inlandsaufträge steigen im April um 1,3 Prozent

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) war das Volumen der Großaufträge überdurchschnittlich. Die Bestellungen für den "Sonstigen Fahrzeugbau", unter den Schiffe und Flugzeuge fallen, nahmen um 12,5 Prozent zu. Die Auftragseingänge aus dem Inland erhöhten sich um 1,3 Prozent, die aus dem Ausland sanken um 4,3 Prozent. Die Bestellungen aus der EU nahmen um 2,5 Prozent zu, die von außerhalb der EU sanken um 8,3 Prozent.

Bei Investitionsgütern kam es zu einem Rückgang der Auftragseingänge um 6,1 Prozent. Bei Vorleistungsgütern kamen 4,8 Prozent mehr Aufträge zusammen als im Vormonat und bei Konsumgütern 1,0 Prozent weniger.

Das Bundeswirtschaftsministerium wies darauf hin, dass der schwache Einstieg in das zweite Quartal vor allem aus den aktuell sehr schwankungsanfälligen Auftragseingängen der Investitionsgüterproduzenten aus dem Nicht-Euroraum resultiert habe. Diese seien nach einem Zuwachs von 11,0 im März im April um 13,3 Prozent gefallen.

"Insgesamt nehmen die Bestellungen im verarbeitenden Gewerbe in der Tendenz weiter moderat zu, insbesondere die Aufträge aus dem Inland stiegen den dritten Monat in Folge an", konstatierte das Ministerium.

Nach Aussage von ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski sind die April-Daten ein weiterer Beleg dafür, wie schwankungsanfällig die monatlichen Auftragseingangsdaten sind - "vor allem in Ferienzeiten", wie er sagte. Im laufenden Jahr hat die frühe Lage des Osterfestes bereits für einige Probleme mit der Saisonbereinigung geführt.

Insgesamt sieht Brzeski sich von den schwachen Auftragseingängen in seiner Einschätzung bestätigt, dass die deutsche Industrie stagniert. "Es gibt wenig Hoffnung, dass sich das bessert, denn die Unternehmen bauen immer noch ihre Lagerbestände ab, um neue Aufträge abzuarbeiten", analysierte er. Ein Hoffnungszeichen sei allerdings der leichte Anstieg der Kapazitätsauslastung.

Aus Sicht von Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen sind die schwachen Auftragseingänge der Vorbote eines schwachen Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal. "Der von uns auf Basis der Auftragseingänge berechnete Trend für die Produktion zeigt aber seitwärts, so dass für die kommenden Monate kein deutliches Plus bei der Produktion zu erwarten ist. Dies lässt auch für das reale Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal allenfalls einen geringen Zuwachs erwarten", kalkulierte er.

BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar ist optimistischer gestimmt: "Ein Konjunktureinbruch ist auf Basis dieser Daten und vor dem Hintergrund positiver Daten der Konjunkturumfragen wie Ifo-Index und Einkaufsmanagerindizes nicht zu befürchten", sagte er.