Auch die deutsche Wirtschaft ist nicht immun gegen eine weltweite Verrauenskrise, so

Auch die deutsche Wirtschaft ist nicht immun gegen eine weltweite Verrauenskrise, so DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben (Bild: DIHK).

von Andreas Kißler und Beate Preuschoff, Dow Jones Newswires

BERLIN (ks)–In der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Prognose sagte die Kammerorganisation für nächstes Jahr nur noch 1,0% Wachstum voraus nach einer erwarteten Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um noch 3,0% in diesem Jahr. Im Mai hatte der DIHK für 2011 noch ein Plus von 3,5% veranschlagt.

Die jüngste Konjunkturumfrage des DIHK zeigt nach Einschätzung von Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, dass die deutsche Wirtschaft “nicht immun gegen eine weltweite Vertrauenskrise” ist. “In den Unternehmensantworten wird eine gehörige Verunsicherung durch die Staatsschuldenkrise und durch die Entwicklungen an den Finanzmärkten deutlich”, sagte er bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Der DIHK sah zunächst keine dramatische Entwicklung in den Wachstumszahlen. Wansleben betonte, insgesamt sei “keine Rezession” zu erwarten. “Nach zwei hervorragenden Jahren entspricht eine Verlangsamung des Wachstums durchaus einem normalen Konjunkturmuster”, sagte er. Die Lageeinschätzung und die amtlichen Daten zeigten, dass nicht zu befürchten sei, dass es im Winter zu Rückgängen des BIP komme. “Wir können es nicht für den weiteren Verlauf 2012 ausschließen”, betonte DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann aber.

Das dritte Quartal könne nach Dafürhalten des DIHK “durchaus positiv überraschen”, erklärte Schumann. “Wir sehen auch kein Indiz, dass eines der Winterquartale negativ werden könnte.” Insbesondere für die privaten Konsumausgaben sahen die Konjunkturexperten des DIHK keine massive Verschlechterung. Für diese werden Steigerungsraten für 2011 von 1,2% und für 2012 von 1,0% erwartet. Schumann betonte, stützend wirke hier die günstige Beschäftigungssituation, die sich auch im kommenden Jahr fortsetzen. Der DIHK erwartete für 2011 eine Arbeitslosenzahl von 2,97 Millionen und für 2012 von 2,82 Millionen.

Die Exporte dürften dieses Jahr um 9,0% wachsen, nächstes aber nur noch um 4,0%, und die Importe dieses Jahr um 8,5% und nächstes um 5,0%. “Die Unternehmen erwarten künftig ein deutlich verlangsamtes Wachstum”, heißt es in der Umfrage, die auf der Auswertung von 28.000 Antworten repräsentativ ausgewählter Mitgliedsunternehmen von Ende August bis Ende September beruht. Die aktuelle Lage wird demnach derzeit noch außergewöhnlich gut eingeschätzt. Vor allem Unternehmen aus Binnenbranchen zeigten sich zufrieden. Die künftige Entwicklung sähen die Unternehmen hingegen mittlerweile deutlich skeptischer als noch bei der Maiumfrage der Kammerorganisation. Dennoch herrsche “noch kein tiefer Pessimismus”.

Wansleben forderte, von der Politik müssten zur Stützung der Wirtschaftslage nun eindeutige Signale für eine solide Finanzpolitik ausgehen. “Wichtig ist ein klares Bekenntnis zu einer Finanzierung ohne Neuverschuldung”, sagte er. Ausdrücklich warnte der DIHK-Hauptgeschäftsführer in diesem Kontext davor, den Euro-Rettungsfonds EFSF über Hebelungseffekte in seiner Wirkung auszuweiten. “Der EFSF darf nicht der Anfang vom Gelddrucken sein”, verlangte er. “Das wäre dann wirklich der Anfang vom Ende des Euros.”