Konjunkturelle Gründe sind unter anderem ausschlaggebend für die Minderung der Auftragseingänge.

Konjunkturelle Gründe sind unter anderem ausschlaggebend für die Minderung der Auftragseingänge. - Bild: kru

Dies bekommt auch der deutsche Großanlagenbau zu spüren. Bestenfalls 2016, womöglich aber erst 2017 dürfte wieder mit anziehenden Bestellungen zu rechnen sein, sagte Helmut Knauthe, innerhalb des Verbandes VDMA Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau.

In diesem Jahr geht der Verband bestenfalls von einer Stagnation aus. 2014 waren die Auftragseingänge um 7 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro gesunken. Während die Auslandsbestellungen wegen nachlassender Aufträge aus China, Indien oder Brasilien um 5 Prozent sanken, brach die Inlandsnachfrage um 18 Prozent ein. Dies lag am Zusammenbruch des Marktes für fossile Kraftwerke im Zusammenhang mit der Energiewende in Deutschland.

Der Kraftwerksbau macht mit rund 36 Prozent den größten Anteil am Inlandsanteil im Großanlagenbau aus. Mit weitem Abstand folgen Hütten- und Walzwerke für die Stahl- und Aluminiumindustrie mit 5,2 Prozent und Chemieanlagen mit 4,5 Prozent.

Gerade das Kraftwerksgeschäft leide unter der gedämpften Nachfrage und Überkapazitäten, was zu Preisdruck führe, erklärte der für diesen Bereich verantwortliche Rainer Hauenschild, gleichzeitig Manager bei der Energiesparte von Siemens. In Deutschland sei das Geschäft um 50 Prozent eingebrochen, weil so gut wie keine neuen Kraftwerke gebaut würden. Im Ausland hat der Bereich 2014 zwar noch ein Auftragsplus von 7 Prozent erzielt, jedoch herrsche dort hoher Wettbewerbsdruck durch lokale Anbieter. Und durch geopolitische Krisen würden immer wieder Projekte verschoben oder gar nicht erst realisiert.

Im Hütten- und Walzwerksbau gingen die Auftragseingänge ebenfalls zurück. Während sich hier das Deutschlandgeschäft stabil zeigte, sank die Auslandsnachfrage um 15 Prozent. Vor allem in China sei nur noch mit wenigen Projekten zu rechnen, da sich mit den Jahren dort Überkapazitäten aufgebaut hätten, sagte der verantwortliche Dieter Rosenthal. Potenzial sieht er dort im Zusammenhang mit der herrschenden Luftverschmutzung allenfalls bei umwelttechnischen Technologien. Dagegen lagen die Aufträge aus den USA wegen der niedrigen Energiepreise auf einem hohen Niveau

Und auch im Chemiegeschäft sieht es derzeit nicht rosig aus. Hier sank die Nachfrage 2014 um 12 Prozent.

Da immer mehr Kunden angesichts unsicherer Aussichten immer weniger bereit sind, in neue, große Anlagen zu investieren, wird das Modernisierungsgeschäft sowie der Service für die Unternehmen immer wichtiger. Der Serviceanteil etwa soll im Branchenschnitt von derzeit 15 Prozent bis 2018 auf 20 Prozent vom Umsatz steigen. “Letzlich ist das Servicegeschäft auch ein probates Mittel, um sich gegenüber dem asiatischen Wettbewerb abzugrenzen”, sagte Knauthe. Dies könne in Einzelfällen dazu führen, dass Anlagenbauer zusätzlich auch den Betrieb anbieten würden.

Dow Jones Newswire/Andrea Hecht