MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Das Wachstum im dritten und vierten Quartal des laufenden Jahres dürfte aber geringfügig besser ausfallen als noch im Juli prognostiziert. “Die Expansion des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Eurozone dürfte sich im Prognosezeitraum auf einem niedrigeren Niveau stabilisieren”, erklärten das Münchener ifo Institut für Wirtschaftsforschung, die französische Statistikbehörde Insee und das italienische Forschungsinstitut ISAE in ihrer am Mittwoch vorgelegten gemeinschaftlichen Quartalsprognose.

Nachdem das BIP der Eurozone im zweiten Quartal um 1,0% zum Vorquartal zugelegt hatte, rechnen die Wirtschaftsforscher für das dritte Quartal nur noch mit einem Wachstum um 0,4%, für das letzte Jahresviertel wird ein BIP-Anstieg um 0,3% vorhergesagt. Damit haben die Experten ihre Prognose vom Juli für das dritte und viertel Quartal um jeweils 0,1 Prozentpunkte angehoben. Für das erste Quartal des kommenden Jahres wird lediglich ein Wachstum von 0,2% erwartet. Im Gesamtjahr 2010 dürfte die Wirtschaft des Euroraums um 1,7% wachsen.

Infolge der ungünstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt, des Auslaufens der Konjunkturprogramme sowie bereits eingeleiteter Konsolidierungsmaßnahmen in manchen Mitgliedsländern erwarten die Forscher im Prognosezeitraum nur eine Schwache Zunahme beim privaten Konsum (plus 0,1% je Quartal). Die Experten betonen in diesem Zusammenhang, dass die Arbeitslosenquote in den vergangenen fünf Monaten bei 10% verharrte und im Prognosezeitraum den Auftrieb der Nominallöhne dämpfen dürfte. Ferner würden auch die fiskalischen Konsolidierungsbemühungen in zahlreichen Mitgliedsstaaten die Expansion der verfügbaren Einkommen zurückhalten.

Auch die Investitionen dürften in der zweiten Jahreshälfte und im ersten Quartal 2011 mit einem deutlich geringeren Tempo als im zweiten Quartal des laufenden Jahres expandieren. “Die Kapazitätsauslastung ist weiterhin niedrig, die Kreditvergabe ist noch immer restriktiv und die Unsicherheit an den Finanzmärkten ist aufgrund der jüngsten Schuldenkrise gestiegen”, heißt es dazu. Außerdem sei zu erwarten, dass die Bauinvestitionen im dritten Quartal eine Gegenbewegung zum starken Anstieg im zweiten Quartal vollziehen werden.

Entsprechend verliere die Industrieproduktion – nach starkem Wachstum im ersten und zweiten Quartal des laufenden Jahres – an Dynamik und dürfe sich in den kommenden Quartalen abschwächen. “Darin spiegeln sich die Eintrübung der Absatzerwartungen sowie die Verlangsamung der Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe im Juni und Juli wider.”

Die Inflation dürfte nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher im vierten Quartal etwas geringer ausfallen als zuvor prognostiziert. “Unter der Annahme, dass im Prognosezeitraum der Ölpreis um 77 Dollar schwanken und der Wechselkurs 1,30 Dollar je Euro betragen wird, dürfte die Inflationsrate am Jahresende bei 1,7% liegen.” Zuvor war eine Jahresteuerung von 1,6% vorhergesagt worden. Die Kerninflationsrate werde in den kommenden Quartalen “sehr stabil bleiben” (plus 1,0%), heißt es.