Auftragseingang Industrie

Der Auftragseingang der deutschen Industrie hat sich im Juli schwächer als erwartet entwickelt. - Bild: Geralt/Pixabay

Der Auftragseingang der deutschen Industrie ist schwächer als erwartet ins dritte Quartal 2016 gestartet, was vor allem an einer schwachen Inlandsnachfrage lag. Das lässt eine weiterhin nur moderate industrielle Aktivität erwarten.

Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) erhöhten sich die Auftragseingänge im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen Zuwachs von 0,6 Prozent prognostiziert. Der Rückgang im Vormonat wurde auf 0,3 (vorläufig: 0,4) Prozent revidiert. Ohne Großaufträge sanken die Bestellungen im Juli um 1,3 Prozent.

Die Auftragseingänge aus dem Inland verringerten sich um 3,0 Prozent, während die aus dem Ausland um 2,5 Prozent zunahmen und die aus dem Euroraum sogar um 5,9 Prozent. Die Bestellungen aus dem übrigen Ausland erhöhten sich um 0,6 Prozent.

"Auch wenn die August-Zahlen wohl wieder etwas besser ausfallen werden, dürfte die Industrieproduktion im dritten Quartal wohl kaum steigen", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen die Daten. Angesichts einer schwächelnden Weltwirtschaft und des abnehmenden Rückenwindes der früheren Euro-Abschwächung wird die Industrie noch einige Zeit kaum etwas zum Wachstum der deutschen Wirtschaft beitragen.

"Wirtschaftliche und politische Verunsicherungen"

BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar sah die Sache dagegen positiver: "Bislang ist kein Brexit-Effekt in den Daten zu erkennen, denn die Bestellungen aus dem Nicht-Euro-Ausland waren auch im Monat nach dem Brexit-Votum leicht aufwärts gerichtet", argumentierte er. Dennoch deuteten die Daten darauf hin, dass die Konjunkturdynamik in Deutschland im Sommer kaum das hohe Tempo aus dem ersten Halbjahr halten wird.

Und Thomas Gitzel, der Chefvolkswirt der liechtensteinischen VP Bank, meinte: "Die wirtschaftlichen und politischen Verunsicherungen dämpfen die Bestelllaune rings um den Globus. Mit US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump steht der nächste Unsicherheitsfaktor vor der Tür." Trump sei der Freihandel ein Dorn im Auge, aber gerade das wollen global agierende Unternehmen nicht hören. Vermutlich sei die Sauregurkenzeit bei den Auftragseingängen noch nicht beendet.

Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag der Auftragseingang auf dem Niveau des Vormonats. Bei den Herstellern von Investitionsgütern gab es einen Zuwachs von 0,8 Prozent. Im Bereich der Konsumgüter fielen die Aufträge hingegen um 4,3 Prozent.

Auf Jahressicht sanken die Auftragseingänge saisonbereinigt um 0,5 Prozent, nachdem das Minus im Juni 2,8 Prozent betragen hatte.

Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) spricht die gegenwärtige Seitwärtsbewegung der Auftragseingänge für eine "eher ruhige Industriekonjunktur im Herbst". "Das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe hatte sich zuletzt eingetrübt, verblieb aber über seinem langjährigen Durchschnitt", urteilte das BMWi.

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal um 0,7 Prozent gewachsen und im zweiten Quartal um 0,4 Prozent. Für das dritte Quartal erwarten Beobachter bisher überwiegend keine deutliche Eintrübung. Im zweiten Quartal war die Industrieproduktion spürbar gesunken. Produktionsdaten für Juli werden am Mittwoch um 8.00 Uhr veröffentlicht. Volkswirte erwarten einen Rückgang um 0,3 Prozent.