Bild: Oliver J. Graf - Fotolia.com

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FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Der Auftragseingang des auftragsorientierten Gewerbes in Deutschland hat zum Auftakt des zweiten Quartals erneut positiv überrascht, was auf eine entsprechend positive Entwicklung der Industrieproduktion hoffen lässt. Wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am Montag mitteilte, erhöhten sich die Bestellungen gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 2,8%, nachdem sie bereits im März um revidiert 5,1% (vorläufig: plus 5,0%) zugelegt hatten. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten dagegen einen Rückgang um 0,5% prognostiziert. Die Bestellungen aus dem Inland erhöhten sich um 2,9% und diejenigen aus dem Ausland um 2,8%. Gegenüber dem Vorjahr berichtete das BMWi eine Zunahme der Auftragseingänge um 29,7%.

Alexander Krüger, Volkswirt beim Bankhaus Lampe sprach von einer “starken Überraschung”. “Besonders erfreulich finde ich den Zuwachs bei Investitionsgütern, denn zuletzt sind die Wachstumsbeiträge ja eher von der Exportseite gekommen”, sagte er. Die Hersteller von Investitionsgütern verzeichneten laut BMWi ein Auftragsplus von 2,2% und die Hersteller von Vorleistungsgütern einen Zuwachs von 4,2%. Dagegen verbuchten die Konsumgüterproduzenten einen Rückgang von 1,2%. Der Umfang an Großaufträgen war nach BMWi-Angaben für April leicht überdurchschnittlich.

Die Daten deuten Krüger zufolge auf ein sehr dynamisches Sommerhalbjahr hin, dem ab dem dritten Quartal eine gewisse Wachstumsabflachung folgen sollte – auch wegen der staatlichen Konsolidierungsbemühungen. Das Bundeswirtschaftsministerium wertete die neuesten Daten als Beleg für eine zu erwartende günstigere Industrieproduktion. “Nach einer ruhigeren Entwicklung im Jahresschlussquartal 2009 hat sich die Bestelltätigkeit in der Industrie aus dem In- und Ausland im laufenden Jahr wieder erheblich belebt”, erklärte das BMWi. Damit zeichne sich für die Industrieproduktion eine Fortsetzung und Festigung des Erholungsprozesses ab, erklärte das Ministerium.

Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte prognostizieren für April einen Anstieg der Produktion im produzierenden Bereich um 0,3%, nachdem im März ein Zuwachs von 4,0% verzeichnet worden war. Das BMWi wird diese Daten am Dienstag um 12.00 Uhr veröffentlichen.

“Mit den heutigen Zahlen hat sich der Ausblick für die deutsche Industrie weiter aufgehellt”, meinte auch ING-Volkswirt Carsten Brzeski. Seiner Einschätzung profitiert sie am meisten von Rückgang des Euro-Wechselkurses. “Die Pkw-Absatzzahlen für das erste Quartal in den USA haben bereits einen ersten Vorgeschmack dieses Wechselkursimpulses geliefert – man sollte auf mehr vorbereitet sein”, sagte Brzeski.

Im Zweimonatsvergleich (März/April gegenüber Januar/Februar) zeige sich das Auftragsvolumen in der Industrie mit plus 6,7% deutlich aufwärts gerichtet. Die Inlandsbestellungen nahmen im Zweimonatsvergleich um 6,2%, die Bestellungen aus dem Ausland um 7,1% zu. Von der in der Tendenz zunehmenden Dynamik bei den Bestellungen hätten weiterhin am stärksten die Hersteller von Vorleistungsgütern (plus 7,0%) und von Investitionsgütern (plus 6,8%) profitiert. Die Nachfrage nach Konsumgütern nahm den Angaben zufolge um 2,7% zu.

Ihren Vorjahresstand überschritten die Industrieaufträge im März/April nach BMWi-Angaben kalenderbereinigt um 27,8%. Die Inlandsaufträge notierten dabei um 24,4% und die Auslandsbestellungen um 30,9% über Vorjahresniveau.