Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (Dow Jones)–Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag in zweiter Veröffentlichung mitteilte, trugen auch Ausrüstungsinvestitionen sowie Privat- und Staatskonsum zum Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei, das gegenüber dem Vorquartal preis- und saisonbereinigt um 0,4% zulegte. Gegenüber dem vierten Quartal des Vorjahres stieg das BIP preisbereinigt um 4,0%, kalenderbereinigt ergab sich der gleiche Wert.

Damit wurden die Ergebnisse der ersten Veröffentlichung bestätigt, was auch den Erwartungen der von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte entsprach. Im dritten Quartal war das BIP um 0,7% auf Quartals- und um 3,9% (kalenderbereinigt: plus 3,9%) auf Jahressicht gestiegen. Im vollen Jahr 2010 erhöhte sich das BIP um 3,6% (kalenderbereinigt: plus 3,5%), woran ebenfalls der Außenhandel den größten Anteil hatte. Im Jahr 2009 war die Wirtschaftsleistung um 4,7% zurückgegangen.

Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind damit noch nicht vollständig aufgeholt: Das reale BIP lag im Durchschnitt des Jahres 2010 noch um knapp 1,3% unter dem Niveau von 2008. Im vierten Quartal befand es sich saison- und kalenderbereinigt in etwa auf dem Niveau des dritten Quartals 2008. Das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit lag 2010 bei 3,3% (2009: 3,0%), womit die Maastricht-Obergrenze erstmals seit 2005 wieder überschritten wurde.

Exponent der dynamischen Konjunkturerholung war im vierten Quartal erneut die Exportwirtschaft. Während die Ausfuhren gegenüber dem Vorquartal um 2,5% stiegen, wurden im selben Zeitraum lediglich 0,9% mehr Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland nach Deutschland importiert. Der daraus resultierende Außenbeitrag zur Quartalsveränderungsrate des BIP betrug 0,7 Prozentpunkte. Im Inland wurde, wie schon in den ersten drei Quartalen, mehr in Ausrüstungen investiert, sie stiegen um 2,6%. Darüber hinaus waren sowohl die privaten (plus 0,2%) als auch die staatlichen Konsumausgaben (plus 0,6%) höher als im dritten Quartal. “Damit konnte insbesondere der auch witterungsbedingt starke Rückgang der Bauinvestitionen (minus 3,9%) kompensiert werden”, teilte Destatis mit.

Die Bruttoanlageinvestitionen minderten das Quartalswachstum um 0,2 Punkte, was vor allem am negativen Beitrag der Bauinvestitionen (minus 0,4 Punkte) lag, während die Ausrüstungsinvestitionen das Wachstum mit 0,2 Punkten stützten. Die Vorratsveränderungen minderten das Wachstum um 0,4 Punkten nach einem ebenfalls negativen Beitrag von 0,8 Punkten im dritten Quartal.

ING-Volkswirt Carsten Brzeski sagte, zwar sei die Wachstumsrate am Jahresende die schwächste 2010 gewesen, doch zeigten die Details der zweiten Veröffentlichung, dass sich das Wachstum verbreitert habe. Neben dem Außenhandel stütze nun auch der private Konsum das Wachstum und die Investitionen seien ebenfalls gestiegen. “Nur der Bausektor verhinderte eine höhere Wachstumszahl. Aber der zweite negative Beitrag der Lagerveränderungen in Folge lässt in Verbindung mit vollen Auftragsbüchern ein höheres Wachstum in den kommenden Quartalen erwarten, weil der Lagerabbau ein vorübergehendes Phänomen sein dürfte”, kalkulierte Brzeski. Für das erste Quartal hält Brzeski eine weitere “Wachstumssensation” für möglich, die nur von der Ölpreisentwicklung verhindert werden könnte.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen war ähnlich positiv gestimmt. “Die Nachfrage aus dem Ausland nimmt weiter kräftig zu, die Exporte stiegen gegenüber dem Vorquartal um 2,5%”, sagte er. Dies und die positive Gewinnentwicklung habe die Unternehmen erneut deutlich mehr in Ausrüstungsgüter investieren lassen. “Hier belief sich das Plus im Vergleich zum dritten Quartal auf 2,6%, und die Zuwächse in den Vorquartalen wurden noch einmal nach oben revidiert, sodass gegenüber dem vierten Quartal 2009 ein bemerkenswerter Zuwachs von 17,9% zu Buche steht. Damit läuft der Aufschwung weiterhin nicht nur auf dem Zylinder Auslandsnachfrage”, konstatierte Solveen.

Die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2010 wurde von 41,0 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht, das waren 422.000 Personen oder 1,0% mehr als ein Jahr zuvor. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigem, war im Berichtsquartal um 2,9% höher als im vierten Quartal 2009. Je Erwerbstätigenstunde stieg die Arbeitsproduktivität lediglich um 1,0%, da je Erwerbstätigem im Durchschnitt wieder mehr gearbeitet wurde als im Vorjahresquartal (plus 1,9%). Das lag besonders an einem gesamtwirtschaftlichen Anstieg der normalen Wochenarbeitszeit. Außerdem wurden wieder vermehrt Guthaben auf Arbeitszeitkonten aufgebaut, während die Kurzarbeit zunehmend an Bedeutung verlor.

Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche war im vierten Quartal um 4,5% höher als im vierten Quartal 2009. Im produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) war der Anstieg mit plus 11,2% wie schon in den ersten drei Quartalen des Jahres am stärksten. Allerdings hatte es hier während der Wirtschaftskrise auch zweistellige Rückgänge gegeben.

Auch in den Dienstleistungsbereichen erhöhte sich ist die Wirtschaftsleistung: im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr preisbereinigt um 4,4%, bei den öffentlichen und privaten Dienstleistern um 2,3% und im Bereich Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister um 2,2%. Die Land- und Forstwirtschaft, Fischerei erzielte preisbereinigt einen etwas kleineren Zuwachs von 0,9%. Lediglich das Baugewerbe verzeichnete im Berichtsquartal einen geringen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (minus 0,2%).