Von Andreas Kißler und Beate Preuschoff, Dow Jones Newswires

BERLIN (ks)–Im Oktober hatte der DIHK für 2011 noch einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,4% erwartet. “Die Geschäftserwartungen der Unternehmen verbessern sich in der ganzen Breite der Wirtschaft”, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Die Konjunktur wird nach DIHK-Einschätzung vor allem von der Binnennachfrage getragen, aber auch der Export bleibt auf deutlichem Wachstumskurs. “Der Schwung kommt dabei aus dem Inland und – stärker als gedacht – nach wie vor aus dem Ausland”, erklärte Wansleben. Die Prognose von 3% sei “beachtlich”, sagte der als bisheriger DIHK-Chefvolkswirt für die Umfrage zuständige Außenwirtschaftschef Volker Treier. Darin stecke “noch ein Großteil von einem Aufholprozess vom krisenbedingten Rückschlag”.

Derzeit seien noch 1,4 Punkte aufzuholen, um das Vorkrisenniveau zu erreichen, und die Unternehmensdaten legten nahe, “dass das recht bald in 2011 geschieht”, sagte Treier. In der ersten Jahreshälfte sei deshalb eine höhere Dynamik zu erwarten, die in der zweiten Jahreshälfte “in einen normalen, durchaus starken Aufschwung mündet”. Die Konjunkturdynamik sei aber nicht mehr ganz so hoch wie im Vorjahr.

Laut der am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturumfrage des DIHK erwarten insgesamt nun 34% der Unternehmen bessere Geschäfte gegenüber 33% im Herbst 2010. Im Maschinenbau, in der Metallverarbeitung und in der Elektrotechnik würden mittlerweile sogar bisherige Höchstwerte übertroffen beziehungsweise eingestellt. Auch die Händler sowie die konsumnahen Dienstleister seien so zuversichtlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

“Viel spricht deshalb dafür, dass die Wirtschaft auch nach der zwischenzeitlichen Aufholjagd zum Vorkrisenniveau weiter deutlich wächst”, erklärte die Kammerorganisation. Für das laufende Jahr rechnet der DIHK mit einem Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen um 10,0%. Der Bausektor dürfte seine Produktion um 3,5% ausweiten. Bei den sonstigen Anlagen wird ein Zuwachs von 8,0% erwartet.

Deutlich dürften sich die privaten Konsumausgaben erhöhen, der DIHK erwartet ein Plus von 2,4%. Gestützt werden dürfte dies durch die gute Arbeitsmarktlage. Zwar seien Belastungen aus steigenden Rohstoffpreisen zu befürchten, “aber nicht so stark, dass dies den Konsum deutlich dämpfen sollte”, erwartete Treier. Die Inflation werde mit 1,7% oder 1,8% erwartet. Die Zahl der Arbeitslosen sieht der DIHK im Jahresdurchschnitt 2011 bei 2,9 Millionen Personen. “Für das Jahr 2011 rechnen wir mit 300.000 zusätzlichen Beschäftigten”, sagte Wansleben.

Die deutschen Ausfuhren werden im laufenden Jahr nach Einschätzung der DIHK-Konjunkturexperten um 10,0% zulegen. Im gleichen Umfang von plus 10,0% dürften auch die Importe 2011 steigen. Allerdings stoßen die Betriebe laut der Umfrage auf ernstzunehmende Engpässe: Im Inland spürten immer mehr Branchen den Fachkräftemangel, und auf den Weltmärkten erreichen die Energie- und Rohstoffpreise für viele Unternehmen schmerzliche Höhen.

“Die nachfrageseitigen Risiken haben stark abgenommen”, sagte Treier. Die Befürchtungen der Unternehmen richteten sich eher auf angebotsseitige Risiken, vor allem die Rohstoffpreise. “Das ist eine Belastung im Moment, aber nicht nur ein Nachteil”, betonte Treier. Die Profiteure des hohen Ölpreises würden auch Güter aus Deutschland importieren.

Von der Politik forderte Wansleben “vernünftige Schritte zur Bereinigung des Steuersystems”. Als erste wichtige Signale müssten die Hinzurechnungen von Mieten, Pachten und Leasingraten zur Gewerbesteuer wegfallen, und die degressive Abschreibung müsse wieder eingeführt werden. “Angesichts der so viel besseren Konjunktur gehört die längst überfällige Steuerreform wieder auf die Tagesordnung”, verlangte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.