Vor allem Großaufträge aus dem Inland sorgten für eine unerwartet hohe Nachfrage der Industrie

Vor allem Großaufträge aus dem Inland sorgten für eine unerwartet hohe Nachfrage der Industrie nach Investitionsgütern (Bild: imageteam - fotolia.com).

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am Mittwoch mitteilte, erhöhten sich die Bestellungen gegenüber dem Vormonat preis- und saisonbereinigt um 1,8%. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten dagegen einen Rückgang um 0,5% erwartet. Im April waren die Auftragseingänge nach revidierten Angaben um 2,9% (vorläufig: plus 2,8%) gestiegen. Wie schon im Vormonat spielten bei der Orderentwicklung im Mai ungewöhnlich viele Großaufträge eine Rolle.

“Der Anteil an Großaufträgen war stark überdurchschnittlich, was sich insbesondere in der Nachfrage nach inländischen Investitionsgütern niederschlug”, kommentierte das BMWi die Entwicklung. Die Bestellungen aus dem Inland erhöhten sich um 11,3%. Die Nachfrage aus dem Ausland hingegen sank um 5,8%. Den höchsten Zuwachs verzeichneten im Mai mit plus 2,4% die Auftragseingänge für Investitionsgüter, wobei jene aus dem Inland um 20,0% zulegten. Die Nachfrage aus dem Ausland ging dagegen um 8,3% zurück. Die Auftragseingänge für Vorleistungsgüter erhöhten sich um 1,6%. Die Bestellungen für Konsumgüter gingen um 1,5% zurück.

Laut BMWi ging auch der kräftige Nachfrageimpuls aus dem Inland auf Großaufträge zurück. “Insgesamt ist der Aufwärtstrend bei den Auftragseingängen trotz dämpfender Auslandsnachfrage weiter intakt, so dass auch die Perspektiven für die Industrieproduktion günstig bleiben”, schrieben die BMWi-Experten.

So kalkuliert auch Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. “Das wird jetzt die Produktion bis in den Juli stützen”, prognostizierte er. Seiner Einschätzung nach werden die Investitionen in Deutschland auch vom niedrigen Leitzinsniveau angeschoben, laut Taylor-Regel müsste der Leitzins in Deutschland derzeit bei 2,5% liegen, meinte er.

Nach Aussage von ING-Volkswirt Carsten Brzeski enthalten die Mai-Daten zwei Botschaften. “Die eine lautet, dass die deutsche Industrie die globale Wachstumsschwäche zu spüren bekommt, die andere lautet, dass die Binnennachfrage noch stark genug ist, um das auszugleichen”, sagte er. Brzeski zufolge wirken die hohen Auftragsbestände gegenwärtig als Sicherheitsnetz gegen eine eventuell länger anhaltende globale Schwächephase.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen sieht die Sache etwas nüchterner. Er verwies darauf, dass der ausgewiesene Anstieg alleine auf einem einzigen Großauftrag der Deutschen Bahn beruht habe, während die Orders ohne den Posten “Sonstiger Fahrzeugbau”, in dem neben Flugzeugen und Schiffen auch Züge aufgeführt würden, um 1% gefallen seien.

“Damit bestätigen die heutigen Daten, was sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet hat und worauf auch der recht deutliche Rückgang des Einkaufsmanagerindex für die Industrie hinweist: Die Industrie hat seit Anfang des Jahres merklich an Schwung verloren, die zugrundeliegende Tendenz zeigt derzeit eher leicht nach unten als nach oben”, analysierte Solveen.